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Urteil in der nächsten Woche

Schmiergeld-Prozess um Schießsportverein: Fünfeinhalb Jahre Haft gefordert

HAMELN/HANNOVER. Im Prozess um das mutmaßliche Schmiergeld-System des Schießsportvereins Hameln 2000 fordert die Staatsanwaltschaft fünfeinhalb Jahre Haft für den Hauptangeklagten Vincenzo B. Die Anklage wirft ihm und mehreren ehemaligen Vorstandsmitgliedern des Vereins besonders schwere Bestechlichkeit vor. In der kommenden Woche wird das Urteil erwartet.

veröffentlicht am 13.07.2017 um 13:41 Uhr
aktualisiert am 13.07.2017 um 18:33 Uhr

Vicenzo B. sitzt auf der Anklagebank im Landgericht. Der ehemalige Ehrenvorsitzende eines Schießsportvereins und Hamelner Promi-Wirt soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zu einer langen Haftstrafe verurteil werden. Foto: Archiv/ube

Ein ausgesprochen langer Mammutprozess neigt sich langsam dem Ende zu. Seit Anfang Januar ist die 18. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover damit beschäftigt herauszubekommen, was an Vorwürfen dran ist, die die Staatsanwaltschaft sechs Mitgliedern des Schießsportvereins Hameln 2000 vorwirft. Die rund 400 Mitglieder des einstigen Vereins schossen auf einem Stand im Auetal, unweit der Autobahn 2.

Gestern sah die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten Vincenzo B. eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten als angemessen an. Für die Mitangeklagten Roman K. und Oliver G. ein Jahr und neun Monate beziehungsweise ein Jahr und drei Monate. Diese Strafen allerdings ausgesetzt auf Bewährung – unter gleichzeitiger Verhängung von Geldauflagen in Höhe von 6000 Euro und 4000 Euro.

Es geht um Bestechung und um scharfe Schusswaffen. Vereinsmitgliedern soll gegen Geld die einjährige Mitgliedschaft im Verein, die regelmäßige Teilnahme am Schießen und eine Sachkundeprüfung bescheinigt worden sein. Diese drei Punkte sind die Voraussetzung dafür, dass jemand, der eine scharfe Schusswaffe sein eigen nennen möchte, überhaupt eine Waffenbesitzkarte beantragen kann. Die Sache flog auf. Der Schuss ging für die Schützen nach hinten los.

Bislang hat die Strafkammer fast an 30 Tagen verhandelt und dabei mehr als 130 Zeugen vernommen. Gestern hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten. Sie geht beim einstigen Ehrenvorsitzenden und ehemaliger Kassenwart des Vereins von 35 Taten der Bestechlichkeit im besonders schweren Fall aus – bei den Mitangeklagten, zwei ehemaligen Vereinsvorsitzenden, von Beihilfe in 20 und einmal in 15 Fällen. Vom Vorwurf der Mittäterschaft , der in der Anklageschrift gegen beide erhoben wurde, ist die Staatsanwaltschaft abgerückt.

Dreh- und Angelpunkt im Verfahren sei eine spannende Rechtsfrage gewesen, die es zu klären galt, sagt Pressesprecher und Richter am Landgericht Hans-Christian Rümke: War der Angeklagte Amtsträger? Die Staatsanwaltschaft sei davon ausgegangen, dass Vincenco B. „Amtsträger im Sinne der strafrechtlichen Vorschrift“ ist. „Und da geht es darum, wer einem Amtsträger Vorteile zukommen lässt“, so Rümke. Hier sei die Staatsanwaltschaft der Meinung, dass B. – weil er in den Genehmigungslauf eingebunden war – Aufgaben der öffentlichen Verwaltung als Beliehener wahrgenommen hätte. Schon deshalb, weil die Waffenbehörde, die hinterher die Voraussetzungen für eine Erteilung prüft, an die Sachkundenachweise gebunden ist. Deshalb sieht die Staatsanwaltschaft hier eine Amtsträgereigenschaft vor.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft spräche für den Angeklagten, dass er schon über ein Jahr in Untersuchungshaft sitzt und geringe Summen eingenommen worden sind. Teilweise seien es mit 500 bis 600 Euro gewesen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft „überschaubare Summen“ gewesen , wie Rümke sagt.

Das Verfahren gegen drei ehemalige Angeklagte – Jens A. , Dirk H. und Patrick V. – wurde mittlerweile unter Zahlungsauflagen von zweimal 3000 und 1800 Euro eingestellt. Das Urteil gegen die drei Angeklagten soll in der kommenden Woche gesprochen werden.

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