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Raserei als verbotenes Rennen gewertet / 20-Jähriger verunglückt

Polizisten ziehen Motorräder ein

KIRCHOHSEN. Polizeibeamte haben nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Hannover die Motorräder von zwei mutmaßlichen Rasern eingezogen und deren Führerscheine einkassiert. Die Männer (20, 37) aus Bad Münder und aus Coppenbrügge sollen ihre Maschinen auf der Hauptstraße (alte B 83) ausgefahren haben.

veröffentlicht am 11.06.2019 um 15:49 Uhr
aktualisiert am 13.06.2019 um 12:22 Uhr

Unfall auf der sogenannten Raserstrecke. Eine fast 90 Meter lange Bremsspur lasse darauf schließen, dass der 20-Jährige mit mehr als 150 km/h unterwegs war, sagt eine Oberkommissarin. Foto: Polizei
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Zwar habe sich dabei niemand mit einem anderen Fahrer gemessen, sagte Oberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera am Dienstag. Dennoch würden die Aktionen der Tatverdächtigen als „verbotene Kraftfahrzeugrennen“ gewertet. Was offenbar viele Auto- und Motorradfahrer nicht wissen: Laut Strafgesetzbuch (Paragraf 315 d) führt bereits derjenige ein illegales Rennen durch, „der sich im Straßenverkehr als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“.

Der jüngste Fall ereignete sich am Pfingstmontag gegen 17.40 Uhr. Zwei Polizisten beobachteten während einer Streifenfahrt einen Motorradfahrer, der seine Maschine auf der Hauptstraße in Emmerthal (am Ortsausgang von Kirchohsen) gewendet und sein Zweirad kurz darauf stark beschleunigt haben soll. „Der Mann fuhr mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Kernkraftwerk, wobei das Vorderrad der Honda CBR 1000 mehrfach abhob“, schildert die Oberkommissarin die Situation. Die Beamten nahmen die Verfolgung des Honda-Fahrers auf, um ihn zu stoppen. „Trotz einer dabei gefahrenen Geschwindigkeit von zirka 130 km/h vergrößerte sich der Abstand des Motorradfahrers zum Streifenwagen. Erst am Ende der Hauptstraße stoppte der Zweiradfahrer seine Maschine und wendete, wodurch es den Kollegen gelang, aufzuschließen.“

Während der Kontrolle habe der 37 Jahre alte Mann aus Coppenbrügge keine Angaben zum polizeilichen Vorwurf der Durchführung eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens gemacht, sagte Stephanie Heineking-Kutschera. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Hannover sei der Führerschein des Verdächtigen beschlagnahmt und die Honda als Tatmittel eingezogen worden.

Beschlagnahmt: die Suzuki GSX R 1000. Foto: Polizei

Bereits ein paar Tage zuvor, am Abend des 5. Juni, soll es auf der Hauptstraße nach Erkenntnissen der Hamelner Polizei durch rücksichtsloses Schnellfahren zu einem Verkehrsunfall gekommen sein. Gegen 19.40 Uhr war ein 20 Jahre alter Mann auf der Strecke in Richtung Atomkraftwerk verunglückt. Der junge Mann aus Bad Münder hatte sich laut Polizei zuvor eine Suzuki GSX R 1000 von einem 32 Jahre alten Emmerthaler geliehen. Unfallursache sei „vermutlich deutlich überhöhte Geschwindigkeit“, sagte die Polizeisprecherin. Eine fast 90 Meter lange Bremsspur lasse darauf schließen, dass der 20-Jährige mit mehr als 150 km/h unterwegs war. „Während des Bremsvorganges verlor der Mann die Kontrolle über die Maschine, überfuhr einen Bordstein und ein Beet. Die Suzuki wurde erst von einer Mauer an der Zuwegung zum Infocenter des Kernkraftwerks gestoppt, wo sie letztendlich zum Liegen kam.“

Ein Notarzt-Fahrzeug der Feuerwehr Hameln und ein Rettungswagen des DRK rückten aus. Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Er habe großes Glück im Unglück gehabt, sagte die Oberkommissarin. Noch am selben Abend konnte der Münderaner die Klinik verlassen. Der Motorradfahrer war mit leichten Verletzungen davongekommen. Die Polizei wirft auch diesem jungen Mann die Durchführung eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens vor. Der Führerschein sei mit Einverständnis des 20-Jährigen sichergestellt worden. „Anders sah es mit der Suzuki GSX aus. Der Eigentümer war mit der Einziehung seiner Maschine nicht einverstanden. Das Motorrad wurde deshalb nicht sichergestellt, sondern beschlagnahmt“, erklärt die Polizistin. Von den am Unfallort anwesenden Personen will niemand den Hergang beobachtet haben.

Die alte B 83 gilt als Treffpunkt von sogenannten Autoposern und Rasern. Aber auch andernorts finden nicht selten illegale Rennen statt. Erst im vergangenen Monat waren Polizisten auf der Wangelister Straße (B 1) auf ein Motorrad der Supersport-Klasse und auf ein PS-starkes Auto aufmerksam geworden. Die Fahrer der Rennmaschine vom Typ Kawasaki Ninja ZX 6 R und des Audi A 6 (339 PS) seien bei einem illegalen Straßenrennen erwischt worden, hieß es seitens der Polizei. Die Tatverdächtigen sind 21 und 24 Jahre alt – sie stammen aus Lügde. Gegen sie wurde ein Verfahren wegen Verdachts einer Straftat eingeleitet. Das Strafgesetzbuch sieht für „verbotene Kraftfahrzeugrennen“ bis zu zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe vor.

Bereits Ende März hatten Polizisten auf der Wangelister Straße ein illegales Autorennen beendet (wir berichteten). Seinerzeit hatte die Staatsanwaltschaft die Sicherstellung der Fahrzeuge angeordnet. Polizisten nahmen den Verdächtigen zudem die Führerscheine ab. Die Männer sollen zeitweise mehr als doppelt so schnell wie erlaubt gefahren sein.



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