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Missglückter Drogendeal kommt nach fast zwei Jahren vor Gericht / Tatwaffe bis heute verschwunden

Messerstiche statt Drogen

Rinteln. Der missglückte Drogendeal am 6. Januar 2014 zwischen zwei 14-jährigen und zwei 22-jährige Männer aus Rinteln und Hessisch Oldendorf, bei dem die beiden 22-Jährigen durch Messerstiche verletzt worden sind, einer davon lebensgefährlich, soll jetzt nach fast zwei Jahren vor dem Jugendschöffengericht Rinteln verhandelt werden – und nicht wie ursprünglich geplant vor der großen Jugendstrafkammer des Landesgerichts.

veröffentlicht am 21.08.2015 um 09:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:41 Uhr

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Die Bückeburger hatten wohl abgewinkt: Hier handele es sich um „jugendtypische Verfehlungen“ und keinen komplizierten Sachverhalt.

Zumindest Letzeres könnte fraglich sein. Denn nach wie vor ist nicht geklärt, was an dem späten Januarnachmittag gegen 17.15 Uhr auf dem Fußweg zwischen dem Bahnhof und der Mindener Straße wirklich passiert ist – zu sehr widersprechen sich die Aussagen der Beteiligten. Es gibt die Version, die vereinfacht dargestellt etwa so aussieht: Es war ein missglückter Drogendeal mit Ansage. Denn die Käufer hätten wohl von vornherein nicht die Absicht gehabt, die geforderten 800 Euro für die 49,2 Gramm Marihuana, die im Plastiksack verpackt war, zu bezahlen. Die 22-Jährigen nahmen die jungen Bengel wohl nicht ernst. Die Verkäufer wiederum trauten wohl ebenfalls ihrer Kundschaft nicht und rückten mit Messern an.

Es gibt aber auch eine andere Version: Danach sollen die 14-Jährigen den Deal unter sich ausgehandelt haben. Einer der Jugendlichen hatte wohl ein erwachsenes Vorbild, das ihm vorgemacht gemacht hat, wie man mit Drogen Geld verdient. Auch bei dieser Version hat einer nicht bezahlt und einer ist geflüchtet. Die 22-Jährigen sollen dann „zufällig“ des Weges gekommen sein. Warum Messer ins Spiel kamen, muss das Gericht klären.

Auf alle Fälle erlitt ein 22-Jähriger lebensgefährliche Verletzungen. Ein Messerstich ging zwischen die Rippen, endete kurz vor der Leber. Eine Verletzung, die von außen eher unspektakulär aussieht, aber durch innere Blutungen tödlich enden kann. Den 22-Jährigen rettete eine Notoperation.

Die Polizei kam ins Spiel, weil man im Krankenhaus nicht nur die Verletzten ärztlich versorgt hat, sondern auch pflichtgemäß feststellte, dass die Ursache der Verletzung eine Straftat sein könnte und die Polizei rief.

Um die Tatwaffe zu finden, rückte noch in der Januar-Nacht die Feuerwehr an, die das Gelände mit Scheinwerfern ausleuchtete. Vergeblich. Das oder die Messer sind bis heute verschwunden.

Die damals 14-Jährigen wurden aufgrund von Zeugenaussagen ziemlich schnell ermittelt, vorläufig festgenommen und dann wieder auf freien Fuß gesetzt.

Es ist ein Fall, der aus dem gewohnten Raster fällt, schon deshalb, weil „normalerweise“ 14-Jährige bei uns nicht als Drogendealer auftreten, das kennt man eher aus der Großstadt. Fast ein Jahr dauerte es, bis die Staatsanwaltschaft offiziell Anlage erhob: im Dezember 2014.

Als Verhandlungstage sind festgesetzt worden der 3., 10. und 17. Dezember und der 7. Januar. Gut die Hälfte der Zeugen, die dazu aufgerufen werden, dürften wohl Polizeibeamte sein, die mit den Ermittlungen befasst waren. Verhandelt wird gegen die Angeklagten (heute 16 und 24 Jahre alt) wegen Drogenhandel, gemeinschaftlichem Raub und gefährlicher Körperverletzung.

Den Angeklagten steht die halbe Rintelner Anwaltschaft, teilweise als Pflichtverteidiger zur Seite mit Marco Vogt, Stefan Frühmark und Stefan Abrahams, dazu Bernd Brüntrup aus Minden und Georg Schulz aus Bielefeld. Wer ist Opfer, wer Täter? Alles unklar. Sogar von einer Notwehrsituation für den 14-Jährigen, der zugestochen hat, ist die Rede. Verhandlungsausgang deshalb: völlig ungewiss. Voraussichtlich sind bei der Verhandlung Zuhörer ausgeschlossen, weil an dem Geschehen damals noch Minderjährige beteiligt waren.

Der Rintelner Kripo-Chef und Kriminalhauptkommissar Jörg Stuchlik sagt: „Eine drogenfreie Stadt, das gibt es nicht.“ In Rinteln sei die Lage aber nicht bedrohlich, „wir haben die Szene unter Kontrolle“. Wenn es um Drogen gehe, dann meist um Cannabis, wie bei dem 32-Jährigen aus Möllenbeck, bei dem im April dieses Jahres Cannabispflanzen in der Wohnung gefunden worden sind. Im Mai dieses Jahres machte ein Fall Schlagzeilen, an dem auch ein Rintelner beteiligt war: Eine Spezialeinheit stoppte kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze zwei Brüder, die zwei Kilo synthetisch hergestellte Drogen im Gepäck hatten.

Für Stuchlik auch ein glücklicher Umstand: Zumindest in Rinteln seien noch nicht die lebensgefährlichen Designerdrogen aufgetaucht, die in dubiosen Giftküchen in Osteuropa zusammengepanscht werden.



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