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Ermittler halten das für möglich / Brandstiftung wird ausgeschlossen

Nach dem Brand: Hat ein Marder das Großfeuer verursacht?

FRIEDRICHSHAGEN. Ein Marder könnte das Großfeuer in Friedrichshagen verursacht haben. Diese Möglichkeit schließen die Brandursachen-Ermittler des 1. Fachkommissariats aus Hameln zum jetzigen Zeitpunkt der Nachforschungen jedenfalls nicht aus.

veröffentlicht am 20.10.2017 um 11:36 Uhr
aktualisiert am 20.10.2017 um 19:39 Uhr

Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Frisst das Tier ein Stromkabel an, liegt es blank. Sofort oder erst erheblich später kann dadurch ein Kurzschluss entstehen. Fakt ist: Erst im vergangenen Jahr hat die Familie „Besuch“ von einem Marder gehabt. Obwohl Einsturzgefahr besteht und die Spurensuche deshalb nicht gerade einfach ist, haben die Experten bereits die Brandausbruchstelle lokalisiert. Das Feuer dürfte in einem Büro in der ersten Etage entstanden sein. Die Flammen müssen sich rasend schnell ausgebreitet haben. Sie erfassten eine Holztreppe, die zum Speicher hinaufführt, fraßen sich durch eine Luke und fanden in dem mit Styropor-Platten gedämmten Dachstuhl reichlich Nahrung. So die Vermutung. Fakt ist: Das Feuer war extrem heiß. Das verraten Spuren an der Fassade. Die Backsteinecken sind abgeplatzt. Das passiert normalerweise erst bei Temperaturen um 1000 Grad Celsius.

Der Hausbewohner (33) erzählte den Beamten, er habe sich mit seiner kleinen Tochter (19 Monate) in der Küche aufgehalten, als plötzlich der Strom ausgefallen sei. Der Mann hörte das Piepen eines Rauchmelders, sah nach dem Rechten – und stand vor einer Wand aus Rauch. Er brachte sich und das Kind in Sicherheit, setzte einen Notruf ab und meldete dem Leitstellen-Disponenten in Hameln, dass bereits Flammen aus dem Dach schlagen. Die Mutter (32) war gerade nicht zu Hause.

Fakt ist: Das Feuer hat sich in Windeseile ausgebreitet. Nur zehn Minuten zuvor war eine Streife an dem Haus an der Heerstraße vorbeigefahren. Zu diesem Zeitpunkt sei weder Qualm noch Feuerschein zu sehen gewesen, sagte Polizeioberkommissar Klaus Ebrecht.

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Spendenaktion

Die dreiköpfige Familie, die innerhalb weniger Minuten durch ein Feuer obdachlos geworden ist, hat gestern Gespräche mit der Versicherung geführt. Frau, Mann und Kind sind bei Verwandten untergekommen. Sie benötigen dringend Kleidung. Nachbarin Alexandra Mentzel hat einen Rundruf über den Internetdienst WhatsApp gestartet sowie Freunde und Bekannte um Hilfe gebeten. Auch die Dewezet hat sie um Unterstützung bei der Verbreitung ihres Spendenaufrufs gebeten. Benötigt wird gut erhaltene Kleidung für einen Mann (Größe XXL), eine Frau (Größe 38 bis 42 oder L) und ein 19 Monate altes Mädchen (Größe 86 bis 92).  Auch Schuhe werden dringend benötigt: für das Kind in Größe 24, für die Frau in 41/42 und der Mann trägt Größe 46. Wer helfen möchte, kann sich mit Alexandra Mentzel unter 0151/ 14390411 in Verbindung setzen.

Die Kriminalisten konnten am Donnerstag nicht alle Bereiche des verwüsteten Bauernhauses betreten. Durch die Lehmschlagdecke lief Wasser bis ins Erdgeschoss. Offenbar ist durch Hitze eine Rohrleitung geplatzt.

Am Freitag setzten die Beamten ihre Untersuchungen in der Ruine fort. Den ausgebrannten Büroraum konnten sie jedoch nur von außen fotografieren. In einem Punkt legen sich die Ermittler aber bereits fest: „Wir schließen Brandstiftung aus, gehen von einem Defekt an einem elektrischen Kabel aus“, sagte ein Kriminalhauptkommissar.

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Hotelkosten nach einem Hausbrand – wer zahlt?

Ist durch einen Wohnungsschaden durch Wasser, Hagel, Brand oder Sturm eine Wohnung temporär oder dauerhaft nicht bewohnbar, tritt die Hausratsversicherung ein. Sie übernimmt die Kosten für die Beseitigung des Schadens und auch die Kosten für die Hotelunterbringung. Sind nur Teile einer Wohnung unbewohnbar, so ist dem Versicherten in der Regel zuzumuten, die anderen Räume der Wohnung zu nutzen. Achtung: Wer nach einem Brand voreilig ein Hotelzimmer bezieht, bleibt schnell auf den Hotelkosten sitzen. Dies gilt auch für den positiven Fall, also wenn die Versicherung die Hotelunterbringung übernimmt, denn es gelten Einschränkungen. So zahlt die Versicherung nur bis zu einer bestimmten Höhe und auch nur für einen bestimmten Zeitraum. In der Regel sind das 100 Tage.

 

Grundsätzlich werden Brandschäden von den Versicherern danach unterschieden, ob sie Einrichtungsgegenstände oder die Immobilie selbst betreffen. Für Ersteres ist die Hausratversicherung zuständig, für Letzteres die Wohngebäudeversicherung. Beide ersetzen bestimmte Kosten nach einem Haus- oder Wohnungsbrand: Wer was übernimmt, hängt daher davon ab, wo die Schäden entstanden sind.

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