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26-Jähriger aus Garbsen gesteht

Täter gefasst: Bombendrohung an der KGS in Salzhemmendorf

SALZHEMMENDORF. Eine anonyme Bombendrohung hat am Donnerstag an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Salzhemmendorf im Lauensteiner Weg zu einem Großeinsatz für die Polizei geführt. Die Schule wurde geräumt, ein Sprengstoffhund war im Einsatz. Ein 26-jähriger Mann aus Garbsen hat die Tat am Donnerstagabend gestanden.

veröffentlicht am 04.08.2016 um 11:37 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Großeinsatz am Ith – nach einer Bombendrohung ist die Kooperative Gesamtschule Salzhemmendorf (KGS) am Donnerstagvormittag evakuiert worden. 850 Schüler wurden nach Hause geschickt. Starke Polizeikräfte sperrten das Gebäude weiträumig ab. Ein Sprengstoff-Spürhund wurde angefordert. Erst gegen 14.30 Uhr gab die Einsatzleitung Entwarnung. Ein verdächtiger Gegenstand war nicht entdeckt worden. Am späten Nachmittag stellte sich der Gesuchte der Polizei – es handelt sich um einen 26 Jahre alten Mann aus Garbsen. Er hatte erfahren, dass ihm die Polizei auf den Fersen ist.
Die Polizei hat Ermittlungen wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten“ eingeleitet. „Mit einem solchen Drohanruf begeht ein Täter eine Straftat, die mit drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann“, erklärt Oberkommissar Andreas Appel. Zudem müssten Geschnappte damit rechnen, dass sie die Kosten des Einsatzes bezahlen müssen – und das könne teuer werden.
KGS, Lauensteiner Weg, erster Schultag nach den großen Ferien: Um 10.02 Uhr geht im Sekretariat der Anruf eines Mannes ein. Der Anonymus behauptet, er habe im Gebäude eine Bombe versteckt. Schulleiterin Christine Sprengel reagiert sofort – sie greift zum Hörer und informiert die Polizei. Die Drohung des Unbekannten löst einen Großeinsatz aus. Aus Hameln, Bad Münder und Salzhemmendorf fahren sofort alle verfügbaren Streifenwagen mit Blaulicht und Sirene zur Schule. Auch das Tatort-Team der Inspektion und eine zivile Streife der Bereitschaftspolizei, die zufällig in der Nähe ist, steuern Salzhemmendorf an. Derweil wird die Schule geräumt.
Um 11.10 Uhr trifft die Schulleiterin eine Entscheidung, über die sich viele Kinder und Jugendliche freuen: Der Unterricht wird heute nicht mehr fortgesetzt.
Busse fahren vor – die meisten Schüler werden nach Hause gefahren. Rettungs- und Krankenwagen des Deutschen Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bundes steuern die Schule an. Drei junge Leute sollen an chronischen Erkrankungen leiden. In der Eile haben sie vergessen, Medikamente, auf die sie dringend angewiesen sind, mit nach draußen zu nehmen. Rettungsassistenten kümmern sich um die Schüler.
Gegen 11.30 Uhr trifft ein Hundeführer aus Nienburg ein. Auf ihn und seine Spürnase „Askan“ haben alle gewartet. Der Holländische Schäferhund kann Sprengstoffe aller Art aufspüren. Nach einer Lageerkundung gehen Polizisten, die schussfeste Westen tragen, der Hund und sein Herrchen in die Schule. Mitglieder des hauptamtlichen Rettungsdienstes stehen abseits der Absperrung in Bereitschaft. Die Männer werden am frühen Nachmittag von ehrenamtlichen Rettern der Schnellen-Einsatz-Gruppe des DRK Marienau abgelöst.
Um 14.10 Uhr meldet sich eine 17 Jahre alte Schülerin über die Notrufnummer bei der Polizei. Die junge Frau aus dem Raum Bad Münder teilt mit, sie habe am Morgen mit einem Mann gechattet und ihm geschrieben, dass sie „keinen Bock auf Schule“ habe. Der 26-Jährige aus Garbsen soll geantwortet haben: „Ich sorge schon dafür, dass du nicht zur Schule musst.“ Die Polizei hat eine heiße Spur.
Die Durchsuchungsaktion zieht sich bis 14.30 Uhr hin. Erst danach steht fest: In der KGS wurde keine Bombe versteckt.
Am frühen Abend teilt Oberkommissar Andreas Appel mit: „Der 26 Jahre alte Mann aus Garbsen hat eingeräumt, die Bombendrohung ausgestoßen zu haben.“

 

Auch in der Vergangenheit hat es mehrfach Polizeieinsätze nach Drohungen gegeben. Ein Überblick:

2 Bilder
Foto: ube
  • 2. Januar 2015. Ein 38-Jähriger ohne festen Wohnsitz droht in der Hamelner Agentur für Arbeit mit einer Bombe. Der Mann kann zunächst nicht belangt werden. „Wir wissen nicht, wo er sich aufhält, haben das Verfahren deshalb vorläufig eingestellt“, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge ein Jahr später. Nach dem Tatverdächtigen werde gesucht, heißt es.
  • 11. Januar 2015. Bombendrohung in Hameln. Eine 14 Jahre alte Schülerin sorgt mit mehreren Anrufen für große Aufregung: Die Polizei räumt das Bahnhofsgebäude, mehrere Kinosäle, ein Restaurant, einen Imbiss und das Parkhaus. Alle Züge und Busse mit Ziel Hameln werden gestoppt. Taxi-Fahrer müssen ihre Standplätze verlassen. Allein in Hameln sind weit mehr als 500 Menschen betroffen. S-Bahnen fallen aus oder haben Verspätung. Im Maxx-Kino werden fünf Filme gestoppt. 400 Menschen müssen das Gebäude verlassen. Die Täterin wird geschnappt und nach dem Jugendstrafrecht zu einem sogenannten Freizeitarrest verurteilt. Zusätzlich muss die Jugendliche 100 Arbeitsstunden in einem Mutter-und-Kind-Heim ableisten.
  • 12. März 2015: Im Amtsgericht Hameln geht eine Bombendrohung ein. Das Gebäude wird umstellt und durchsucht – Spürhunde finden zum Glück keinen Sprengsatz.
  • 23. Dezember 2015. So wie das Jahr begonnen hat, endet es auch in der Agentur für Arbeit. Von dem Täter, der behauptet hat, er habe in der Behörde eine Bombe deponiert, fehlt noch jede Spur.
  • 8. Januar 2016. Wegen einer Amok-Drohung fällt der Unterricht an der Handelslehranstalt in Hameln aus. Schule und Sicherheitsbehörde verständigen sich anfangs darauf, einen Heizungsschaden vorzutäuschen, um keine Panik aufkommen zu lassen.
  • 4. August 2016: Bombendrohung gegen die KGS in Salzhemmendorf. Acht Stunden später legt ein Mann (26) ein Geständnis ab.

Januar 2016: Amokalarm in der HandelslehranstaltDezember 2015: Bombendrohung gegen die Hamelner ArbeitsagenturMärz 2015: Bombendrohung gegen das Amtsgericht HamelnJanuar 2015: Bombendrohung am Hamelner BahnhofAugust 2013: Bombendrohung an der Stadtgalerie HamelnAugust 2013: Bombendrohung gegen die Hamelner Arbeitsagentur



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