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Zehn Angehörige einer libanesischen Großfamilie im Visier der Staatsanwaltschaft

Nach Tumulten im Januar stehen Ermittlungen kurz vor dem Abschluss

Hameln. Zehn Monate nach den Gewalt-Exzessen, die sich nach einem tödlichen Fenstersturz zunächst vor dem Amtsgericht in Hameln und kurze Zeit später vor dem Sana-Klinikum abgespielt haben, stehen die Ermittlungen kurz vor dem Abschluss. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es „etwa zehn Beschuldigte“.

veröffentlicht am 06.11.2015 um 14:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:57 Uhr

Ulrich Behmann

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Chefreporter zur Autorenseite

Die Szenen, die sich am 14. Januar in Hameln abgespielt hatten, sorgten bundesweit für Schlagzeilen. Angehörige einer libanesischen Großfamilie sollen Steine auf Polizisten und Rettungskräfte geworfen und Pfefferspray versprüht haben. 15 Polizeibeamte wurden seinerzeit verletzt, mehrere Scheiben am Haupteingang des Krankenhauses gingen zu Bruch. Die Polizei schützte wochenlang Gebäude und Personen, stürmte zehn Tage nach den Tumulten sechs Wohnungen. Der Leiter der Inspektion Hameln, Kriminaldirektor Ralf Leopold, sprach von „einer Stadt im Ausnahmezustand“, die gewalttätigen Ausschreitungen beschäftigten die Landespolitik. Eine Ermittlungsgruppe (EG) war monatelang damit beschäftigt, Verdächtige zu identifizieren. „Die Akten liegen bei der Polizei“, sagte gestern Oberstaatsanwalt Thomas Klinge auf Anfrage. Beamte, die der inzwischen aufgelösten EG „Fenster“ angehörten“, sollen vor einiger Zeit mit Nachermittlungen beauftragt worden sein. Die Polizisten haben geprüft, wem Körperverletzung, Widerstand gegen Vollzugsbeamte oder schwerer Landfriedensbruch zur Last gelegt werden kann. Nur, wenn ausreichend Beweise und Indizien vorliegen, können gegen einzelne Personen Anklagen erhoben werden. „Ein Abschlussbericht der Polizei liegt uns noch nicht vor“, sagt Oberstaatsanwalt Klinge. Die Ermittlungen gestalten sich in solchen Fällen schwierig, denn Angehörige der Großfamilie belasten so gut wie nie Verwandte.
Am Nachmittag des 14. Januar war ein 26 Jahre alter mutmaßlicher Räuber bei einem Fluchtversuch ums Leben gekommen. Der Hamelner war in der 7. Etage des Amtsgerichts einer Haftrichterin vorgeführt worden. Auf dem Flur soll der Tatverdächtige die vier ihn begleitenden Polizeibeamten gebeten haben, mit seinem Verteidiger ein kurzes vertrauliches Gespräch führen zu können. Deshalb hätten die Kriminalbeamten etwa zehn Meter Abstand gehalten, hieß es. „Dem Mann ist es gelungen, eine Hand aus der Handfessel zu befreien. Er hat ein Fenster geöffnet und ist blitzschnell nach draußen geklettert. In einer etwa ein Meter breiten Mauernische, die sich zwischen dem ummauerten Treppenhaus und dem Gerichtsgebäude befindet, hat sich der Mann mit Händen und Füßen an den Wänden abgestützt. Er wollte sich hinuntergleiten lassen. Dabei ist er abgestürzt“, schilderte seinerzeit Staatsanwalt Oliver Eisenhauer die Ereignisse, die sich innerhalb weniger Sekunden abgespielt haben müssen.

2 Bilder
Nachdem im Januar 2015 ein Mann aus dem Hamelner Amtsgericht gestürzt und mit letztlich tödlichen Verletzungen ins Sana-Klinikum gebracht worden war, ist es zu vor beiden Gebäuden zu Tumulten gekommen. Foto: ube


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