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46-Jähriger aus Lauenau für Tod von Ehefrau verurteilt

„Nun stirb doch endlich“

LAUENAU/BÜCKEBURG. Vor rund eineinhalb Jahren erschütterte der Mord an einer Mutter das kleine Lauenau. Nun kommt der Ehemann der Frau für lange Zeit hinter Gitter. Er hatte eine heimliche Geliebte. Doch was trieb ihn dazu, die Frau umzubringen, mit der er seit Jugendtagen zusammen war?

veröffentlicht am 25.01.2017 um 16:27 Uhr

Der des Mordes Angeklagte Uwe K. (Mitte) steht zur Urteilsverkündung im Landgericht in Bückeburg zwischen seinen Rechtsanwälten Dirk Baumann (li) und Christoph Hessel. Foto: dpa

Autor:

Michael Evers
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War es der Ehemann oder doch die Geliebte? In einem aufsehenerregenden Mordprozess hat das Landgericht Bückeburg monatelang den Tod einer 42 Jahre alten Frau im beschaulichen Lauenau aufgerollt. Das Urteil fiel am Mittwoch eindeutig aus: Wegen Totschlags an seiner Ehefrau verurteilte das Gericht einen Handwerksmeister zu elfeinhalb Jahren Haft. Die Verteidigung hatte bis zuletzt Zweifel an der Schuld des Mannes vorgetragen. Der Richter urteilte aber, der 46-Jährige habe spontan und im Affekt seine Ehefrau daheim mit einer Holzlatte niedergeschlagen. Dann habe er sie mit einer über den Kopf gezogenen Tüte erstickt. Neben vielen Indizien führte die Kammer die belastende Aussage der Geliebten an, die nach eigener Aussage Zeugin der Tat geworden war.

Mit über 50 Beweisanträgen hatten die Verteidiger in dem 40 Verhandlungstage langen Mammutprozess versucht, die Glaubwürdigkeit der Geliebten zu erschüttern. Auch am Urteilstag legen sie noch einmal nach und wollen ein Detail durch einen Sachverständigen geklärt wissen. Unerheblich, befand das Gericht nach einer Beratungspause.

Weil der Angeklagte die Tat – sie geschah mittags kurz vor Heimkehr der siebenjährigen Tochter aus der Grundschule - nicht vorab geplant, sondern aus einer Situation heraus begangen habe, folgte das Gericht der Forderung der Anklage nach lebenslanger Haft wegen Mordes nicht. Die Verteidigung hatte einen Freispruch mangels Beweisen verlangt und die Geliebte als mögliche Täterin genannt.

Dem betagten, leidgeprüften Vater der erschlagenen Frau, der als Nebenkläger im Saal saß, wurde auch am Urteilstag einiges abverlangt. „Hohes Gericht, lieber Schwiegervater, ich bin nicht der Täter“, sagte ihm der Angeklagte mit Zopf und Kapuzenpulli in seinem letzten Wort ins Gesicht.

Alles Lügen, befand kurz darauf das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Es ersparte weder dem Vater noch anderen Bekannten unter den Zuhörern die Schilderung des Tatablaufs. „Übel getötet“ habe der 46-Jährige, gefühllos und ohne Empathie. „Nun stirb doch endlich, nun stirb doch“, sagte der Mann laut Aussage seiner Geliebten, als die Frau, mit der er seit Jugendtagen zusammen war, trotz wuchtiger Schläge noch Lebenszeichen von sich gab.

Vor Gericht äußerte sich der Angeklagte frank und frei zu seinem Lebenswandel mit wechselten Liebschaften und Bordellbesuchen. Dass er tötete, um den Weg frei zu bekommen für ein Leben mit seiner Geliebten, die er in einem Massagesalon kennenlernte, hielt das Gericht aber nicht für bewiesen.

Vielmehr habe er sich von seiner Frau drangsaliert gefühlt. Außerdem wären sich die am Tattag die heimlich ins Haus geschleuste Geliebte und die Ehefrau, die von der Liebschaft nichts wusste, durch ein Missgeschick beinahe in die Arme gelaufen. In dieser Situation habe er spontan zur Holzlatte gegriffen. Die Geliebte, die die Tat mit ansehen musste, habe er nachher unter Drohungen zum Schweigen gebracht.

Für Wirbel in dem Verfahren hatte der plötzliche Gesinnungswandel der Geliebten gesorgt. Sie wisse von nichts, sagte sie in einer ersten Zeugenvernehmung. Zitternd und unter Tränen schilderte sie dann am kommenden Prozesstag, wie die Tat vor ihren Augen geschah.

Vollkommen unglaubwürdig, befand die Verteidigung nach einem eigens organisierten Ortstermin im kombinierten Wohn- und Geschäftshaus des Ofenbauers. Das Gericht aber schenkte der Darstellung trotz einiger Widersprüche Glauben – und sparte am Ende nicht mit Kritik an den Verteidigern. Aus taktischen und finanziellen Gründen hätten sie den Prozess mit immer neuen Anträgen in die Länge gezogen. Dem müsse die Politik einen Riegel vorschieben – oder mehr Strafrichter einstellen.



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