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Vorstand will Auflösung empfehlen / Schießstand gekündigt

Schießsportverein steht nach Razzia vor dem Aus

Hameln. Nach einer großangelegten Razzia wird der Vorstand des in den Fokus der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geratenen „Schießsportvereins Hameln 2000 e.V.“ in naher Zukunft der Mitgliederversammlung empfehlen, den Verein aufzulösen. Das sagte am Dienstag der Vorsitzende Roman Klodnyckyj im Gespräch mit der Dewezet.

veröffentlicht am 24.05.2016 um 15:53 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:12 Uhr

Ulrich Behmann

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Der Schützenverein in Rehren habe den Vertrag für die Nutzung des Schießstands gekündigt. Das allein sei aber nicht der Grund: „Der Imageverlust ist einfach zu groß. Selbstkritisch sagt Klodnyckyj: Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, müssen wir uns alle im Vorstand fragen: Wie konnte das passieren?“ Einzelne Mitglieder stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover im Verdacht, Sachkundenachweise gegen Geld abgegeben zu haben. Mit den illegal erworbenen Papieren sollen sich Mitglieder bei den zuständigen Kreisbehörden Waffenbesitzkarten erschlichen haben. Ein Richter erließ gegen einen 58 Jahre alten Hamelner Haftbefehl wegen Fluchtgefahr. Dem Vorstandsmitglied wird Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall vorgeworfen.

Mit einem Großaufgebot an Kräften hatten Polizisten am 19. Mai mehr als 90 Objekte in Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Rheinland-Pfalz und Bayern durchsucht. Die Zentralstelle für Korruptionsstraftaten, eine Spezialdienststelle der Staatsanwaltschaft Hannover, ermittelt gegen mehr als 100 Beschuldigte wegen Bestechung und Bestechlichkeit. Noch laufen die Ermittlungen, noch stehen Vernehmungen aus, noch sind nicht alle sichergestellten Unterlagen gesichtet worden.  Gerüchte, wonach gezielt Personen aus dem Rotlichtmilieu und der rechtsextremen Szene mit scharfen Waffen versorgt wurden, bezeichnet die Staatsanwaltschaft als Spekulation. „Bisher ist mir dazu nichts mitgeteilt worden“, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker am Dienstag. „Dagegen spricht, dass die Beschuldigten aus dem ganzen Bundesgebiet kommen. Es deutet nichts darauf hin, dass diese Personen im Zusammenhang miteinander stehen.“

Der Vereinsvorsitzende Roman Klodnyckyj sagt zu den Gerüchten: „Dazu kann ich nichts sagen. Davon weiß ich nichts.“

Der Vorstand des SSV Hameln 2000 ist derzeit dabei, die Mitgliederdaten zu rekonstruieren und von Hand zu erfassen. „Wir haben inzwischen aber fast alle Adressen zusammen.“ Das Problem: Der Computer, auf dem sich die Excel-Tabelle mit den Daten der etwa 400 Vereinsmitglieder befindet, ist von der Polizei sichergestellt worden. Der Schützenverein rühmte sich im Internet steigender Mitgliederzahlen und wirbt mit der Ausbildung für die Sachkundeprüfung nach dem Waffengesetz. Der Schießstand liege gut erreichbar an der Autobahn 2. Für „Interessenten und Newcomer“ halte man großkalibrige Trainingswaffen bereit, außerdem spreche man Deutsch, Englisch, Russisch, Italienisch und Türkisch.

Klodnyckyj hat nach den Vorwürfen gegen einzelne Mitglieder offenbar die Nase voll von der Vereinsarbeit. „Ich werde nie wieder in einem Vorstand mitarbeiten“, sagte der Rechtsanwalt. 



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