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Großübung für Rettungskräfte

„Massenanfall von Verletzten“

BAD PYRMONT. Es ist kurz nach 18 Uhr, als am Dienstagabend der erste Notruf die Leitstelle in Hameln erreicht. Ein Pkw, heißt es, sei auf dem Schulhof des Humboldt-Gymnasiums in Bad Pyrmont in eine Menschengruppe gerast. Es gebe mehrere Verletzte und möglicherweise auch Tote. Zum Glück nur eine Übung für die Einsatzkräfte.

veröffentlicht am 05.03.2019 um 22:22 Uhr
aktualisiert am 06.03.2019 um 12:54 Uhr

Ein Großaufgebot an Rettungskräften wird zum Einsatzort Humboldt-Gymnasium in Bad Pyrmont beordert. Die Rettungsfahrzeuge treffen fast im Minutentakt an der Einmündug Bahnhofstraße/Humboldstraße ein. foto: br
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Burkhard Reimer Reporter
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Dort auf dem Schulhof wird gerade ein Imbiss-Stand für ein Schulfest eingerichtet, das heute hätte gefeiert werden sollen. Im Schulgebäude selbst ist eine Projektgruppe mit weiteren Festvorbereitungen beschäftigt. Der Autofahrer, offenbar ein Amokläufer, ist inzwischen in das Gebäude vorgedrungen. Auch von dort werden Notrufe abgesetzt, in denen es heißt, der Mann sei bewaffnet und schieße wild um sich. Auch in der Schule gebe es bereits mehrere Verletzte. Die Lage ist denkbar unübersichtlich, nicht zuletzt deshalb löst die Einsatzleitstelle Großalarm aus.

Das ist das Szenario einer Großübung, die gestern Abend Polizeibeamte, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und des DRK-Rettungsdienstes sowie des Katastrophenschutzes auf den Plan gerufen hat. Insgesamt versammelten sich im Laufe der Übung mindestens 100 Einsatzkräfte am Ort des Geschehens. Sinn und Zweck der Großübung war, ein Rettungskonzept „Massenanfall von Verletzten“ zu erproben.

2017 war es als Folge vorangegangener Amoktaten auch an deutschen Schulen als „Gemeinsame Handlungsempfehlung für die Bewältigung von Amok- und Terrorlagen“ entwickelt worden. Dabei ging es in erster Linie darum, die Einsätze der verschiedenen Rettungskräfte sinnvoll zu koordinieren. So galt es zum Beispiel für ein sogenanntes „Crash Team“ der Polizei, als erste in das Schulgebäude vorzudringen, um sowohl den Täter ausfindig und möglichst unschädlich zu machen und gleichzeitig die ersten und am schwersten verletzten Opfer in Sicherheit und zu den Sanitätern zu bringen.

Am Wagen des Amokfahrers finden Polizeibeamte eine Propangasflasche, die mit einem zeitzünderähnlichen Gerät ausgestattet und mit Benzinkanistern verbunden ist. foto: br

Ein weiteres und nicht minder großes Gefahrenpotenzial entdeckten Polizeibeamte wenig später am Pkw des Amnoktäters, der inzwischen als tot gemeldet worden war und sich allem Anschein nach selbst gerichtet hatte: An seinem Auto befanden sich zwei Benzinkanister direkt neben einer Propangasflasche, die mit einer zeitzünderähnlichen Apparatur versehen war.

In unmittelbarer Nähe lag eine schwerst verletzte junge Frau, die an sich nicht transportfähig war, gleichwohl schleunigst aus der Gefahrenzone gebracht werden musste. Da den Polizeibeamten hier, wie auch in der Schule über einen längeren Zeitraum die vom Einsatzleiter mehrfach angeforderten Tragevorrichtungen nicht zur Verfügung standen, konnten diese Schwerstverletzte sowie etliche Verletzte in der Schule nur unter größten Mühen zur Erstversorgung zu dem Großaufgebot an Sanitätern und Notärzten gebracht werden. Diese hatten sich aus Sicherheitsgründen nicht direkt am Ort des Geschehens, sondern an der Einmündung der Humboldtstraße in die Bahnhofstraße versammelt, wo sie mit ihren Rettungsfahrzeugen im Verlauf der Übung nahezu im Minutentakt eingetroffen waren.

Das lange Ausbleiben der dringend benötigten Rettungsmittel dürfte sicherlich einer der Kritikpunkte gewesen sein, die im Anschluss an die um 19.40 Uhr beendete Übung angesprochen wurden. Allerdings war es, so Kriminalpolizeidirektor Ralf Leopold, der gemeinsam mit Bad Pyrmonts Bürgermeister Klaus Blome und Schulleiterin Dr. Barbara Conring einer der offiziellen Beobachter war, „auch keineswegs Sinn und Zweck der Übung, dass nun gleich alles wie am Schnürchen läuft, sondern es geht darum, Erfahrungen im Hinblick auf die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Rettungseinheiten zu sammeln“.



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