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Experten erklären, was genau passiert

Metallbrände: Extrem heiß und sehr gefährlich

BAD PYRMONT. Dass Metall brennt, kommt relativ selten vor – und übersteigt vielleicht auch deshalb die Vorstellungskraft vieler Menschen. Manchmal passiert es aber doch – zuletzt ist das am frühen Sonntagmorgen beim Brand eines Kleinbusses in Bad Pyrmont geschehen. Experten erklären, wie es dazu kommen konnte.

veröffentlicht am 02.06.2017 um 14:22 Uhr
aktualisiert am 02.06.2017 um 16:42 Uhr

Bei dem Fahrzeug-Brand in Bad Pyrmont wurde es extrem heiß. Warum das Auto dennoch nicht schmolz, erklären nun Experten. Foto: Fabian Biermann/Feuerwehr Bad Pyrmont
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Feuerwehrleute lernen schon zu Beginn ihrer Ausbildung, wie gefährlich Metallbrände sind und was beim Löschen unbedingt zu beachten ist. Löschmittel, die Feuchtigkeit enthalten, dürfen auf keinen Fall benutzt werden. Grund sind die extrem hohen Temperaturen, die bei Metallbränden erreicht werden. „Bei Leichtmetallen wie Aluminium, Magnesium oder Titan sind das 2000 bis 3200 Grad Celsius“, erklärt der Chemiker und Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke. Viele kleine und mittlere Motorblöcke bestehen aus Gusseisen und aus einer Aluminumlegierung. Brennendes Benzin kann Leichtmetalle entzünden. „Immer, wenn blaue Flammen zu sehen sind, haben wir es mit extrem heißen Temperaturen zu tun. Das ist ein sicheres Zeichen“, sagt Brandrat Andreas Zerbe, der in Hameln die Hauptamtliche Wachbereitschaft leitet.

Bei dem Fahrzeugbrand in Bad Pyrmont hatte Einsatzleiter Bastian Bitterling berichtet: „Zwischen den Flammen waren immer wieder blaue Feuerzungen zu sehen. Es war dermaßen heiß, dass die Aluminiumlegierung zu brennen anfing.“ Wöbbecke erinnert sich noch gut an einen Autobrand zwischen Eimbeckhausen und Nienstedt. „Der Motor eines Sportwagens brannte – und die Feuerwehrkameraden hatten große Mühe, das extrem heiße Feuer zu ersticken.“

Manche Menschen glauben, dass sich ein Auto bei dermaßen hohen Temperaturen in einen Klumpen Metall verwandeln müsste. „Das ist natürlich nicht so“, sagt der Brandschutz-Experte Frank Koppenhagen. „Denn es wird ja nur punktuell so heiß.“

Das richtige Löschmittel ist entscheidend für den Löscherfolg. Wasser ist nicht das Mittel der Wahl. Würde man brennendes Metall mit Wasser besprühen, könnte das heftige Explosionen auslösen, denn: „Wasser zerfällt bei den hohen Temperaturen, die bei Metallbränden entstehen, rasch in seine Bestandteile“, erklärt Zerbe. Das bedeutet: „Aus Wasser wird Wasserstoff und Sauerstoff. Das sogenannte Knallgas entsteht“, erklärt Zerbe. Metallbrände sind also außerordentlich tückisch. Zum Löschen dieser Brände sei ein spezielles Metallbrandpulver entwickelt worden. „Man kann auch Zementpulver benutzen“, sagt Zerbe. „Das ist in aller Regel staubtrocken.“ Im Mai 2012 fingen zum Erstaunen der Feuerwehr bei einem Werkstattbrand in Klein Berkel Aluminiumfelgen und ein Getriebe an zu brennen.

Der Schmelzpunkt von Aluminium liegt bei nur 659 Grad Celsius. „Da würde eine Getränkedose flüssig werden“, sagt Chemiker Wöbbecke. „Aluminumpulver kann sich aber schon bei 400 Grad entzünden.“ Schmelzpunkt, Siedepunkt (Alu: 2519 Grad) und die Verbrennungstemperatur von 2000 bis 3200 Grad sind drei grundlegend verschiedene Dinge. Der Kreisbrandmeister erklärt das anhand einer Kerze: „Wachs schmilzt schon bei 50 bis 90 Grad, wird flüssig, steigt im Docht auf und verbrennt am oberen Ende. Die Flamme ist innen aber etwa 800 Grad und außen bis zu 1400 Grad heiß.“



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