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Streit zwischen Familien eskaliert

Schlägerei am Kuckuck

Hameln. Am Morgen titelte die Dewezet „Wende am Kuckuck?“, am Abend flogen dort die Fäuste. Kurz nach 18 Uhr sei es am Montag auf der Straße zu einer Auseinandersetzung zwischen zirka 40 Personen gekommen, teilte die Polizei am Dienstag mit. Nicht alle seien an der Schlägerei beteiligt gewesen. Am Ende gab es allerdings drei Verletzte.

veröffentlicht am 16.02.2016 um 13:43 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:42 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Polizeikräfte hätten die Kontrahenten getrennt und weitere Konfrontationen verhindert, sagt Oberkommissar Jens Petersen. Das Motiv für den Streit liegt nach derzeitigen Erkenntnissen der Ermittler „im persönlichen Bereich“. Gegen zwei polizeibekannte Brüder (20, 24) sind Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung eingeleitet worden. Die beiden deutschen Staatsbürger, die zu einer alteingesessenen Sinti-Familie gehören, gelten derzeit als die mutmaßlichen Schläger. Drei Zuwanderer aus Rumänien haben nach Polizeiangaben leichte Verletzungen davongetragen – sie sind 25, 27 und 27 Jahre alt. Die Ermittlungen stehen allerdings noch ganz am Anfang. Denn: Da die Verletzten kein Deutsch sprechen, habe es Verständigungsschwierigkeiten gegeben, sagt Petersen. Eine „ausreichende Sachverhaltsklärung sei vor Ort nicht möglich“ gewesen. Bekannt sei nur, dass es bereits am Wochenende einen Vorfall gegeben habe, bei dem einer der Deutschen von einem Rumänen in einem Auto geschlagen worden sein soll. Die Ermittler werden sicher einige Vernehmungen durchführen müssen, bis Licht in das Dunkel kommt.

Die Sinti-Familie sieht sich als Opfer. Erst sei sein Sohn Ricado (24) zwischen Hannover und Ronnenberg in einem Auto „grün und blau geprügelt“ worden, dann sein Sohn Mario (20) am Kuckuck überfallen, geschlagen, getreten und ausgeraubt worden, sagt Wilfried Rübe – und erklärt, warum am Montag so viele Familienangehörige am Kuckuck waren. „Meine Schwester liegt in Hofgeismar im Sterben. Sie hat sieben Kinder. Da ist die Familie aus Deutschland, Frankreich und Belgien bei den Ältesten in Hameln zusammengekommen, um darüber zu sprechen, wer sich um welches Kind kümmern wird.“ Mario sei nur kurz zu einem Auto gegangen, um einen Jacke zu holen. „Da ist ein BMW gekommen. Drei Männer sind rausgesprungen, haben ihn zusammengeschlagen und ihm die Jacke mit 150 Euro, Ausweis, EC-Karte und Krankenkassenkarte gestohlen. Dass  unsere Leute ihm zur Hilfe eilen und dazwischen gehen, ist doch klar.“

Diese drei Männer seien auch am Samstagabend dabei gewesen, als Ricado im Auto verprügelt wurde. „Der Fahrer hat ihn mit seinem Sitz eingequetscht und gemeinsam mit einem Kumpel geschlagen. Zwei Insassen haben von draußen die Türen zugehalten“, erzählt Wilfried Rübe, was ihm sein Sohn berichtet hat. Hintergrund der Attacken sei die Trennung von einer Frau gewesen. „Das ist ein Konflikt zwischen einer Roma- und einer Sinti-Familie.“ Sein Sohn Ricado soll zweieinhalb Jahre mit einer Roma zusammen gewesen sein. „Er hat sie nach Sinti-Sitte geheiratet. Aber die Familie hat illegale Sachen von ihm verlangt“, behauptet Wilfried Rübe. „Er sollte 30, 40 Leute in seiner Wohnung schlafen lassen. Aber so was machen wir nicht.“ Der Halbbruder der 17-Jährigen habe wegen der Trennung Rot gesehen und Ricado überfallen. Die Schlägerei im Auto habe das Opfer zunächst nicht angezeigt. „Wir Sinti rufen nicht die Polizei. Wir versuchen, das erst mal selbst zu klären.“ Jetzt sei es aber an der Zeit, die Taten zu melden. „Wir erstatten Anzeige wegen Körperverletzung und wegen Raubes.“ 

Der rumänische Staatsbürger (27), der das Auto am Samstag von Hannover nach Hameln gefahren hat und auch am Montag am Kuckuck dabei war, schildert den ersten Vorfall anders. „Ricado hat während der Fahrt meine Frau angefasst.“ Ein Mitfahrer (27) habe dem Mann deshalb seinen den Ellenbogen ins Gesicht gehauen. Es steht Aussage gegen Aussage.          



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