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„Potenziell lebensgefährdend“ / Gericht befragt Opfer und Gerichtsmediziner

Prozess um Tumulte in Hameln fortgesetzt

HAMELN/HANNOVER. Im Prozess um die gewalttätigen Ausschreitungen nach einem Todessturz im Januar 2015 mit 30 teils erheblich Verletzten, hat die 19. große Strafkammer des Landgerichts Hannover am Mittwoch die Beweisaufnahme fortgesetzt. Das Gericht befragte am sechsten Prozesstag weitere Zeugen, darunter einen Polizeibeamten, der schwere Verletzungen davongetragen hatte, und einen Feuerwehrmann.

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Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die Kammer wollte wissen, an was sich die Helfer erinnern. Ein Oberkommissar, der seinerzeit von einem Stein im Gesicht getroffen worden war, hatte sich bei den Krawallen unter anderem einen offenen Nasenbeinbruch zugezogen. Der Beamte sagte, ihm sei plötzlich schwarz vor Augen geworden. Wer ihn verletzt habe, könne er nicht sagen. Der Rechtsmediziner Dr. Thomas Rothämel erklärte dem Gericht in seiner Eigenschaft als Gutachter, ein solcher Steinwurf an den Kopf sei „potenziell lebensgefährdend“.

Der Brandmeister der Feuerwehr, der seinerzeit den Notarzt zum Amtsgericht gefahren hatte, berichtete, das Rettungsteam sei am Notfallort mit Steinen beworfen und an der Arbeit gehindert worden. So etwas habe er in diesem Ausmaß noch niemals zuvor erlebt.

Am Donnerstag wird die Verhandlung fortgesetzt. Gutachter, Staatsanwälte und Verteidiger haben dann das Wort. Es wird damit gerechnet, dass die Plädoyers gehalten werden. Am 17. Mai könnte der Vorsitzende Richter Stefan Joseph dann die Urteile sprechen. Wegen der Gewaltexzesse, die sich am 14. Januar 2015 ereignet hatten, müssen sich die Mutter (50) des während eines Fluchtversuchs am Amtsgericht Hameln in den Tod gestürzten Mohamed S. (26) und fünf Männer (27, 27, 28, 30, 46) wegen diverser Straftaten verantworten. Es geht um versuchte Anstiftung zu einer erheblichen Gewalttat, schweren Landfriedensbruch, mehrere gefährliche Körperverletzungen, Morddrohungen und Beleidigungen. Die Angeklagten haben Geständnisse abgelegt und hoffen auf Bewährungsstrafen, die ihnen im Vorfeld in Aussicht gestellt worden waren.

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