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Vier Festnahmen – Bundespolizisten führen auch im Kreis Holzminden Durchsuchungen durch

Schlag gegen Schleuserbande

BOFFZEN. Mit einem Trick sollen Mitglieder einer syrischen Schleuserorganisation Flüchtlinge aus Syrien, die in Griechenland auf ihre Einschleusung nach Deutschland warteten, per Flugzeug in die Bundesrepublik geschmuggelt haben. Im Landkreis Holzminden, im Kyffhäuserland, in Oldisleben und in Bad Frankenhausen (Thüringen) wurden Wohnungen durchsucht. Die Ermittlungen richten sich gegen vier Tatverdächtige, denen gewerbsmäßige Einschleusung von Menschen vorgeworfen wird.

veröffentlicht am 16.11.2018 um 17:02 Uhr
aktualisiert am 20.11.2018 um 11:57 Uhr

Festnahme – Bundespolizisten nehmen einen mutmaßlichen Schleuser fest. Foto: Bundespolizei
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Unterstützt von Kräften der Bundesbereitschaftspolizei Duderstadt haben Fahnder der Bundespolizei-Inspektion Flughafen Hannover am Donnerstag zu einem Schlag gegen die Bande ausgeholt. Im Landkreis Holzminden, im Kyffhäuserland, in Oldisleben und in Bad Frankenhausen (Thüringen) wurden Wohnungen durchsucht. In Boffzen sei zwar niemand festgenommen worden, sagte Hauptkommissar Jörg Ristow der Dewezet. „Allerdings wurden auch dort diverse Beweismittel sichergestellt.“ Die Ermittlungen richten sich gegen vier Tatverdächtige, denen gewerbsmäßige Einschleusung von Menschen vorgeworfen wird. Gegen drei Personen hätten Richter Untersuchungshaft angeordnet. „Zwei Beschuldigte haben die Vorwürfe bereits eingeräumt“, sagte Ristow. Die Bundespolizei rechnet eigenen Angaben zufolge damit, demnächst weitere Verdächtige dingfest machen zu können.

Die Bundespolizeiinspektion Flughafen Hannover hatte seit Oktober im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hildesheim gezielt gegen Personen einer „Schleuserorganisation syrischer Herkunft“ ermittelt. Grund: Am Flughafen Langenhagen waren mehrere versuchte unerlaubte Einreisen von syrischen Staatsangehörigen aus Griechenland aufgeflogen. „Bei stichpunktartigen Einreisekontrollen hatten Reisende, meist Frauen aus Syrien, Dokumente vorgezeigt, die auf andere Personen ausgestellt waren. „Nachermittlungen ergaben, dass die syrischen Staatsbürger stets von Schleusern begleitet wurden“, berichtet der Hauptkommissar.

Die missbräuchliche Nutzung von Ausweispapieren anderer Personen, insbesondere von deutschen Reiseausweisen für Flüchtlinge, sei sehr vielschichtig und ein verbreiteter Modus Operandi, teilten Bundespolizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das Phänomen tauche insbesondere bei Einreisen von den griechischen Inseln nach Deutschland auf. Die Polizei hat inzwischen reagiert: Um unerlaubte Grenzübertritte zu verhindern, setzt die Bundespolizei an Schwerpunktflughäfen in Griechenland sogenannte „grenzpolizeiliche Unterstützungsbeamte Ausland“, kurz GUA, ein. Die Spezialisten würden derartige Einreiseversuche erkennen und in Zusammenarbeit mit den griechischen Beamten unterbinden, heißt es.

Nach Angaben der GUA wurden im vergangenen Jahr an griechischen Flughäfen „rund 1600 Ausweismissbräuche im Zusammenhang mit geplanten Reisebewegungen in andere EU-Staaten“ registriert. Etwa 1400 dieser Personen wollten nach Deutschland fliegen.

Im Zuge der Ermittlungen stellten Bundespolizisten am Flughafen Hannover fest, dass in den Monaten September und Oktober von Rhodos aus zehn Menschen nach Hannover, Leipzig, Hamburg und München geschleust werden sollten. Den Flüchtlingen – es handelt sich zumeist um Syrerinnen – sollen die Schleuser für ihre Dienste zwischen 1500 Euro und 2000 Euro abgenommen haben. Am 1. November wurde ein mutmaßlicher Menschenschmuggler auf frischer Tat ertappt, am 14. November fanden in zwei Bundesländern diverse Wohnungsdurchsuchungen statt. „Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial, darunter Mobiltelefone, mobile Datenträger, Buchungsunterlagen sowie mehrere Tausend Euro Schleuserlohn, beschlagnahmt“, teilte Ristow mit.



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