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Landgericht Bielefeld verhandelt gegen drei Männer

Prozess um Banküberfälle in Ottenstein beginnt

OTTENSTEIN/BIELEFELD. Wegen des Überfalls auf die Volksbank in Ottenstein am 10. April dieses Jahres – und wegen weiterer Delikte – wird ab dem 2. Dezember vor dem Landgericht Bielefeld drei Männern der Prozess gemacht. Die Beschuldigten sind zwischen 22 und 57 Jahre alt. Sie sollen auch Volksbankfilialen in Minden am 13. Mai 2015 und in Hohnhorst im Kreis Schaumburg am 23. März 2016 ausgeraubt haben. Ihre Beute soll 130 000 Euro betragen haben. Haupttäter sollen die beiden älteren Verdächtigen sein. Geschnappt wurden sie durch ein Sondereinsatzkommando am 3. Juni bei einem Überfallversuch in Hilgermissen im Landkreis Nienburg.

veröffentlicht am 19.11.2016 um 19:25 Uhr
aktualisiert am 21.11.2016 um 19:30 Uhr

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Einer der beiden, Jörg R. (49), saß jetzt zusammen mit seiner Ehefrau Christiane auf der Anklagebank vor dem Schöffengericht in Minden. Vorgeworfen wurde ihnen, zwischen Dezember 2012 und März 2013 teure Uhren und wertvolles Mobiliar aus dem Besitz des damaligen Lebensgefährten der Christiane R. veräußert zu haben. Der Physiotherapeut Karl-Friedrich M. aus Hüllhorst im Kreis Minden-Lübbecke ist seit dem 22. Oktober 2012 verschwunden. Der Polizei hat vergeblich versucht, Jörg R., damals Geliebter von Christiane R., des Totschlags zu überführen. Das Landgericht Bielefeld sprach die beiden am 27. März 2015 im „Prozess ohne Leiche“ aus Mangel an Beweisen frei. Das Urteil ist rechtskräftig, nachdem die Staatsanwaltschaft ihren Revisionsantrag zurückgezogen hat.

Das Paar war 2013 nach Petershagen gezogen. Sechs Wochen nach dem Totschlags-Freispruch geschah der Überfall auf die Volksbank im nahegelegenen Minden. Die beiden Täter waren durch ein eingeschlagenes Fenster eingestiegen. Die nacheinander ankommenden vier Angestellten brachten sie in ihre Gewalt, ein 63-Jähriger wurde krankenhausreif geschlagen. In Ottenstein waren die Täter mit einer Aluminiumleiter über das Dach in das Gebäude gelangt, hatten morgens auf die Angestellte gewartet und sie mit einer Waffe bedroht. Ihre Beute soll dort „mehrere Tausend Euro“ betragen haben. Beschuldigt sind wegen der Überfälle neben Jörg R. ein 57-jähriger aus Bünde und sein 22-jähriger Stiefsohn.

Die jetzige Verhandlung in Minden gegen das Ehepaar R. brachte hingegen keine sichere Klärung der Unterschlagungsvorwürfe. Vier Rolex-Uhren hatten die beiden zwar verkauft, aber es war nicht zu beweisen, dass sie dem Vermissten gehörten, der auch größere Summen, darunter für drei hochwertige Autos, bar bezahlte. Die Beweise für die Möbelverkäufe über das Internet waren hinfällig, weil die Mutter des Verschwundenen sie aus einer zu Unrecht mitgenommenen Mülltonne geholt hatte.

10. April 2016:Polizisten sichern Spuren, nachdem die Volksbank in Ottenstein überfallen worden war. Möglicherweise helfen die Beweise in dem Prozess, der am 2. Dezember in Bielefeld beginnt. Foto: Archiv/fn

Während das Betrugsverfahren gegen Christiane R. nach einem Teilgeständnis unter Auflage von 150 Sozialstunden eingestellt wurde, war bei Jörg R. die mögliche Strafe verhältnismäßig gering gegenüber der, die ihn im Bankraub-Verfahren erwarten könnte: Nach sechsstündiger Verhandlung wurde das Verfahren eingestellt. Der Mann musste zurück in die Justizvollzugsanstalt Hamm, wo er seit der Festnahme in Untersuchungshaft sitzt.



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