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Vor Gericht: Hehlerei in 24 Fällen

Smartphones für relativ kleines Geld

WESERBERGLAND. Smartphones sind begehrt, besonders Spitzenmodelle. Von dem Kuchen möchten Kriminelle ein Stück abschneiden. In einem Fall aus Bückeburg hat das Amtsgericht jetzt einen Mindener (38) wegen gewerbsmäßiger Hehlerei in 24 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung.

veröffentlicht am 09.08.2017 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 09.08.2017 um 18:40 Uhr

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Von einem Nienstädter hatte der Frührentner originalverpackte iPhones zu Preisen zwischen zumeist 400 und 450 Euro erstanden, bevor er die Geräte im Schnitt für ungefähr 550 Euro an einen Händler im Kreis Minden-Lübbecke weiterverkaufte. Im Tatzeitraum, der sich von Dezember 2014 bis September 2015 erstreckt, lag der übliche Handelspreis im Laden laut Anklage bei 665 Euro.

Der Nienstädter (28) hatte die Geräte bei eBay angeboten und behauptet, sie stammten von Bekannten. Tatsächlich hatte der 28-Jährige die iPhones unter falschem Namen im Internet bestellt und die Sendungen abgefangen, wofür er bereits im Vorfeld des jetzigen Prozesses verurteilt worden ist. Zur Übergabe trafen er und der Mindener sich jeweils am Hubschraubermuseum in Bückeburg.

„Kam es Ihnen nicht komisch vor, dass er so viele Freunde und Bekannte hatte, die alle ihre originalverpackten Handys loswerden wollten - und dann auch noch mit Verlust?“, fragte Richter Dr. Dirk von Behren den jetzt angeklagten Frührentner mit einem Anflug von Ironie. „Ich war blöd“, räumte der 38-Jährige ein. Wohl war. „Man muss nicht studiert haben, damit da die rote Lampe angeht“, meinte von Behren. Falls das Urteil rechtskräftig wird, ist die Sache für den Mindener noch nicht ausgestanden. Ihm sitzt nicht nur die Justiz im Nacken, sondern auch das Finanzamt.

Der Angeklagte hatte sinngemäß behauptet, er habe pro Gerät lediglich 20 bis 30 Euro verdient. „Warum sollte man für einen Gewinn von 20 Euro einen solchen Aufwand in Kauf nehmen?“, fragte der Richter in seiner Urteilsbegründung eher rhetorisch. „Für ihn als Rentner war es verlockend, jeden Monat nebenbei schönes Geld abzugreifen“, glaubt von Behren.

Zugunsten des Mindeners wirkte sich aus, dass dieser dem Handyladen, für den die Smartphones bestimmt waren, zur Entschädigung freiwillig 8000 Euro gezahlt hatte, die er sich leihen musste. Verkauft hat der angeklagte Mindener offenbar auch viele Smartphones, die aus ganz legalen Geschäften stammten.

Mit Hehlerware wollte der Händler jedoch nichts zu tun haben. „Als ein Schreiben von der Polizei kam, hat Herr (...) die Handys anstandslos ersetzt“, berichtete er während der Verhandlung als Zeuge.

Hinzu kommt: Vor Gericht zeigte der 38-Jährige echte Reue. Zeitweise schien er den Tränen nahe zu sein. „Mein Mandant ist fix und fertig, er kann nicht mehr schlafen“, erklärte Verteidiger Heinz-Christoph Wieschollek. „Wir sind uns einig, dass da etwas schiefgelaufen ist, aber er hat sich keine Gedanken gemacht“, fügte der Anwalt hinzu und plädierte auf Freispruch.

Gegen den Angeklagten sprechen die „Häufigkeit und Hartnäckigkeit“, mit der die Taten begangen worden seien, hieß es in der Urteilsbegründung. Das Gericht leitet daraus „kriminelle Energie“ ab. ly

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