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Hamelner stürzt bei Pfortmühle in Fluss - Fußgänger eilt zu Hilfe

Retter ziehen Mann aus eiskalten Weserfluten

HAMELN. Feuerwehrleute haben am frühen Samstagmorgen einen Mann vor dem Ertrinken gerettet. Der 37-Jährige war um kurz nach 5 Uhr in der Nähe der Pfortmühle in die Weser gefallen. Ein Passant war auf verzweifelte Hilferufe aufmerksam geworden und den hilflosen Mann in den trüben Fluten des Flusses entdeckt. Der stark unterkühlte Hamelner wurde nach der Rettung ins Sana-Klinikum gefahren.

veröffentlicht am 16.12.2017 um 06:35 Uhr
aktualisiert am 16.12.2017 um 15:46 Uhr

Ein Rettungswagen an der Einsatzstelle. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Alexander Agzamov hörte um kurz nach 5 Uhr am Zentralen Omnibusbahnhof an der Papenstraße laute Rufe. Der Industriemechaniker war zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit. Um 6 Uhr sollte seine Schicht beim Baumaschinenhersteller Volvo beginnen. Der 23-Jährige nahm zunächst an, dass jemand vom Werder herüberrief. Wenig später wusste der Helfer, dass die Schreie aus Richtung der Weserpromenade kamen. Beim Blick hinter die Mauer entdeckte Agzamov einen im Wasser liegenden Mann. Mit letzten Kräften hatte sich der Hamelner an einem Eisenteil und einer Mauerspalte festgehalten. Alexander Agzamov wählte die „112“, setzte einen Notruf ab. Erst wollte der Helfer seine dünne Jacke herunterreichen, damit sich der Mann im Wasser daran festhalten konnte. „Das ging nicht, die wäre zerrissen“, meinte der Retter. Der junge Mann sprach dem 37-Jährigen fortwährend Mut zu. „Ich will nicht sterben“, habe der im Wasser stehende Mann immer wieder gesagt. Agzamov bot ihm an, sich über die Mauer zu hangeln, damit der Hilflose sich an seinen Beinen festhalten könne. Doch der habe abgelehnt, sagte der Mechaniker. „Ich will dich da nicht runterziehen, dann ertrinken wir beide“, soll der Hilflose geantwortet nicht haben. Wenig später trafen die alarmierten Helfer ein. Notrufsanitäter warfen dem Mann im Wasser ein Seil zu. Das Tau wickelte sich der Hamelner mehrmals um seinen Arm. Abtreiben konnte der Hilflose nun nicht mehr. Brandmeister André Fischer war es dann, der in die Hochwasser führende Weser stieg. Noch in der Feuerwache hatte der Brandmeister nach einem Überlebensanzug gegriffen und sich für diese Aufgabe angeboten. Der Feuerwehrmann sicherte das Opfer und führte den Hamelner über eine Steckleiter an Land, wo der Durchnässte von einem Notarztteam versorgt wurde. Der Mann war stark unterkühlt und wurde mit einem Rettungswagen ins Sana-Klinikum gefahren. Er soll angetrunken gewesen sein, so Ermittler. Der Verunglückte soll nach Polizeiangaben auf der Intensivstation behandelt werden. Der Mann, der sich offenbar vor dem Sturz ins Wasser auf der Mauer gelegen hatte, hatte unwahrscheinlich großes Glück. Wegen des hohen Pegelstands – am Samstag über 4,30 Meter – waren die Wasserkraftwerke an der Pfortmühle nicht in Betrieb. Ein bei einer laufenden Anlage entstehende Sog hätte den Mann unter Wasser gezogen, waren sich die Einsatzkräfte sicher. Ein weiterer glücklicher Umstand: Alexander Agzamov hatte erst vor, sich auf seinem Weg zur Arbeit Kopfhörer aufzusetzen und Musik zu hören. Wer weiß, ob dann jemand an der zu der Zeit kaum frequentierten Promenade die Hilferufe wahrgenommen hätte.

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  • Retter Alexander Agzamov. Foto: fn
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  • Foto: fn
Andre Fischer führte den Hamelner aus der Weser. Foto: fn
  • Andre Fischer führte den Hamelner aus der Weser. Foto: fn
Diesen Überlebensanzug streifte sich der Retter über. Foto: fn
  • Diesen Überlebensanzug streifte sich der Retter über. Foto: fn
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Andre Fischer führte den Hamelner aus der Weser. Foto: fn
Diesen Überlebensanzug streifte sich der Retter über. Foto: fn

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