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80-Jähriger aus Bodenwerder soll in Hameln Ersparnisse übergeben – und wird ausgeraubt

Schon wieder: Falsche Polizisten betrügen Senior

HAMELN/BODENWERDER. Erst Afferde, dann Unsen, jetzt Bodenwerder – schon wieder ist es skrupellosen Kriminellen gelungen, einen Senior um seine Ersparnisse zu bringen. Als dem Mann Zweifel kamen, wurde der 80-jährige aus Bodenwerder auf dem Parkplatz eines Baumarkts an der Hamelner Werftstraße ausgeraubt.

veröffentlicht am 17.08.2018 um 16:31 Uhr

Auf dem Parkplatz eines Baumarktes an der Werftstraße sollte die Geldübergabe stattfinden. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der Täter versetzte ihm einen Schlag gegen die Brust und entriss ihm eine Tasche, in der sich Geld und Sammlermünzen befanden. Wert der Beute: mehrere Zehntausend Euro. Erst vor wenigen Tagen gelang es den Trickbetrügern, die sich stets am Telefon als Polizisten ausgeben, einen mit Geld, Schmuck, Wertgegenständen und Sparbüchern gefüllten Jutebeutel, den ein älteres Ehepaar (81, 85) aus Unsen auf Anweisung der Täter unter einer Sitzbank in der Nähe seines Hauses deponiert hatte, zu stehlen. Wert der Beute: fast 50000 Euro. Ende Mai war es falschen Polizisten gelungen, einem Ehepaar (87, 92) aus Afferde Gold und Geld im Wert von 130 000 Euro abzunehmen. Die Täter hatten ein älteres Ehepaar dazu gebracht, die Barren auf einem Spielplatz in einen Mülleimer zu legen.

Nachdem in der vergangenen Woche eine Betrugswelle mit 48 registrierten Anrufen falscher Polizeibeamter über Bereiche des Weserberglandes hinweg geschwappt ist (wir berichteten), erreichte gestern eine erneute Welle die Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden. Angerufen wurden am Donnerstag bis in die Abendstunden hinein insbesondere alleinstehende Frauen, die im Ortsnetzbereich Hameln (24 registrierte Anrufe), in Bad Pyrmont (zwölf Anrufe) und in Bodenwerder-Halle (acht Anrufe) wohnen. Die jüngsten Warnhinweise und Berichte in der Dewezet haben größtenteils Wirkung gezeigt: „Die überwiegende Zahl der Angerufenen war vorgewarnt, wurde skeptisch und legte schließlich auf“, sagt Hauptkommissar Jens Petersen.

In einem Fall waren die Kriminellen jedoch erfolgreich: Leider zu spät bemerkte der 80-Jährige aus Bodenwerder, dass er von Betrügern über den Tisch gezogen wurde. Der Senior hatte am Donnerstag gegen 21.15 Uhr einen Anruf erhalten. Es meldete sich ein Kommissar Richter. Der angebliche Polizist schilderte dem Mann, dass er in nächster Zeit ungebetenen Besuch von Einbrechern bekommen würde. Das hätten Ermittlungen ergeben. Die Täter, log der Betrüger, seien brutal und würden Schusswaffen einsetzen. Er würde dem 80-Jährigen helfen, seine Wertsachen in Sicherheit zu bringen, so dass die Einbrecherbande kein Interesse mehr an ihm hätte, erzählte der falsche Fahnder.

Der Betrüger brachte den Senior dazu, noch am Abend eine Tasche mit Geld und wertvollen Münzen am Übergabeort in Hameln (Baumarkt-Parkplatz an der Werftstraße) an einen Komplizem zu übergeben. „Dem Mann kamen im letzten Moment Zweifel. Daraufhin wollte er die Übergabe der Tasche abbrechen. Der Täter schlug dem Senior an den Oberkörper und riss ihm die Wertsachen aus der Hand“, schildert Petersen die Situation. Damit liege nicht nur ein Betrugsdelikt, sondern auch eine Raubtat vor.

Der Haupttäter ist zirka 30 Jahre alt und etwa 1,85 Meter groß. Er hat einen auffallend kräftigem Körperbau, kurze schwarze Haare und einen kurzen schwarzen Vollbart. Das Erscheinungsbild sei südosteuropäisch, sagt das Opfer. Der Mann trug eine blaue Jeanshose und ein graues Langarm-Oberteil. Nach der Tat verschwand der Räuber auf dem Baumarkt-Gelände.

Während der Anfahrt zum Parkplatz sei der Senior zwischendurch per Mobiltelefon zur Königstraße 14 beordert worden, sagt Petersen. Bevor er letztendlich zur Werftstraße weitergeschickt wurde, hatte er mit einem mutmaßlichen Komplizen persönlichen Kontakt. Dieser hat ein mitteleuropäisches Aussehen, ist zwischen 25 und 30 Jahre alt und etwa 1,75 Meter groß. Der Gesuchte hat kurze dunkle Haare und ein glatt rasiertes Gesicht. „Auch er war kräftig gebaut, trug jedoch eine braune Hose und ein buntes T-Shirt“, so Petersen.

Erst am nächsten Morgen habe sich der 80-Jährige mit der Polizei in Verbindung gesetzt und erfahren, dass er Opfer einer Betrüger-Bande geworden ist.

In der Vergangenheit hat die Polizei im Weserbergland mehrfach solche Anrufwellen registriert und via Pressemitteilungen, über soziale Netzwerke und in Beratungsgesprächen die Bevölkerung gewarnt.

Außerdem wurden insbesondere Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste und Bankangestellte zu diesem Thema sensibilisiert.

„Wir unternehmen zu diesem Kriminalitätsphänomen viel in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Prävention, können aber vermutlich nicht alle potenziellen Opfer über konventionelle Wege erreichen. Wir müssen davon ausgehen, dass nicht alle die Medienberichterstattung so intensiv verfolgen und möglicherweise von der beschriebenen Betrugsmasche nichts erfahren haben“, stellt Petersen fest. Der Hauptkommissar appelliert an unsere Leser: „Wir bitten Sie als Angehöriger oder Nachbar eines älteren Menschen darum, unsere wichtigen Hinweise an diese weiterzugeben, damit die Trickbetrüger nicht so oft Erfolge für sich verbuchen können.“



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