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Prozessauftakt nach Gewalttat im November

Messer-Attacke in Hameln: Angeklagter räumt Tat ein

HANNOVER/HAMELN. Der Prozess gegen zwei Hamelner, die im November vergangenen Jahres einen 43 Jahre alten Mann in einem Imbiss an der Hamelner Bahnhofstraße attackiert haben sollen, ist am Landgericht Hannover eröffnet worden. Der Angeklagte hat die Tat eingeräumt und sich beim Opfer entschuldigt.

veröffentlicht am 26.04.2019 um 18:19 Uhr

Ein Justizbeamter nimmt dem Angeklagten Y. im Sitzungssaal die Handschellen ab. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Der Verhandlungsbeginn musste zunächst um eine halbe Stunde verschoben werden, da einer der Verteidiger verspätet am Landgericht eintraf. Und dann gab es auch noch ein Problem mit der Technik. Als der Angeklagte Furkan Y. erstmals zu Wort kam, fiel die komplette Tonanlage aus. Das Gericht entschied sich, für die Verhandlung in einen anderen Sitzungssaal umzuziehen.

Wäre in der Tatnacht in dem Lokal an der Bahnhofstraße eine private Geburtstagsfeier ähnlich schleppend verlaufen, hätten die Beteiligten vielleicht zwischendurch Zeit zum Nachdenken gehabt. Und es wäre womöglich gar nicht erst zur Tat gekommen, in deren Verlauf dreimal auf das Opfer eingestochen wurde. Nach Angaben des Landgerichts drang die Klinge zehn Zentimeter tief in den Bauch des Opfers ein. Vor der Messerattacke soll der Mann auch noch mehrfach Faustschläge eingesteckt haben.

In jener Nacht sei er von einem Lokal am Berliner Platz zu der Imbissstube gegangen, erzählte das Opfer. Er habe Hunger gehabt und wollte in dem kleinen Lokal etwas essen. Er habe sich an einen Tisch zu zwei jungen Frauen gesetzt. An geführte Gespräche konnte sich der Mann vor Gericht nicht erinnern. Allerdings an zwei Stiche, die er gespürt habe. Als er nach der Messerattacke gehen wollte, sei er vor der Tür zusammengebrochen, habe auf dem Bauch vor der Ausgangstür gelegen. Auf dem Boden liegend habe er Schmerzen gespürt, sagte der Hamelner nun vor Gericht. Er vermutet, dass er geschlagen wurde. Gesehen habe er aber nichts, sagte der Mann aus. „Irgendwer muss mir dann aufgeholfen haben. Ich war alkoholisiert, aber noch handlungsfähig“, sagte er dem Richter. Er wusste, dass es in einem Altenheim an der Vizelinstraße einen 24-Stunden-Dienst gibt, hoffte dort auf medizinische Hilfe. Schwer verletzt schleppte sich der Mann zum Seniorenheim. Unterwegs war ihm bereits das Atmen schwergefallen, erinnerte er sich.

Der mutmaßliche Täter Y. sagte auf die Frage des Vorsitzenden Richters Wolfgang Rosenbusch, warum er zugestochen habe: „Ich habe überreagiert. Ich kann es mir bis heute nicht erklären.“ Das Opfer, das sich in der Nacht unter die Geburtstagsgäste gemischt habe und auch zunächst mitgetrunken haben soll, habe er nur vom Sehen gekannt, erzählte der 22-jährige Angeklagte. Als der Mann von dem Mitangeklagten Shpetim I. gebeten wurde, den Imbiss zu verlassen, sei die Stimmung gekippt, der Mann sei lauter geworden, so Y.. Dann habe I. den 43-Jährigen erneut aufgefordert, zu gehen, und dem Hamelner ein-, zweimal ins Gesicht geschlagen, meinte der 22-Jährige. Dabei will er eine Bierflasche in der Hand des Opfers gesehen haben, sei dazwischengegangen und habe zugestochen. Das Tatwerkzeug, ein Springmesser habe auf dem Tisch gelegen, so der Angeklagte.

Anschließend sei er auf die Toilette gegangen, habe sich die Hände gewaschen. Dort sei ihm übel geworden. Offenbar realisierte er nun erst, was sich gerade ereignet hatte. „Was habe ich getan? Warum ist das passiert“, sei ihm durch den Kopf geschossen, sagte Y. Bei seinem Opfer hat sich Y. im Gerichtssaal entschuldigt. „Es tut mir von Herzen leid, was ich Dir angetan habe“, sagte der Angeklagte, der seit seiner Festnahme in der Jugendanstalt Hameln inhaftiert ist. Shpetim I. sagte aus, dass er den Mann beim dritten Mal herausführen wollte. Zwei-, dreimal habe er ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen, sich anschließend einem Spielautomaten zugewandt, der nebenher lief, meinte I.. Ein Messer und die Stichhiebe will er nicht gesehen haben. Er habe jedoch bemerkt, wie der Mann vor der Tür stürzte und auf dem Bauch am Boden lag.

Auch ein Partygast konnte zur Stichattacke keine Aussagen machen. Sie habe nur die Faustschläge gesehen und sei dann hinter einen Tresen gegangen, sagte eine Zeugin. Jedoch sprach sie von zehn bis zwölf Faustschlägen, die im Gesicht vom Opfer landeten. Die Frau sagte aus, dass sie keine Bierflache in der Hand des Mannes bemerkt habe. Ob und von wem das am Boden liegende Opfer geschlagen oder gar getreten wurde, sollen weitere Zeugenbefragungen ergeben. Die nächste Verhandlung findet am 7. Mai statt.



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