weather-image
23°
Brachialer Frauenmord in Lauenau wegen fehlender Blutspur erneut vor Gericht

„Nun stirb doch endlich, nun stirb doch“

HILDESHEIM/LAUENAU. Der Prozess um den Gewalttod einer 42-Jährigen in Lauenau wird neu aufgerollt, weil die Verteidiger des verurteilten Ehemanns erfolgreich Revision eingelegt haben. Nach der Spurenlage könne auch die Geliebte die Tat begangen haben, meinen sie.

veröffentlicht am 09.10.2018 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 09.10.2018 um 21:00 Uhr

Der Tatort in Lauenau. Das Foto entstand während einer Ortsbesichtigung im Rahmen des Mordprozesses am 9. Mai 2016. Foto: dpa

Autor:

Michael Evers

Blutspuren an einer Tür zeugten zwar von der todbringenden Attacke auf die Familienmutter, die das beschauliche Lauenau erschütterte. Wenn der verurteilte Ehemann sie aber, wie vom Landgericht Bückeburg angenommen, dort mit blutbesudelten Händen hinterließ, hätte sich auch zwischen dem Fundort der Toten und der Tür Blut befinden müssen, argumentierte die Verteidigung. Weil das Gericht dem Einwand nicht nachging, hat der Bundesgerichtshof dem Revisionsantrag stattgegeben. Vor dem Landgericht Hildesheim wird der Prozess daher vom heutigen Mittwoch an erneut aufgerollt. Der im ersten Prozess zu elfeinhalb Jahren Haft wegen Totschlags verurteilte Ehemann hat bis zum Schluss seine Unschuld beteuert.

Über 40 Verhandlungstage zog sich der Prozess um die Gewalttat im Mai 2015 hin. Zunächst waren die Fahnder von einem Raubmord ausgegangen, als die 42-Jährige niedergeschlagen und mit Mülltüten über dem Kopf tot im Flur des Wohn- und Geschäftshauses im Kreis Schaumburg gefunden wurde. Zum Tatzeitpunkt war der Mann vorgeblich unterwegs zur Schule, um die siebenjährige Tochter abzuholen, mit der er noch ein Eis essen ging, ehe er den grausigen Fund daheim der Polizei meldete. Nach wochenlangen Ermittlungen aber mit abgehörten Telefonaten nahmen die Fahnder den Mann fest. Um mit einer heimlichen Geliebten ein neues Leben zu beginnen, habe er seine Frau aus dem Weg räumen wollen, lautete später der Anklagevorwurf. Vor Gericht bestreitet er die Tat und lässt Zweifel an seiner Geliebten aufkommen, die er in einem Massagesalon kennengelernt hatte. Sie habe in fremder Sprache vor seinem Haus mit Landsleuten telefoniert, habe gewusst wo sich die Schlüssel für die Türen befinden. „Ich vermute, dass Rafaela es gewesen ist oder mit Dritten die Tat verübt hat.“ Als Zeugin vor Gericht weist die Geliebte die Anschuldigungen zurück – sie habe zum fraglichen Zeitpunkt im Auto auf den Angeklagten gewartet. Und dann der Paukenschlag am nächsten Prozesstag: Die Geliebte revidiert ihre Aussage und erklärt, sie habe mitbekommen, wie der Mann die Frau erschlagen habe. „Nun stirb doch endlich, nun stirb doch“, soll er gesagt haben, als die Frau noch Lebenszeichen von sich gab.

Weil Details widersprüchlich bleiben, kommt es fast exakt ein Jahr nach der Tat zu einem Ortstermin des Gerichts in dem Handwerkerhaus. Richter, Anwälte, die Geliebte und der Angeklagte begeben sich in den Flur, wo die Frau die Tat gesehen haben will. Was konnte sie bei schwachem Licht sehen, welche Gegenstände standen im Weg und wohin flogen das Laptop und die Kaffeetasse der angegriffenen Frau – viele Fragen bleiben auch nach dem Rekonstruktionsversuch offen. Mit mehr als 50 Beweisanträgen versucht die Verteidigung, die Glaubwürdigkeit der Geliebten zu erschüttern.

„Die Tat kann sich nicht dort abgespielt haben, wo die Zeugin sie gesehen haben will, allerdings an dem Standort, wo die Zeugin gestanden hat“, sagt Anwalt Christoph Hesse. Zur Frage der aus Verteidigersicht fehlenden Blutspuren habe für den neuen Prozess ein Sachverständiger bereits ein Gutachten erstellt. Es soll im Dezember in den Prozess eingebracht werden. Auch wenn das neue Verfahren für den Angeklagten, anders als von der Verteidigung angestrebt, nicht mit einem Freispruch endet, droht ihm auf jeden Fall keine längere Haft. Da er erfolgreich Revision einlegte, gilt für ihn nämlich ein sogenanntes Verschlechterungsverbot.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt