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18 Schüler und Lehrerin untersucht

Quecksilber läuft aus: Gefahrgutunfall in Hamelner Schule

HAMELN. Großer Rettungs- und Feuerwehreinsatz an der Königstraße in Hameln. Ersten Angaben zufolge ist am Mittwochvormittag in der Wilhelm-Raabe-Schule Quecksilber ausgetreten. Die Lage war zunächst unklar.

veröffentlicht am 01.11.2017 um 11:49 Uhr
aktualisiert am 01.11.2017 um 20:18 Uhr

Während des Einsatzes musste die Königstraße im Bereich zwischen Kaiserstraße und Heinrichstraße gesperrt bleiben. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Nach dem Austritt von Quecksilber, das sich in dem zigarettendicken Röhrchen eines 30 Zentimeter langen Thermometers befand, ist am Mittwochvormittag gegen 11.15 Uhr ein Gebäudetrakt der Wilhelm-Raabe-Schule an der Hamelner Königstraße von der Feuerwehr geräumt worden. Eine 43 Jahre alte Lehrerin, die das giftige Schwermetall aufgewischt hatte, wurde vom Rettungsdienst des Roten Kreuzes in die Notaufnahme des Sana-Klinikums gebracht. „Quecksilber ist hochgiftig“, erklärt der Leitende Notarzt Dr. Michael Rosteck. 18 Schüler einer 5. Klasse sollten ebenfalls umgehend vorsorglich im Krankenhaus untersucht werden. Das Problem: Sie waren bereits nach Hause geschickt worden. Schulsekretariat und Polizei setzten alles daran, die Eltern zu informieren. Es hieß, die möglicherweise kontaminierten Mädchen und Jungen müssten unverzüglich zum Klinikum gebracht werden. Dort trat ein Krisenstab zusammen.

Norbert Reelsen, Leiter der Einsatz- und Alarmierungsgruppe, koordinierte das weitere Vorgehen im Krankenhaus. In einem Vortragsraum wurde eine zweite Notaufnahme eingerichtet. Dr. Rosteck hatte bereits vom Einsatzort aus die Kinderklinik über die Lage informiert. Bis zum Abend kümmerte sich ein Team aus Kinderärzten, Unfallchirurgen, Internisten, Anästhesisten und Pflegekräften um die kleinen Patienten (10 bis 12 Jahre alt). Bis 16 Uhr konnten neun der 18 Kinder untersucht und nach Hause entlassen werden. Zum Glück hätten weder die Lehrerin noch die Schüler Vergiftungssymptome gezeigt, sagte Reelsen. Notarzt Dr. Rosteck, der als niedergelassener Arzt in Hessisch Oldendorf arbeitet und seit Jahrzehnten im Notarztdienst tätig ist, lobte das Vorgehen der Klinik. „Die Kollegen waren auf Zack, haben professionell gehandelt. Es hat Spaß gemacht, mit ihnen zu arbeiten.“ Gemeinsam mit DRK-Mann Michael Bretzing, dem organisatorischen Leiter des Rettungsdienstes, hatte der Leitende Notarzt die medizinischen Maßnahmen dokumentiert. Dr. Rosteck machte sich am späten Nachmittag mit einem DRK-Fahrzeug auf dem Weg zu den Kindern, die sie sich bis dato nicht in der Klinik eingefunden hatten.

Die Hamelner Feuerwehr war mit einem Großaufgebot an Spezialkräften im Einsatz. Auch ein in Flegessen stationierter Messwagen des ABC-Dienstes des Landkreises und ein mit Feuerwehrleuten besetzter Erkundungskraftwagen des Bundes wurden zum Einsatzort geschickt. Brandoberinspektor Sven Hildebrandt war während seiner Ausbildung zum gehobenen Dienst von einem Chemiker des Unternehmens Merck unter anderem speziell auf Quecksilber-Unfälle an Schulen vorbereitet worden. Dennoch sprach der Einsatzleiter am Mittwoch jeden Schritt mit Experten des Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem des Verbandes der Chemischen Industrie ab. TUIS bietet Feuerwehren und Polizei-Dienststellen bundesweit Unterstützung bei Unfällen mit Chemikalien an.

Die möglicherweise kontaminierten Patienten wurden in einer eilig eingerichteten zweiten Notaufnahme untersucht. Foto: ube
  • Die möglicherweise kontaminierten Patienten wurden in einer eilig eingerichteten zweiten Notaufnahme untersucht. Foto: ube
Das ausgelaufene Quecksilber löste einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr, Notarzt-Dienst und DRK aus. Foto: ube
  • Das ausgelaufene Quecksilber löste einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr, Notarzt-Dienst und DRK aus. Foto: ube
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Feuerwehrleute in Chemikalien-Schutzanzügen haben im Chemieraum Wischproben genommen. Foto: ube
  • Feuerwehrleute in Chemikalien-Schutzanzügen haben im Chemieraum Wischproben genommen. Foto: ube
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Die möglicherweise kontaminierten Patienten wurden in einer eilig eingerichteten zweiten Notaufnahme untersucht. Foto: ube
Das ausgelaufene Quecksilber löste einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr, Notarzt-Dienst und DRK aus. Foto: ube
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Feuerwehrleute in Chemikalien-Schutzanzügen haben im Chemieraum Wischproben genommen. Foto: ube
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Feuerwehrleute des Teams Gefahrgut, die sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet hatten, zogen sich Chemikalien-Vollschutzanzüge an und erkundeten die Lage. In den Chemieraum, in dem das Thermometer beim Herausnehmen aus einem Schrank aus unbekannter Ursache „zerbröselt“ war, nahmen sie Wischproben. Ein ABC-Team stand als Sicherungstrupp bereit. „Der betroffene Schultrakt bleibt bis auf Weiteres gesperrt“, sagte Einsatzleiter Hildebrandt. Eine Fachfirma werde in Kürze Messungen durchführen und den Chemieraum gegebenenfalls reinigen.

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