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Neues Schließsystem nur kleine Hürde für Kriminelle / Hessisch Oldendorfer den BMW vom Hof geklaut

„Keyless“ macht es Autodieben leicht

WESERBERGLAND. Moderne Autoschlüssel machen vor allem Autodieben das Leben leicht. Die komfortablen Keyless-Go-Systeme lassen sich mit einem einfachen Trick überlisten. Jaafar Al Sheikh aus Hessisch Oldendorf musste diese traurige Erfahrung machen. Doch es gibt Möglichkeiten sich zu schützen.

veröffentlicht am 02.04.2019 um 12:57 Uhr
aktualisiert am 02.04.2019 um 16:14 Uhr

Wenn der Motor erst einmal läuft, dann können die Diebe mit dem gestohlenen Auto so lange fahren, bis der Tank leer ist. Foto: dpa
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Als Jaafar Al Sheikh am Mittwochmorgen sein Haus verließ, um zu seinem Friseursalon in Hameln zu fahren, traute er seinen Augen nicht, erzählt der Hessisch Oldendorfer. Sein Auto stand nicht mehr auf seinem Hof, auf dem er es am Abend zuvor abgestellt hatte. Offensichtlich war sein Wagen, ein blauer BMW 225D, Baujahr 2014, gestohlen worden. Der 35-Jährige rief die Polizei, die seine Diebstahlmeldung aufnahm. Die Diebe hatten es anscheinend sehr leicht. Der Grund: Al Sheikhs BMW verfügte über das Komfort-Schließsystem „Keyless“ – ein für Autodiebstähle besonders anfälliges System.

Seit Dezember 2018 sind im Bereich der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden sieben Autos, der Wagen des Hessisch Oldendorfers Wagen miteingerechnet, auf dieselbe Art und Weise gestohlen worden, teilt Polizeioberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera auf Anfrage der Dewezet mit. „Bei den bei uns verzeichneten Diebstählen handelt es sich um das Phänomen des Komplettdiebstahls von sogenannten Keyless-Go-Fahrzeugen, was ziemlich neu ist, da das System noch nicht so lange bei den Autoherstellen Verwendung findet“, führt die Polizeioberkommissarin aus.

Keyless Go bedeutet, dass der Auto- oder auch Motorradbesitzer den Fahrzeugschlüssel lediglich bei sich haben muss. Er muss ihn weder ins Schloss stecken noch eine Taste drücken. Über Funk erkennt das Fahrzeug ab einer gewissen Nähe den Schlüssel, dann muss der Besitzer nur noch den Türgriff berühren oder drücken, dann wird das Schloss entriegelt. Der Motor des Fahrzeugs wird dann ohne Zündschlüssel, sondern nur noch per Tastendruck gestartet. Läuft der Motor einmal, dann so lange der Sprit reicht.

Jaafar Al Sheikh. Foto: Dana

Ein Hacker-Eingriff ist für das „Knacken“ des Schlosses nicht nötig. Es genügt ein sogenannter Funkwellen- oder auch Reichweiten-Verlängerer. Denn: „Zumeist legen die Fahrzeugführer ihre Autoschlüssel im Flurbereich nahe der Haustür ab“, schildert Heineking-Kutschera. „Die Täter stellen sich dann vor die Haustür und ,verlängern‘ die ausstrahlenden Funksignale des Schlüssels zu dem in der Einfahrt stehenden Fahrzeug.“ Ohne Weiteres ließen sich so dann die Türen öffnen und das Fahrzeug starten. „Es braucht nicht mehr als ein Laptop oder Handy“, so die Polizeioberkommissarin. Die in den Fahrzeugen verbaute Ortungstechnik werde meist schnell außer Betrieb gesetzt, sodass ein Orten der Fahrzeuge nicht mehr möglich sei. Nur selten würden die Fahrzeuge komplett wieder aufgefunden.

Werden sie doch irgendwo wieder aufgefunden, dann könnte es sein, dass der Dieb den Motor des Autos abgewürgt hat. Weil er ihn ohne Schlüssel nicht mehr neu starten kann – die Reichweiten-Verlängerer sind in ihrer Reichweite begrenzt –, lässt er das Auto stehen und flüchtet. Dann kann es für den Autobesitzer abermals unangenehm werden, weil er nun Gefahr läuft erneut zu Opfer zu werden, wie der ADAC (Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.) warnt. Denn da die Polizei keine Einbruchspuren feststellen wird, weil das Auto ja „Keyless“ geöffnet und gestartet wurde, kann es sein, dass sich der Besitzer nun dem Verdacht ausgesetzt sieht, er habe den Diebstahl nur vorgetäuscht, um seine Versicherung zu betrügen.

Hinsichtlich der Täter gebe es laut Polizeiangaben „Hinweise darauf, „dass es sich um gut organisierte osteuropäische Täter handelt“, die sich von der Polizei offenbar wenig beeindrucken lassen. „Kommen die Täter mit entwendeten Fahrzeugen in Polizeikontrollen, gehen sie sehr rigoros vor und durchbrechen nötigenfalls auch Polizeisperren“, sagt Polizeioberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera.

Der ADAC gibt Tipps, wie sich Fahrzeugbesitzer vor dieser Masche schützen können. Den Schlüssel in Alufolie einzuwickeln oder in einer Blechdose zu verwahren, sei unsicher, weil die Funkwellen mitunter trotzdem durchgelassen werden. Sicherer sei es, die Keyless-Funktion zu deaktivieren – wenn möglich. Aufschluss könne die Betriebsanleitung oder Werkstatt geben.

Für Jaafar Al Sheikh besonders bitter: Ausgerechnet an diesem Abend habe er seine Tasche mit all seinen Papieren und Bargeld in Höhe von 1500 Euro im Auto liegen lassen. Sie wurden mit dem Auto gestohlen.



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