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Freitag könnte das Urteil fallen

Prozess um totgeschütteltes Baby: Vater aus U-Haft entlassen

BÜCKEBURG/LINDHORST. Wende im Prozess um ein totgeschütteltes Baby: Am Ende des 2. Verhandlungstages hat das Schwurgericht am Landgericht Bückeburg die Untersuchungshaft gegen den angeklagten Vater des toten Säuglings aufgehoben. Grund: Dem Angeklagten könne das zum Tode führende Schütteln nicht nachgewiesen werden.

veröffentlicht am 24.05.2018 um 11:50 Uhr
aktualisiert am 24.05.2018 um 15:18 Uhr

Der Angeklagte ist aus der U-Haft entlassen worden. Foto dpa
Im Prozess gegen einen Lindhorster, der seinen drei Monate alten Sohn zu Tode geschüttelt haben soll, zeichnet sich ein Freispruch ab. Der 23 Jahre alte Mann, angeklagt wegen Totschlags, sitzt nicht mehr in Untersuchungshaft. Das Schwurgericht in Bückeburg hat den Haftbefehl am zweiten Verhandlungstag aufgehoben. Zur Begründung hieß es, dass kein dringender Tatverdacht mehr bestehe. Es sei nicht wahrscheinlich, dass dem Angeklagten das Schütteln nachgewiesen werden könne. Das Urteil könnte bereits am Freitag verkündet werden. 

Zuvor hatte ein Rechtsmediziner der Universität Münster sinngemäß erklärt, dass sich der Zeitpunkt, zu dem das Baby geschüttelt worden ist, nicht genau eingrenzen lässt. Am fraglichen 27. November war der Vater von 15 bis 17 Uhr mit seinem Sohn allein. Nach Erkenntnissen des Sachverständigen kann der Säugling jedoch auch vor 15 Uhr geschüttelt worden sein. Damit könnte die Mutter ebenfalls als Täterin infrage kommen.

In einem anderen Punkt legte sich der Gutachter fest: Zum Tode geführt hat das Schütteltrauma, das der Säugling an jenem 27. November erlitten hat. An diesem Tag war der kleine Junge nach einem Atemstillstand mit Hirnblutungen ins Mindener Klinikum gekommen, wo er trotz einer Notoperation zwei Tage später starb. Dies war das Ende eines Leidensweges. Insgesamt ist der Säugling dem Gutachten zufolge in einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen an verschiedenen Tagen dreimal so heftig geschüttelt worden, dass es zu Blutungen kam.

Ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags gegen die Mutter war im Vorfeld des Prozesses zunächst eingestellt worden. „Wir können das Verfahren jederzeit wieder aufnehmen, wenn wir neue Anhaltspunkte haben“, so Nils-Holger Dreißig, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Bückeburg, auf Anfrage unserer Zeitung. Nach dem Urteil werde „die Sachlage neu bewertet“.

Der Vater bestreitet die Tat. Bei seiner Aussage hat er den Vorwurf zurückgewiesen, seinen kleinen Sohn zu Tode geschüttelt zu haben. Dem drei Monate alten Baby sei es nach einer Impfung zunehmend schlechter gegangen, sagte der 23-Jährige vor Gericht.Die 21-jährige Mutter war am mutmaßlichen Tattag für zwei Stunden nicht in der Wohnung. Sie berichtete als Zeugin, dass das Kind im November blass gewesen sei und sich ständig übergeben habe. Im Krankenhaus sei jedoch nichts festgestellt worden und auch der Hausarzt habe nur einen Virus vermutet.

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