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Angreifer passt hilfloses Opfer am Eingang einer Tankstelle ab

Mann schlägt auf Behinderten ein

STADTHAGEN. Ein Stadthäger (46) hat auf dem Gelände einer Tankstelle an der Vornhäger Straße einen geistig Behinderten geschlagen. Das völlig verängstigte Opfer (60) erlitt Hämatome im Gesicht und eine Platzwunde am Hinterkopf. Rund sieben Monate nach dem Übergriff hat das Amtsgericht in Stadthagen den Täter jetzt wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1125 Euro verurteilt, in diesem Fall 75 Tagessätze.

veröffentlicht am 01.02.2018 um 19:14 Uhr

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Menschlich hält Richter Matthias Brügger die Tat für „das Letzte, was man tun kann“, wie er in der Urteilsbegründung erklärte. „Man haut einem solchen Menschen nicht ins Gesicht.“ Dieser sei zudem „massiv bedroht“ worden. Angeblich hatte sich die Lebensgefährtin des Schlägers zuvor von dem Behinderten beleidigt gefühlt.

Von seinem Betreuer wird der 60-Jährige dagegen als scheu beschrieben, „vom Typ her eher ein nicht aggressiver Mensch“. Ob es eine Vorgeschichte gegeben hat, bleibt offen. Und selbst wenn: „Dann muss man sich mäßigen“, so Brügger an die Adresse des Angeklagten.

Als der Behinderte an jenem Sonntag im Juni aus der Tankstelle kam, wartete der Stadthäger schon vor der Eingangstür und schlug dem 60-Jährigen mit der flachen Hand ins Gesicht. Während der Attacke hielt der psychisch Kranke zwei Colaflaschen in den Händen. Auf den Bildern aus der Überwachungskamera ist zu sehen, wie der Gehandicapte sich aus Angst immer wieder hinter einer Säule versteckte, um den Angreifer auf Abstand zu halten, bevor er schließlich weglief.

Der Täter verfolgte den hilflosen Mann jedoch und brachte ihn zu Fall. Laut Anklage soll der 60-Jährige noch geschlagen worden sein, als er bereits am Boden lag und der Angreifer über ihm war. Dies lässt sich auf dem Video jedoch nicht erkennen. So oder so: „Man sieht, welche Aggressionen der Angeklagte an ihm ausgelassen hat“, fasst Richter Brügger zusammen. Nach dem Übergriff verließ der 60-Jährige mit seinem Rollator schockiert und blutend das Gelände.

Eine junge Frau (18), die an jenem Tag hinter dem Tresen der Tankstelle stand, hat die Szene mit Entsetzen beobachtet. „Ich war ganz fertig, weil der Mann einfach verprügelt wurde, obwohl er nichts getan hat“, erinnert sie sich. „Ich habe gesehen, wie ganz viel Blut an seinem Hinterkopf runterlief.“ Vermutlich hatte der Behinderte die Platzwunde durch den Sturz erlitten.

„Tut mir leid, was passiert ist“, meint der nicht vorbestrafte Angeklagte in seinem Schlusswort. „Aber ich kann es nun mal nicht rückgängig machen.“ An die Tat will sich der 46-Jährige kaum noch erinnern können, weil er „einige Biere getrunken“ habe. „Es stimmt, dass ich ihm eine mit der flachen Hand gegeben habe“, räumt der Stadthäger ein und legt Wert auf die Feststellung, dass er „nicht nachgeschlagen“ habe. „Dann war auf einmal die Polizei da.“ Den Behinderten will der 46-Jährige vorher nicht gekannt haben.

Das Opfer hatte Richter Matthias Brügger gar nicht erst als Zeugen zur Verhandlung geladen. Freiwillig wäre der 60-Jährige sicher nicht zum Gericht gegangen – aus Angst. ly

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