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Anklage wegen Handels mit Anabolika fallengelassen

Kiffer lagerte Dopingmittel für „Bekannte“

HAMELN. Seltener Fall vor dem Amtsgericht Hameln: Ein 31 Jahre alter Mann war von der Staatsanwaltschaft Hannover nicht nur wegen Handels mit Marihuana, sondern auch mit Dopingmitteln angeklagt. Im Februar 2017 waren in der damaligen Hamelner Wohnung des Mannes die Anabolika Testosteron und Drostanolon in Mengen gefunden worden, die weit über den häufig unter Bodybuildern verbreiteten Eigenverbrauch hinausgingen.

veröffentlicht am 11.04.2019 um 16:51 Uhr

Ein 31 Jahre alter Kiffer lagerte in seiner Wohnung Dopingmittel in einer Menge, die deutlich über den Eigenverbrauch von einer Person hinausgingen. In der Folge musste er sich vor dem Amtsgericht Hameln wegen Handels mit Anabolika verantworten. Foto
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Dass sich Marihuana und Dopingmittel in seiner Wohnung befanden, räumte Matthias A. (Name von der Redaktion geändert) zwar ein, bestritt jedoch, damit gehandelt zu haben. Die Dopingmittel habe er lediglich für drei andere Personen verwahrt, die ihn darum gebeten hätten. Er selbst habe sie weder zu sich genommen, noch habe er gewusst, was die Mittel wert seien. Auf die Frage der Staatsanwältin, ob es sich bei diesen Leuten um „gute Bekannte“ gehandelt habe, antwortete Matthias A.: „Na ja, Freunde hätten mir wohl gesagt, dass das nicht ganz legal ist.“ Namen wollte er nicht nennen. Auch nicht nach dem Hinweis von Richterin Kathrin Heimann, sich damit entlasten zu können. „Ja, aber zu welchem Preis?“, sagte Matthias A. „Dass sie sich belasten.“ Insgesamt waren in der Wohnung des Mannes 632 Milligramm Testosteron gefunden worden und damit fast das 30-fache der für eine Person üblichen Menge sowie das 1,48-fache der für den Eigenverbrauch üblichen Menge Drostanolon.

Die 3,5 Gramm Marihuana indes, die in der Wohnung des Angeklagten gefunden worden waren, hätten von seinem eigenen Konsum der Droge gezeugt, nicht jedoch von Handel damit, sagte Matthias A. Er kiffe bereits, seitdem er 13 Jahre alt sei, sagte er. In Anbetracht dessen, dass er nach wie vor regelmäßig Marihuana konsumiere, merkte die Staatsanwältin an, dass dies doch „ganz schön teuer“ sei. „Ja“, räumte der Angeklagte ein, auf der Straße zahle er pro Gramm 12 bis 14 Euro.

2016 war er bereits wegen Handels mit Cannabis in zehn Fällen zu 19 Tagessätzen à zehn Euro verurteilt worden. Mit der Dealerei soll er seinen Eigenverbrauch an Cannabis finanziert haben. Ob er schon mal an eine Drogentherapie gedacht habe, wollte die Staatsanwältin von ihm wissen. Nein, er nehme ja keine harten Drogen, antwortete er.

Zwar könne Matthias A. einen Realschulabschluss vorweisen, eine Ausbildung, die laut Staatsanwältin „durchaus drin gewesen wäre“, habe er jedoch nie abgeschlossen. „Ich habe Probleme mit theoretischen Lehrern“, sagte er. „In der Praxis“ könne er arbeiten, „aber nicht acht Stunden in der Schule sitzen“. Bis vor zwei Monaten habe er noch für ein Packunternehmen gearbeitet. Derzeit sei er auf Sozialleistungen angewiesen.

Staatsanwältin und Richterin glaubten Matthias A., dass er keinen Handel mit den Dopingmitteln betrieben, sondern nur für andere verwahrt hatte, zumal sich in der Nähe seiner damaligen Wohnung ein Fitnessstudio befand. Da sich ein Handel nicht nachweisen ließ, urteilte die Richterin „im Zweifel für den Angeklagten“. Es sei nicht unüblich, dass Verbraucher von Anabolika die Mittel bei Personen lagerten, die, wie bei Matthias A. der Fall, wegen ihres Körperbaus weniger auffielen als sie selbst und so nicht den Anschein erweckten, die Mittel zu konsumieren, erläuterte Richterin Heimann nach der Verhandlung im Dewezet-Gespräch.

Fallengelassen wurde angesichts der geringen Menge Marihuana auch die Anklage wegen Handels mit Betäubungsmitteln. Aufgrund der nicht lange zurückliegenden Vorstrafe folgte Richterin Heimann jedoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte Matthias A. wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen à zehn Euro.

Der Angeklagte zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Seine letzten Worte: „Danke.“



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