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Zehn Schülerinnen in Klinik gebracht / Großeinsatz des Rettungsdienstes

Reizgas-Attacke im Umkleideraum

HAMELN. Sie sind in aller Eile geschrieben, ausgedruckt und an Türen und Sportgeräte geklebt worden – die Warnhinweise sollen am Donnerstagvormittag Besucher vom Betreten des Sportlereingangs der Hamelner Rattenfängerhalle abhalten. „Vorsicht! Pfefferspray-Angriff! Atemprobleme“, steht auf den Zetteln.

veröffentlicht am 30.11.2017 um 13:00 Uhr
aktualisiert am 30.11.2017 um 13:33 Uhr

Hinweisschilder warnen vorm Betreten der Rattenfänger-Halle. Foto: jph
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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In der Cafeteria der Handelslehranstalt werden derweil zehn Schülerinnen einer Azubi-Klasse von zwei Notärzten und zahlreichen Rettungsassistenten untersucht. Die jungen Frauen haben Atemwegsprobleme, sie husten, es kratzt im Hals. Die Augen sind gerötet. Um 10.20 Uhr hat die Leitstelle MANV-Alarm ausgelöst. MANV, das steht für Massenanfall von Verletzten. Neben dem Notarztfahrzeug der Feuerwehr, rücken mehrere Rettungs- und Krankenwagen des Roten Kreuzes mit Blaulicht und Sirene an. Auf der Mühlenstraße wird extra eine Einsatzleitung aufgebaut. Der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Dr. Jörg Meckelburg, ist sich nicht sicher, ob Pfefferspray die Gesundheitsprobleme ausgelöst hat. „Es könnte auch CS-Reizgas gewesen sein“, meint er. Der chemische Geruch, der aus der Kleidung der Patientinnen aufsteige, spreche dafür. Die Abkürzung CS steht für 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril und ist ein Tränenreizstoff. Pfefferspray wird von der Polizei benutzt, um gefährliche Personen im Notfall vorübergehend außer Gefecht zu setzen. Bei dieser Substanz handelt es sich um Capsaicin, das aus dem Harzöl der Tabasco-Pflanze gewonnen ist. Bürger dürfen das Spray nur zur Abwehr von Tieren benutzen.

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Die Schülerinnen werden zur Notaufnahme des Sana-Klinikums gebracht. Dort hat man sich auf die Aufnahme von zehn Patientinnen eingerichtet.

Unklar ist, wer hinter der Attacke steckt. Die Hamelner Polizei hat Ermittlungen eingeleitet – wegen gefährlicher Körperverletzung.

Die Feuerwehr versucht das Gas zu beseitigen . Foto: ube
  • Die Feuerwehr versucht das Gas zu beseitigen . Foto: ube
Mit Rettungswagen und Polizei rückten die Helfer an. Foto: ube
  • Mit Rettungswagen und Polizei rückten die Helfer an. Foto: ube

Die 18-köpfige Klasse war nach der Pause zum Sportunterricht gegangen. In der Umkleidekabine klagte plötzlich ein Großteil der Frauen über Atemwegsprobleme. Zuvor soll dort eine andere Klasse gewesen sein. Erste Befragungen der Polizei ergaben: „Niemand will den Reizstoff beim Verlassen des Raumes bemerkt haben“, sagte ein Ermittler. Das Spray müsste demnach während der Pause versprüht worden sein.

Die Feuerwehr rückte an, brachte einen Hochleistungslüfter in Stellung und drücke die Gase ins Freie.

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