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Drei mutmaßliche Täter verhaftet

Schlag gegen falsche Polizisten - elf Verdächtige gefasst

HAMELN/BAD MÜNDER/BREMEN. Verdeckt operierenden Fahndern der Hamelner Polizei ist in enger Zusammenarbeit mit Staatsanwälten aus Hannover am frühen Dienstagmorgen ein Schlag gegen eine Bande gelungen, die in Verdacht steht, in mehreren Bundesländern als falsche Polizisten zahlreiche Betrugstaten begangen zu haben. Elf Verdächtige wurden gefasst, drei der mutmaßlichen Täter wurden in Haft genommen.

veröffentlicht am 11.09.2018 um 09:54 Uhr
aktualisiert am 11.09.2018 um 18:56 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
  • Verdeckte Operation der Hamelner Polizei
  • Ermittlungen gegen elf Verdächtige
  • drei Männer verhaftet
  • Bande ausgehoben

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Thomas Klinge handelt es sich bei den Festgenommenen um Männer mit Migrationshintergrund, die 22, 28 und 33 Jahre alt sind. Ein Verdächtiger ist in Hameln geboren worden, zwei Beschuldigte stammen aus Syrien. Das Trio wird noch heute einem Haftrichter vorgeführt. Insgesamt gibt es elf Beschuldigte. An der geheim gehaltenen Polizeiaktion waren neben Ermittlern des Zentralen Kriminaldienstes aus Hameln, Hundeführern der Polizeidirektion Göttingen auch Einheiten der Bereitschaftspolizei Niedersachsen beteiligt, die auf Festnahmen gefährlicher Personen und auf die Sicherung von Beweismitteln spezialisiert sind.

Es ist davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft bei Gericht Haftbefehle gegen sogenannte „Logistiker“ erwirkt hat. So werden die Täter genannt, die die Betrügereien in Deutschland vorbereiten und steuern. Bei den anderen Verdächtigen dürfte es sich um „Abholer“ handeln. Diese schnappen sich die Wertsachen, die von den Opfern zuvor in Mülleimern oder unter Sitzbänken deponiert wurden. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Klinge sind die Verdächtigen bei Ermittlungen zu Wohnungseinbrüchen ins Visier der Fahnder geraten. „Die Taten richten sich hauptsächlich gegen ältere Menschen und sind mit hohen Schadenssummen verbunden“, sagte Heltner. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft operieren die Hintermänner von der Türkei aus.

Auch in Afferde, Unsen und Bodenwerder waren in diesem Jahr falsche Polizisten mit ihrer Masche erfolgreich. Der Gesamtschaden, der bei diesen drei Taten entstanden ist, wird auf mehr als 200 000 Euro geschätzt. Im August lockten Verbrecher einen 80-Jährigen aus Bodenwerder auf den Parkplatz eines Baumarkts an der Hamelner Werftstraße, versetzten ihm einen Schlag und raubten ihn aus. Wert der Beute (Geld und Sammlermünzen): mehrere Zehntausend Euro. Wenige Tage zuvor war es Trickbetrügern, die sich am Telefon als Polizisten ausgegeben hatten, gelungen, einen mit Geld, Schmuck, Wertgegenständen und Sparbüchern gefüllten Jutebeutel, den ein älteres Ehepaar (81, 85) aus Unsen auf Anweisung der Täter unter einer Sitzbank in der Nähe seines Hauses deponiert hatte, zu stehlen. Wert der Beute: fast 50 000 Euro. Ende Mai war es falschen Polizisten gelungen, einem Ehepaar (87, 92) aus Afferde Gold und Geld im Wert von 130 000 Euro abzunehmen. Die Täter hatten das Ehepaar dazu gebracht, die Barren auf einem Spielplatz in einen Mülleimer zu legen. Ob auch diese drei Taten auf das Konto der jetzt gefassten Verdächtigen gehen, wird geprüft.

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  • Polizeieinsatz an der Sertürner Straße in Hameln: Am frühen Dienstagmorgen stürmten Einheiten der Bereitschaftspolizei zahlreiche Wohnungen, nahmen Verdächtige fest und suchten nach Beweismaterial. Foto: ube
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Eine 69-Jährige aus Hildesheim wurde um 40 000 Euro, ein Sparbuch und mehrere Goldbarren gebracht. Und ein Rentner aus Hemmingen bei Hannover wurde so um fast 100 000 Euro betrogen. Knapp die Hälfte davon überwies der Mann auf ein Konto in der Türkei. Falsche Polizisten waren nach Angaben des Landeskriminalamts in den ersten sechs Monaten dieses Jahres allein in Niedersachsen etwa 50 Mal erfolgreich. Dabei erbeuteten sie rund zwei Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab es 110 vollendete Betrügereien. Der Schaden lag bei 2,5 Millionen Euro.



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