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Anwalt sieht Impuls statt Vorsatz

Revision im Fall Roudi H.: Bundesgerichtshof hat das Wort

BAD PYRMONT. Seit 13. Juli 2017 sitzt der 37 Jahre alte Roudi H. im Gefängnis. Zunächst in Untersuchungshaft. Am 5. Januar wurde der Mann, der bis zu seiner Verhaftung ein paar Jahre in Bad Pyrmont lebte, zu viereinhalb Jahren verurteilt. Rechtskräftig ist der Richterspruch noch nicht. Bis dahin könnte es noch dauern.

veröffentlicht am 19.02.2018 um 15:14 Uhr
aktualisiert am 19.02.2018 um 16:14 Uhr

Im vergangenen Monat schickte das Landgericht Hameln den 37 Jahre alten Roudi H. wegen versuchten Totschlags für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Über die Revision muss nun der Bundesgerichtshof entscheiden. F
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Nach Überzeugung der 13. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover hatte der stark angetrunkene Roudi H. am frühen Morgen des 2. Juli 2017 einen ebenfalls betrunkenen anderen Mann auf der Lortzingstraße zu Boden geschlagen und dann noch auf den Kopf des 53-Jährigen getreten. Das Gericht wertete die Tat als versuchten Totschlag. Mit dem Tritt habe H. den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, befand die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch.

Rechtskräftig wird das Urteil aber wohl so schnell nicht. Denn Roudi H.s Verteidiger Uwe Behnsen legte gleich nach der Verhandlung Revisionein. Der Hamelner Rechtsanwalt betrachtet den Fußtritt seines Mandanten als rein impulsive Tat. Mit Blick auf dessen damaligen Blutalkoholwert von 1,9 Promille hatte Behnsen schon in der Verhandlung seine Einschätzung betont: „Kein Mensch denkt da nach.“ Von Vorsatz könne also keine Rede sein. In diesem Zusammenhang verweist Behnsen zudem darauf, dass sein Mandant immer wieder epileptische Anfälle bekomme – die späte Nachwirkung eines schweren Motorradunfalls in seiner Jugend, in dessen Folge H. mehr als zwei Wochen lang im Koma gelegen habe.

Mittlerweile liegt Behnsen die schriftliche Urteilsbegründung aus Hannover vor. Jetzt bleibt im bis Mitte März Zeit, , um die Revision zu begründen und damit seine Auffassung zu untermauern, dass Roudi H. nicht für einen versuchten Totschlag hätte verurteilt werden dürfen, sondern nur für eine gefährliche Körperverletzung. In dem von ihm angefochtenen Richterspruch sieht Behnsen eine Verletzung materiellen Rechts.

Eine solche Revision könnte dann zum Erfolg führen, wenn die nächste Instanz – in diesem Fall der Bundesgerichtshof (BGH) – Behnsens Sicht bestätigen und Rechtsfehler im Urteil des Landgerichts erkennen würde.

Vir einer Entscheidung des BGH folgt auf Behnsens Schriftsatz allerdings noch eine Gegenstellungnahme des Generalstaatsanwalts.

Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Verwerfen die Richter in Karlsruhe die Revision, wird das angefochtene Urteil rechtskräftig. Hat eine Revision zumindest teilweise Erfolg, so hebt der BGH das angefochtene Urteil auf. Dann muss eine andere Strafkammer des Landgerichts das Verfahren neu aufrollen.

Die Nebenklägerin in dem Prozess gegen Roudi H. hätte das Urteil ebenfalls nur allzu gern angefochten – wenn auch aus gänzlich anderem Motiv. Denn in dem Verfahren ging es noch um eine andere Tat von September 2016. Da hatte der auch seinerzeit volltrunkene 37-Jährige nach Überzeugung des Gerichts die Pyrmonterin versehentlich mit einem Messer in den Oberschenkel gestochen, als er eigentlich einen anderen Mann verletzen wollte. Aus Sicht des Gerichts handelte es sich bei dem Stich um eine fahrlässige Körperverletzung. Die Frau sieht sich jedoch nicht als Zufallsopfer. Aber als Nebenklägerin kann sie nicht gegen das Urteil angehen.



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