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Hamelner löst Großeinsatz aus

Mann auf Mühlendach: „Ich wollte nur ein bisschen chillen“

HAMELN. Ein junger Mann aus Hameln hat am Mittwochabend anderthalb Stunden lang zahlreiche Polizisten und Feuerwehrleute in Atem gehalten. Der 22-Jährige war auf das Flachdach der ehemaligen Wesermühle an der Ruthenstraße gestiegen, um dort eigenen Angaben zufolge „einfach nur ein bisschen zu chillen“.

veröffentlicht am 20.09.2018 um 15:35 Uhr

Ein Hamelner sitzt an der Dachkante und „chillt“. Für Außenstehende sieht es so aus, als wolle er sich etwas antun. Polizei und Feuerwehr rückten aus. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Er hatte sich allerdings so nah an die Regenrinne gesetzt, dass er für einen Lebensmüden gehalten wurde. Entsprechend vorsichtig gingen die Einsatzkräfte vor: Streifenwagen und Feuerwehrfahrzeuge näherten sich dem Gebäude ohne Blaulicht und Sirene – die Einsatzfahrzeuge wurden außerhalb des Sichtfeldes des Mannes abgestellt. Polizisten sperrten die Straße. Brandoberinspektor Sven Hildebrandt vom Einsatzführungsdienst der Feuerwehr Hameln ließ vorsorglich einen Sprungretter aufbauen. Es handelt sich um ein zum Teil mit Pressluft gefülltes Polster. Ein Hamelner, der in der Nähe wohnt, hatte kurz zuvor der Polizei gemeldet, dass sich jemand auf dem Mühlendach aufhält. Eine Autofahrerin stoppte, als sie den Mann sah. Als dann auch noch eine Jacke zu Boden fiel, erhärtete sich der Verdacht, dass eine Person in die Tiefe springen will.

Nachdem die ersten Einsatzkräfte vor Ort waren, gingen drei Feuerwehrleute zu dem Mann auf das Dach, doch der Hamelner wollte „keine Leute in Uniform sehen“. Als später bekannt wurde, um wen es sich handelt, wunderte das keinen mehr. „Wir kennen ihn und wissen, dass er eine Abneigung gegen Uniformträger hat“, sagte Hauptkommissar Jan Koß.

„Als der Mann bemerkt hat, dass jemand zu ihm hochkommt, ist er weggegangen. Er hat sich an das Rohr eines Abluftschachts gelehnt“, schildert Hildebrandt die Situation. Vorsorglich wurden eine Notfallseelsorgerin und Mitglieder der Verhandlungsgruppe der Polizei angefordert. Es handelt sich um psychologisch geschulte Experten. Einer Polizistin in Zivil, die Mitglied der Tatort-Gruppe ist, gelang es schließlich, Kontakt mit dem jungen Mann aufzunehmen.

Feuerwehrleute bringen einen Sprungretter in Stellung. Foto: ube

Da es dunkel wurde, ließ der Feuerwehr-Einsatzleiter derweil weitere Kräfte anrücken. Freiwillige der in Hameln und Rohrsen stationierten Züge 2 und 4 sorgten für Licht. Das Gebäude wurde mit Halogenscheinwerfern des Rüstwagens und des Hilfeleistungslöschfahrzeugs angestrahlt. In der alten Mühle wurden lange Stromkabel verlegt und Scheinwerfer aufgestellt. Auch das Dach sei ausgeleuchtet worden, sagte Hildebrandt. „In der Industriebrache gibt es große Löcher. Man kann leicht in die Tiefe stürzen. Und auf dem Dach mussten wir aufpassen, weil dort Blitzableiter verlegt sind. Bei Dunkelheit sieht man weder die Löcher noch die in Bodennähe verlegten Metallstangen.“

Nachdem der Hamelner freiwillig das Gebäude verlassen hatte, wurde er vorsorglich einem Amtsarzt vorgeführt. Der Mediziner wies ihn in eine Klinik ein – laut Polizei, weil „eine potenzielle Eigengefährdung bestand“.

Für Polizei und Feuerwehr war es mittlerweile der fünfte Einsatz an der ehemaligen Mühle.



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