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Feuerwehren im Dauereinsatz

Starkregen: Wasser fließt in Keller und überflutet Straßen

WESERBERGLAND. Sintflutartige Regenfälle haben am Samstagabend in Teilen Hameln-Pyrmonts für Überflutungen gesorgt. Einige Orte meldeten „Land unter“. Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

veröffentlicht am 30.09.2017 um 18:26 Uhr
aktualisiert am 02.10.2017 um 10:29 Uhr

Der Kirmesfestplatz ist abgesoffen. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
Freiwillige Kräfte pumpten stundenlang vollgelaufene Keller aus, schoben Schlamm und Geröll von Landstraßen und bauten mit Sandsäcken Barrieren. Besonders stark waren Hessisch Oldendorf und Aerzen vom Hochwasser betroffen. In Rumbeck fiel der Kirmes-Tanzabend buchstäblich ins Wasser – das Festzelt wurde überflutet (Seite 19). In Bad Münder sorgten Windböen für Schäden.

Die dunklen Wolken, die um kurz vor 17 Uhr ins Weserbergland zogen, ließen nichts Gutes verheißen. Wenig später öffnete der Himmel seine Schleusen. Für die Hessisch Oldendorfer Feuerwehr begann die wohl umfangreichste Einsatzlage überhaupt.

Felder konnten die enormen Wassermassen nicht aufnehmen. Kleine Rinnsäle verwandelten sich innerhalb von Minuten in reißende Sturzbäche. Wasser-Schlamm-Gemische stürzten die Segelhorster Straße hinunter. Ähnliche Bilder boten sich auf der südlichen Weserseite. Wie eine braune Brühe flossen Fluten die Sonnentalstraße in Heßlingen herunter, die Landesstraße bei Friedrichsburg glich einem großen Bach.

In Hemeringen, Fuhlen und Segelhorst bildeten sich Seen. Die Landesstraße zwischen Krückeberg und Weibeck musste am Abend voll gesperrt werden. In Friedrichsburg haben Forellen auf der Straße getanzt , sagte ein Feuerwehrmann. Zuvor hatten die Wassermassen einen Teich überflutet und die Fische herausgespült. In Hemeringen mussten Pferde von einer überfluteten Koppel in Sicherheit gebracht werden.

Die Heßlinger Feuerwehr pumpt einen Keller aus. Foto: fn
  • Die Heßlinger Feuerwehr pumpt einen Keller aus. Foto: fn
Wassermassen auf den Straßen in Klein Heßlingen. Foto:fn
  • Wassermassen auf den Straßen in Klein Heßlingen. Foto:fn

Gegen 17.20 Uhr erreichte die Feuerwehr der erste Alarm: In Heßlingen musste ein Keller ausgepumpt werden. Nahezu im Minutentakt folgten weitere Meldungen. Einsatzleiter Tobias Ebbighausen ließ fast sämtliche Hessisch Oldendorfer Ortswehren alarmieren – am späten Abend waren 200 Kräfte von Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz im Unwettereinsatz. Ein DRK-Einsatzzug versorgte die durchnässten und abgekämpften Feuerwehrleute in der Fahrzeughalle am Steinbrinksweg mit heißen Getränken und Mahlzeiten. „So eine große Einsatzlage hatten wir noch nie, selbst bei einem Großbrand nicht“, so Ebbighausen. Bis um 2 Uhr waren die Kräfte damit beschäftigt, Sandsäcke zu verlegen und Keller auszupumpen. In einigen soll das Wasser 150 Zentimeter hoch gestanden haben. Die Freiwilligen waren stark gefordert, arbeiteten bis weit in die Nacht hinein über 70 Einsätze ab. Oft drückte Wasser durch die Kellerwände. „Es floss auch durch Steckdosen“, berichtete der Einsatzleiter.

In Rumbeck seien Gullydeckel von Wassermassen hochgedrückt worden, so Ebbighausen. In den braunen Fluten habe man sie nicht wiederfinden können. Feuerwehrleute transportierten Ersatz vom Bauhof ins Weserdorf, um Schächte abzudecken. Ein Überblick über die Höhe der Schäden liegt noch nicht vor.

Auch Sonnentals Ortsbürgermeister Jost Beckmann wurde vom Gewitter überrascht. Durch eine Überspannung seien mehrere elektronische Geräte ausgefallen, auch das Telefon, erzählte Beckmann.

Ähnliche Lage auch in Aerzen. „In Posteholz und Flakenholz waren mehrere Straßen überflutet, der Verkehr lief nur eingeschränkt“, sagte Daniel Hundertmark. In Poste-holz drohte Wasser in mehrere Häuser zu laufen, in Grupenhagen in ein Wohn- und Geschäftshaus, teilte der Feuerwehrsprecher mit. Auch Bad Münder blieb vom Unwetter nicht verschont. In Kessiehausen deckte eine starke Windböe große Flächen eines Daches ab. Die Feuerwehr rückte an, um das Wohnhaus gegen eindringendes Wasser zu sichern.

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