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Polizei nimmt drei mutmaßliche Einbrecher fest

Schüsse in Hehlen - Verfolgungsjagd wie im Krimi

veröffentlicht am 16.09.2016 um 12:39 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

Niels
Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Die Kriminellen waren dreist – oder vielleicht auch nur dumm, denn: Sie gingen nicht heimlich, still und leise vor. Sie machten stattdessen Krach. Es störte sie nicht einmal, dass sie von Bewegungsmeldern erfasst wurden und das Licht anging. Mit einem schweren Stein machten sie sich am frühen Freitagmorgen gegen 2.50 Uhr daran, Scheiben der der Gaststätte „Grillstation Bahnhof Hehlen“ an der Hauptstraße einzuschlagen.
Neben der Eingangstür hatten sie keinen Erfolg – das Sicherheitsglas ging zwar kaputt, fiel aber nicht aus dem Rahmen. Also machten sie sich an einem anderen Fenster zu schaffen. Die Täter hatten die Rechnung ohne einen Bäcker gemacht, der vis-à-vis wohnt, und Augenzeuge des Einbruchs wurde. Niels Jablonski hatte vor der Fahrt zur Arbeit noch eine Zigarette rauchen wollen und sich ans Fenster gestellt, als sich vor ihm ein Krimi abspielte. „Erst habe ich nur einen Mann gesehen, der sich mehrfach umgesehen hat“, erzählt der Familienvater. „Das kam mir komisch vor.“ Dann tauchte eine zweite Person auf, die durch die Fenster schaute.“ Niels Jablonski ahnte, was sich gleich vor der Kneipe seines Vaters abspielen wird. Der 27-Jährige informierte die Polizei und hielt die Beamten der Leitstelle bis zum Eintreffen der ersten Einsatzkräfte minutenlang auf dem Laufenden. Die Fahnder waren rasch zur Stelle. Als die ersten Streifenwagen den Tatort erreichten, hatte es das Trio noch nicht einmal geschafft, in die Kneipe einzudringen. „Ein Täter wollte gerade durch ein Loch in der zertrümmerten Fensterscheibe in den Gastraum einsteigen. Er ist dann aber wieder runtergesprungen und weggelaufen“, erzählt der Zeuge. Die Kriminellen ergriffen die Flucht. Polizisten nahmen die Verfolgung auf. Es gelang ihnen, zwei der drei Flüchtigen (36 und 41 Jahre alt) in der Nähe der nur 300 Meter entfernten einer Tankstelle zu schnappen. Zunächst war unklar, ob zwei oder drei Personen zugeschlagen hatten. Niels Jablonski hatte nur zwei Gestalten sehen können. Während der Ermittlungen stellte sich jedoch rasch heraus, dass noch ein Täter auf der Flucht war. Bei der Tatortaufnahme hatten die Beamten zudem das Auto des Trios entdeckt. Ermittler legten sich auf die Lauer. Um 6.46 Uhr tauchte der dritte Mann an dem Wagen auf. Als er die Zivilfahnder bemerkte, die das Fahrzeug observiert hatten, gab der 35-Jährige Fersengeld. Er lief durch Gärten und über Grundstücke. Einem Polizeibeamten gelang es, dem mutmaßlichen Täter im unwegsamem Gelände zu folgen. Mehrfach forderte der Verfolger den Flüchtigen auf, sofort stehen zu bleiben. Vergeblich. Der Mann lief einfach weiter. Der Beamte habe zwei Signalschüsse abgefeuert, um seinen Kollegen auf diese Weise mitzuteilen, wo er sich befindet, erklärt Oberkommissar Andreas Appel.
Auf dem Flugplatz Lagenhagen startete derweil Polizeihubschrauber „Phönix“. Der Gesuchte sprang schließlich in der Nähe der Schlossstraße in die Weser, wollte ans andere Ufer schwimmen. Er gab sein Vorhaben jedoch auf, kehrte zurück und ließ sich festnehmen. Möglich, dass er die Polizeibeamten aus Emmerthal gesehen hat, die bereits am gegenüberliegenden Ufer auf ihn warteten.
Bei den drei Tatverdächtigen handelt es sich nach Informationen unserer Zeitung um amtsbekannte Personen, die schon wegen Diebstahls und Einbruchs in Erscheinung getreten sein sollen. Der 41-Jährige stammt aus Hameln. Er dürfte die meisten Taten auf dem Kerbholz haben. Seine beiden jüngeren Komplizen (35, 36) wohnen in Göttingen.
Gastwirt Peter Jablonski, der die Grillstation am ehemaligen Bahnhof seit 23 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Anja Hartmann betreibt, freut sich, dass die Einbrecher so schnell gefasst wurden. „Die Polizei“, sagt er, „war ja auch sehr schnell da.“ In den vergangenen zwei Jahrzehnten hatte er bereits fünfmal ungebetene Gäste im Lokal – zuletzt 2009. Stets wurden die Automaten aufgebrochen.

Beliebter Treffpunkt im Dorf – die „Grillstation Bahnhof Hehlen“ an der Hauptstraße (B 83). Als ein Krimineller durch das Fenster (rechts) klettern wollte, trafen die ersten Streifenwagen ein. Foto: ube


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