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Zweiter Prozess um den Tod eines Hamelners hat begonnen

Staatsanwalt spricht von Heimtücke und Mord

Hameln/Hildesheim. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim bleibt dabei - sie wertet den gewaltsamen Tod des Hamelners Mahmud Khoder (25) als Mord. Staatsanwalt Lars Bölter spricht nach wie vor von Heimtücke. Der Angeklagte habe das Opfer "abstrafen" wollen. Vor dem Schwurgericht in Hildesheim hat am Montagvormittag um 9 Uhr der Prozess gegen den mehrfach vorbestraften Oliver T. begonnen. 

Aus dem Landgericht Hildesheim berichtet Ulrich Behmann

veröffentlicht am 04.04.2016 um 07:45 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:25 Uhr

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Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

++ Update ++ 

Im Herbst 2013 hatte der heute 30-Jährige Mord-Ermittler zur Leiche des Hamelners Mahmud Khoder geführt. Der in Müllsäcke verpackte und in Folie eingerollte Tote lag auf der Ottensteiner Hochebene am Randes eines Wäldchens, war unter einem großen Haufen Grünschnitt versteckt worden. Richter des Landgerichts müssen sich zum zweiten Mal mit dem gewaltsamen Tod des Mannes beschäftigen – Mahmud Khoder war am frühen Abend des 10. November 2013 durch einen Messerstich in den Rücken getötet worden. Oliver T., der den damals 25-jährigen Deutschen mit libanesischen Wurzeln umgebracht hat, war im Juni 2014 allerdings vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Die Richter waren zu dem Schluss gekommen, dass die Notwehr-Version des Angeklagten nicht zu widerlegen ist. Nebenklage-Vertreter Roman von Alvensleben, der Ibrahim Khoder, den Vater des Getöteten, vertritt, hatte seinerzeit in letzter Minute ein weiteres kriminaltechnisches Gutachten beantragt. Der Rechtsanwalt wollte wissenschaftlich geklärt wissen, ob Oliver T. die Wahrheit gesagt hat. Im Kern ging es um die Frage: Kann sich die Tat so, wie sie von dem Angeklagten geschildert wurde, überhaupt ereignet haben? Das Schwurgericht unter Vorsitz des Richters Peter Peschka war darauf nicht eingegangen. Die Kammer vertrat die Ansicht, dass es mit den vorliegenden Details nicht möglich ist, den exakten Geschehensablauf zu rekonstruieren. Das war ein Fehler. Die vom Nebenkläger eingelegte Revision hatte Erfolg. Der Bundesgerichtshof kassierte den Freispruch. Die fünf Richter in Karlsruhe waren bei der Überprüfung des Urteils zu dem Schluss gekommen, dass das Landgericht nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, die Wahrheit herauszufinden. Nun sollen die Vorsitzende Richterin KarinBrönstrup, zwei weitere Berufsrichter und zwei Schöffen die Wahrheit herausfinden. Drei medizinische Sachverständige werden von der Strafkammer angehört und zahlreiche Zeugen vernommen. Am ersten Prozesstag will die Kammer fünf Polizeibeamte als Zeugen befragen.


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  • Verwandte und Bekannte des getöteten Mahmud Khoder gingen nach dem Freispruch auf die Straße und demonstrierten für Gerechtigkeit. Foto: ube


Hintergrund:

Ab heute, 9 Uhr, beschäftigt sich zum zweiten Mal das Landgericht Hildesheim mit dem gewaltsamen Tod des Hamelners Mahmud Khoder. Dieser war am 10. November 2013 durch einen Messerstich getötet worden. Oliver T. (30), der den damals 25-jährigen Deutschen mit libanesischen Wurzeln umgebracht hat, war im Juni 2014 vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Doch der Bundesgerichtshof kassierte den Freispruch: Das Landgericht habe nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Wahrheit herauszufinden.

Dem zur Tatzeit 28 Jahren alten Angeklagten wird zur Last gelegt, am Abend des 10. November in seiner Wohnung mit dem späteren Opfer bei einem Drogendeal in Streit geraten und diesem unvermittelt von hinten mit einem Messer wuchtig in den Rücken gestoßen zu haben, wodurch das Opfer nur kurze Zeit später verstorben sein soll. Am folgenden Tag soll der Angeklagte Oliver T. seine Wohnung gereinigt, den Leichnam in drei Müllbeutel verpackt, mit Frischhaltefolie umwickelt und mit Kreppklebeband verschnürt haben, bevor er ihn mit einem PKW abtransportiert und in einem Waldstück auf der Ottensteiner Hochebene versteckt haben soll.

Mit Urteil von 10. Juni 2014 hatte das Landgericht Hildesheim den Angeklagten vom Mordvorwurf freigesprochen und ihn lediglich wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Haftstrafe von 3 Jahren verurteilt. Zur Überzeugung kam die Kammer, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass der Angeklagte selber vom späteren Opfer mit dem Messer abgegriffen worden sei und er sich deshalb in einer Notwehrlage befunden habe.

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