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Unbekannter bohrt eine Vielzahl von Löchern in Abwasserdruckleitung

Täter sabotiert Millionen-Projekt

FISCHBECK. Die Polizei fahndet nach einem Täter, der auf einer Baustelle bei Fischbeck vier je 156 Meter lange Stränge einer Abwasserdruckleitung mutwillig beschädigt hat. Ermittler sprechen von Sabotage. Der Kriminelle dürfte einen Akkubohrer benutzt haben. Damit habe er eine Vielzahl von Löchern in die 280er-Polyethylen-Leitung gebohrt, sagt Hauptkommissar Günter Urbaniak, der den Fall bearbeitet.

veröffentlicht am 07.06.2018 um 13:55 Uhr
aktualisiert am 07.06.2018 um 17:35 Uhr

Polizeihauptkommissar Günter Urbaniak sichert am Tatort Spuren. Er fragt: „Wer hat in Höhe des Surfteichs bei Fischbeck verdächtige Beobachtungen gemacht?“ Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der Unbekannte achtete darauf, dass die Löcher nicht sofort entdeckt werden. Er bohrte häufig die schwarzen Kunststoff-Schweißnähte an und platzierte andere Bohrlöcher innerhalb der Buchstaben von Beschriftungen. Arbeiter des Tiefbau-Unternehmens Friedrich Meier aus Weibeck sind davon überzeugt, dass der Täter genau wusste, was er tat. Bohrspäne habe er sorgfältig von den Rohren entfernt, hieß es. Der Kriminalfall gibt der Polizei Rätsel auf. Hinweise auf das Motiv gibt es bislang nicht. Sicher sind sich die Polizisten aber in einem Punkt: „Das war kein Dummejungenstreich.“ Der Täter dürfte stundenlang zugange gewesen sein. So etwas könne man nicht mal eben im Vorbeigehen machen. „Wir haben zwar am Tatort Spuren gesichert, bislang gibt es aber nur wenig Ermittlungsansätze“, sagt Hauptkommissar Urbaniak. Die Tatzeit konnte eingegrenzt werden – sie liegt zwischen Dienstag, 29. Mai und Montag, 4. Juni. Der Sachbearbeiter setzt deshalb auf Hinweise aus der Bevölkerung. Er fragt: „Wer hat verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich der Kiesteiche bei Fischbeck beobachtet?“ Möglich, dass Fahrradfahrern Personen aufgefallen sind, die sich dort abends oder nachts an den grünen Rohrleitungen zu schaffen gemacht haben. Sie könnten wie Bauarbeiter gekleidet gewesen sein. Unter der Telefonnummer 05152/947490 nehmen die Beamten sachdienliche Angaben entgegen.

Die Abwasserdruckleitung wird seit Mai verlegt. Sie führt in diesem Abschnitt parallel zur Bundesstraße 83 neben dem Weserradweg zum sieben Kilometer entfernten Klärwerk von Hessisch Oldendorf und soll im November fertig sein. Die Gesamtbaumaßnahme schlägt nach Angaben der Stadt Hessisch Oldendorf mit 2,3 Millionen Euro zu Buche. Die Abwässer aus den Dörfern Fischbeck, Höfingen, Bensen, Haddessen und Pötzen werden derzeit noch bei Wehrbergen im Klärwerk Hameln gereinigt. „In Zukunft sollen sie zum Klärwerk Hessisch Oldendorf geleitet werden“, erklärt der Leiter des Abwasserbetriebes und Baubetriebshofes, Björn Ladage.

Ein Arbeiter des Tiefbauunternehmens hatte am Montag gegen 13 Uhr zufällig ein kleines Loch in der neben dem Radweg zusammengeschweißten Rohrleitung entdeckt. Dieses Bohrloch hatte der Täter – vermutlich versehentlich – neben der schwarzen Schweißnaht gemacht. „Ich habe das Loch zunächst für einen Käfer gehalten“, erzählt der Rohrleitungsbauer. Bei einer sofort mit Druckluft durchgeführten Dichtigkeitskontrolle der bereits im Horizontal-Spülbauverfahren verlegten 156 Meter langen Rohrleitung stellten die Bauarbeiter Undichtigkeiten fest. Sie kontrollierten daraufhin die noch nicht verlegten Stränge und entdeckten dabei zahlreiche kleine Bohrlöcher. Der Täter dürfte zunächst einen 1,5 Millimeter starken Bohrer benutzt haben. Dieser ist möglicherweise abgebrochen. Fest steht: Er hat den Bohrer ausgewechselt und fortan einen etwas größeren (zirka drei Millimeter) benutzt. Oder es gab zwei Täter.

Lutz-Jörg Homeier, Geschäftsführer der Firma Friedrich Meier Tiefbau, schätzt den Schaden auf 40000 Euro. Er ist froh, dass der Sabotage-Akt frühzeitig entdeckt wurde. „Das ist Glück im Unglück“, sagt Homeier, denn: „Hätten wir erst 1,5 Kilometer Rohr verlegt und erst dann diesen Teilabschnitt auf seine Dichtigkeit hin überprüft, wäre das für uns ein absoluter Super-GAU gewesen. Das geht dann schon mal an die Existenz.“

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