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Prozess um brutale Attacke bei Tanz in den Mai geht zu Ende / Urteile am 21. September

Staatsanwalt beantragt Haftstrafen

HAMELN/HANNOVER. Im Prozess um die brutale Attacke, die im Jahr 2015 beim Tanz in den Mai in der Rattenfängerhalle verübt wurde, sind am Dienstag die ersten Plädoyers gesprochen worden. Oberstaatsanwalt Dr. Marcus Preusse beantragte für den Angeklagten Enis Y. (29) sechs Jahre Haft. Sein Bruder Erdinc Y. (25) soll fünf Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

veröffentlicht am 06.09.2017 um 18:12 Uhr

Auf der Anklagebank: Die Brüder Enis und Erdinc Y. werden von vier Rechtsanwälten verteidigt. Foto: leo
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Totschlag vor. Die vier Rechtsanwälte werten den Angriff nur als gefährliche Körperverletzung. Tanja Brettschneider und Björn Nordmann halten für Enis Y. eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für ausreichend. Das Strafverteidiger-Duo Roman von Alvensleben und Muammer Duran kämpft dafür, dass der Angeklagte Erdinc Y. mit einer Bewährungsstrafe davonkommt. Auch der Staatsanwalt gehe davon aus, dass die Brüder zur Tatzeit vermindert schuldfähig waren, sagte von Alvensleben. Die Brüder hatten Monate nach der Tat die Flucht ergriffen und waren in der Türkei untergetaucht. Ihre Verteidiger konnten sie schließlich davon überzeugen, dass es für sie besser ist, nach Deutschland zurückzukehren und sich zu stellen. Erdinc Y. wurde von der bulgarischen Grenzpolizei, Enis Y. von der Bundespolizei am Flughafen Langenhagen festgenommen.

Das Opfer Tunc K. (28) fühlte sich vor mehr als zwei Jahren dem Tod sehr nahe. Seine Anwältin Seyhan Öztürk hatte im Gerichtssaal Fotos von den Verletzungen, die dem Aerzener zugefügt worden waren, gezeigt. „Die Tat werde ich nie vergessen – da bin ich mir sicher“, hatte der 28-Jährige am zweiten Prozesstag gesagt. Er werde noch immer geplagt von schlimmen Albträumen, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwächen. Das Verbrechen verfolge ihn sehr oft bis in den Schlaf. „Ich träume die Tat und wache dann schweißgebadet und mit Tränen in den Augen auf.“ Seine Arbeit als Maschinenführer könne er nicht mehr ausüben, er arbeite jetzt als Kontrolleur in der Firma.

Das Schwurgericht wird die Urteile voraussichtlich am 21. September verkünden.

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