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Fünf weitere Angeklagte kommen wohl mit Bewährung davon / Am 17. Mai werden die Urteile gesprochen

Staatsanwaltschaft beantragt Gefängnisstrafe für Ibrahim S.

HAMELN/HANNOVER. Zwei Jahre und vier Monate nach den Krawallen vor dem Amtsgericht Hameln und dem Sana-Klinikum mit 30 teils erheblich Verletzten haben am Donnerstagnachmittag der Erste Staatsanwalt Dr. Jörg Hennies und die Verteidiger der sechs Angeklagten ihre Plädoyers gehalten.

veröffentlicht am 11.05.2017 um 15:45 Uhr

Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Wegen der Gewaltexzesse, die sich am 14. Januar 2015 ereignet hatten, müssen sich die Mutter (50) des während eines Fluchtversuchs am Amtsgericht Hameln in den Tod gestürzten Mohamed S. (26) und fünf Männer (27, 27, 28, 30, 46) wegen diverser Straftaten verantworten. Es geht um versuchte Anstiftung zu einer erheblichen Gewalttat, schweren Landfriedensbruch, mehrere gefährliche Körperverletzungen, Morddrohungen und Beleidigungen. Die Angeklagten hatten Geständnisse abgelegt und hofften auf Bewährungsstrafen, die ihnen im Vorfeld in Aussicht gestellt worden waren. Für Ibrahim S. (27), Bruder des seinerzeit ums Leben gekommenen mutmaßlichen Räubers, hält die Staatsanwaltschaft allerdings zweieinhalb Jahre Gefängnis für tat- und schuldangemessen - unter Einbeziehung einer bereits ergangenen Verurteilung (ein Jahr und sieben Monate) wegen Einbruchs. Sein Strafverteidiger Dr. Andreas Hüttl beantragte ein halbes Jahr Haft weniger. Die anderen fünf Angeklagten kommen mit Haftstrafen davon, die aus Sicht der Anklagebehörde allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden können. Khadra S. (50), Mutter des tödlich Verunglückten, und Bashir S. (30) sollen je zwölf Monate, Tarek F. (27) zehn Monate und die bislang unbescholtenen Männer Abdel-Kader S. (46) acht Monate und Omar S. (28) sechs Monate erhalten. Roman von Alvensleben, der die Mutter vertritt, beantragte eine mildere Strafe. Er hält sechs Monate auf Bewährung für ausreichend. Der psychiatrische Gutachter Dr. Tobias Bellin hatte der 19. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Stefan Joseph zuvor erklärt, dass sich Khadra S. in einer psychischen Ausnahmesituation befand, als sie behauptete, Mohamed S. sei von Polizeibeamten aus dem Fenster gestoßen worden. Ihr Sohn war Minuten zuvor vor ihren Augen abgestürzt. Verzweiflung, Wut, später auch Trauer, hätten sich zu einer explosiven emotionalen Gemengelage vermischt, meint der Anwalt. Der Prozess wird am 17. Mai um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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