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Bundesweite Polizei-Aktion

Schlag gegen Bordell-Netzwerk: Razzien auch im Weserbergland

BAD PYRMONT/BAD NENNDORF/SIEGEN. Die meisten Polizisten waren maskiert, trugen kugelsichere Westen und waren schwer bewaffnet – sie schlugen Mittwoch früh um 6 Uhr zu. Auch in Bad Pyrmont, wo drei „illegal aufhältige Frauen“ aufgespürt wurden, und in Bad Nenndorf. Es war die größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme seit Bestehen der Bundespolizei.

veröffentlicht am 18.04.2018 um 18:51 Uhr

Razzia an der Bäckerstraße in Bad Pyrmont. Bundespolizisten bringen zwei Frauen aus Thailand zum Streifenwagen. Foto: jl
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Auch die Spezialeinheit GSG 9 und mehrere auf Beweismittelsicherung und Festnahmen spezialisierte Sondereinheiten waren im Einsatz. Elitepolizisten der GSG 9 kümmerten sich um die Hauptverdächtigen – es soll sich um eine thailändische Staatsangehörige (59) und ihren deutschen Lebensgefährten (62) handeln. Es geht um den Verdacht der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern, des Menschenhandels, der Ausbeutung von Prostituierten, der Zuhälterei und um vieles mehr. Die Bande soll von Siegen aus Frauen und Transsexuelle aus Thailand in ein bundesweites Bordell-Netzwerk geschickt haben. Es habe eine Art Rotationsprinzip gegeben, sagte ein Polizeibeamter. 62 Rotlicht-Etablissements und Wohnungen, in denen der Prostitution nachgegangen wurde, seien durchsucht, 135 Personen, darunter 81 Prostituierte, vorläufig festgenommen und sieben Haftbefehle vollstreckt worden, hieß es. Mehr als 248 000 Euro wurden sichergestellt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer spricht von „einem harten und in seinem Ausmaß beispiellosen Schlag gegen ein bundesweit verzweigtes Netzwerk der Organisierten Kriminalität“.

Im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main waren am Morgen in zwölf Bundesländern 1527 Polizisten ausgeschwärmt. Die Aktion war streng geheim gehalten worden. Zum Kern der Bande zählen 17 Beschuldigte. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft richtet sich jedoch gegen insgesamt 54 Frauen und Männer (26 bis 66 Jahre alt). Die Gruppierung soll Frauen und Transsexuelle mit erschlichenen Schengen-Visa als Touristinnen getarnt ins Bundesgebiet eingeschleust haben. „Den Zweck hat man nicht verheimlicht, die Frauen sind aber über die Konditionen getäuscht worden“, heißt es. Den Schleuserlohn – er soll pro Person zwischen 16 000 Euro und 36 000 Euro betragen haben – mussten die Frauen in den Bordellen „abarbeiten“. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurden sie gezwungen, nahezu 100 Prozent ihres Arbeitslohns an den jeweiligen Betreiber des Massage-Studios abzuführen. Die Bundespolizei geht davon aus, dass der Ertrag der Schleuserbande im Millionen-Bereich liegt. Der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dr. Dieter Romann, sagte, es gehe den Kriminellen nicht um humanitäre Fluchthilfe, sondern um persönliche Bereicherung.

„Der sexuellen Ausbeutung in einem abscheulichen Maß konnte ein Ende gesetzt werden. Horst Seehofer Bundesinnenminister
  • „Der sexuellen Ausbeutung in einem abscheulichen Maß konnte ein Ende gesetzt werden. Horst Seehofer Bundesinnenminister

Mehr als 13 Monate hatten Spezialfahnder Indizien und Beweise gegen die Tatverdächtigen gesammelt – am Mittwoch schlugen sie konzertiert zu. Innenminister Seehofer sagte: „Viele Hunderte Frauen und Männer waren der menschenverachtenden grenzenlosen Profitgier von Schleusern über Jahre und Landesgrenzen hinweg ausgeliefert. Diesem skrupellosen Vorgehen und der sexuellen Ausbeutung in einem abscheulichen Ausmaß konnte heute ein Ende gesetzt werden.“



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