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Polizei vermutet Beziehungstat

Mann zündet sich vor Augen seiner Ex-Freundin an

SCHAUMBURG. Schrecklicher Vorfall im beschaulichen Rintelner Ortsteil Schaumburg: Ein 49-Jähriger hat sich am Mittwochmorgen in der Wohnung seiner Ex-Freundin angezündet. Die 46-Jährige bekam nach ersten Erkenntnissen dabei Tropfen der brennbaren Flüssigkeit ab, blieb aber unverletzt. Der Mann wurde schwer verletzt.

veröffentlicht am 20.06.2018 um 10:55 Uhr
aktualisiert am 22.06.2018 um 20:10 Uhr

Ermittlungen in Schaumburg - eine Kriminalistin sichert Spuren am Tatort. Foto: leo

Autor:

Sebastian Blaumann und Leonhard Behmann

Wie die Polizei mitteilt, brach der Mann aus Bad Münder gegen 5.30 Uhr gewaltsam in die Wohnung seiner in Trennung lebenden Ex-Partnerin an der Rosenthaler Straße ein. Aufgeschreckt vom Lärm flüchtete die ahnungslose Schaumburgerin auf den Balkon. Dort holte sie der 49-Jährige ein, zückte eine Flasche und übergoss sich selbst mit einer noch unbekannten brennbaren Flüssigkeit. Die 46-Jährige konnte sich nach Behördenangaben in eine Nachbarwohnung retten.

Der Mann hatte sich zu diesem Zeitpunkt aber offenbar schon in Brand gesteckt. Die Frau rief die Polizei. „Als wir eintrafen, brannte der Mann nicht mehr“, berichtet ein Polizeisprecher. Dennoch habe der 49-Jährige vornehmlich im Bereich des Kopfes erhebliche Verletzungen erlitten. Der Münderaner ließ sich nach Behördenangaben widerstandslos festnehmen und wurde mit einem Rettungshubschrauber in die MHH nach Hannover geflogen. Die Beamten sprechen von erheblichen, aber keinen lebensbedrohlichen Verletzungen. Das Opfer erlitt einen Schock. Der Mann konnte nach Angaben von Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig noch nicht vernommen werden.

Schon vor dem Einbruch in die Wohnung an der Rosenthaler Straße am Fuße der Schaumburg hatte der Mann nach Polizeiangaben eine Holzbank vor dem Haus mit Benzin übergossen und angezündet. Im Einsatz waren die Freiwilligen Feuerwehren Schaumburg, Deckbergen, Westendorf und Rinteln. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus, obwohl die beiden schon länger in Trennung leben. Der Anlass des aktuellen Vorfalls ist demnach noch völlig unklar. In der Vergangenheit gab es nach Angaben Dreißigs bereits Einsätze wegen häuslicher Gewalt.

Da der Mann offenbar nicht vor hatte, seine Ex-Freundin mit anzuzünden, ermittelt die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben wegen schwerer Brandstiftung, da es in der Wohnung ebenfalls gebrannt hatte. Möglicherweise geht sie auch wegen Körperverletzung gegen den Münderaner vor.

Der Eingangsbereich des Backsteinhauses an der Rosenthaler Straße ist rußgeschwärzt. An manchen Stellen sind die Steine zerplatzt – offenbar war es dort besonders heiß. Zwischen Eingangstür und Fenster liegen ein paar bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Gegenstände. Eine Jalousie ist geschmolzen – die Überreste liegen auf einer Fensterbank. Auch sechs Stunden nachdem Löschmannschaften den Brand bekämpft haben, riecht es am Tatort nach Feuer.

Eine Ermittlerin der Tatort-Gruppe aus Nienburg sucht nach Spuren, macht Fotos. Wie ihr Kollege trägt sie Overall, Mundschutz und Handschuhe. In dem kleinen beschaulichen Rintelner Ortsteil Schaumburg hat sich am frühen Mittwochmorgen offenbar ein Verbrechen abgespielt. Noch sind nur ein paar Details bekannt, doch die Kriminalisten arbeiten fieberhaft daran, die Hintergründe aufzuklären. Die Bewohnerin und die Nachbarin seien von einem lauten Knall aus dem Schlaf gerissen worden, heißt es. Die Nachbarin schnappte sich einen Feuerlöscher, bekämpfte die Flammen im Eingangsbereich und verhindert Schlimmeres. Im Haus hatte bereits der Teppich angefangen, zu brennen. Fensterscheiben platzten.

So viel wissen die für Mord-, Totschlag und Körperverletzungsdelikte zuständigen Ermittler: Gegen gegen 5.30 Uhr hat eine Frau aus dem Ort Schaumburg die Polizei in Rinteln angerufen. Sie teilte einem Kommissar mit, dass ihr Wohnhaus brennen würde. Als Polizei und Feuerwehr eintreffen, brennen Gegenstände vor dem Haus. Zeugen weisen die Helfer darauf hin, dass sich noch weitere Personen im Haus aufhalten würden – „unter anderem der Täter“, wie die Polizei später mitteilt. In einer Wohnung habe man einen 49 Jahre alten Mann entdeckt, der erhebliche Brandverletzungen im Gesicht und am Oberkörper auswies.

Er sei vorläufig festgenommen genommen worden, hieß es. Die Hinweisgeberin, in deren Wohnung der Tatverdächtige zuvor eingebrochen sein soll, konnte in eine Nachbarwohnung flüchten. Sie blieb zum Glück unverletzt. Nach notärztlicher Behandlung wurde der Verletzte mit einem Rettungshubschrauber nach Hannover zur Medizinischen Hochschule Hannover geflogen. Zurzeit gehen die Ermittler von einer Beziehungstat aus. Weitere Einzelheiten wollen sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlichen. Unbestätigten Informationen zufolge soll der Verdächtige zwei Türen beschädigt, eine Scheibe eingeschlagen und die Terrassentür aufgebrochen haben.

Die Mutter der Frau sagte im Gespräch mit der Zeitung, bei dem Tatverdächtigen handele es sich um den ehemaligen Lebensgefährten ihrer Tochter. Das Paar habe sich bereits vor zwei Jahren getrennt. Der Mann, der in einem kleinen Dorf bei Bad Münder wohnen soll, habe ihre Tochter aber seitdem „verfolgt“.

Am Tatort geht derweil die Spurensuche weiter. Ermittler der Tatort-Gruppe haben mögliche Beweismittel in Kunststoff-Tüten verpackt. Das sichergestellte Material soll im Kriminallabor untersucht werden. Vor dem Haus steht ein roter VW Golf. Es deutet alles darauf hin, dass auch der Wagen mit Benzin übergossen wurde. Ein weiteres Fahrzeug erweckt die Aufmerksamkeit der Polizisten. Mit dem Auto soll der Tatverdächtige gekommen sein. Es wird durchsucht, Polizisten nehmen den Zündschlüssel mit.

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