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Lebensgefährliche Klettertour

Junge Männer steigen aufs Mühlendach

HAMELN. Diese Klettertour war lebensgefährlich. Fünf junge Männer( 19 und 20 Jahre) sind am Dienstagnachmittag in das teilweise das entkernte Gebäude der Wesermühlen an der Ruthenstraße gestiegen. Mehr noch: Sie kletterten auf das Dach des über 30 Meter hohen Gebäudes. Ungesichert liefen die Jugendlichen auf dem höchsten Punkt des Gebäudes. Dort wurden sie jedoch gesehen.

veröffentlicht am 02.05.2018 um 16:04 Uhr
aktualisiert am 02.05.2018 um 18:00 Uhr

Fünf Personen sitzen auf dem Dach der alten Wesermühle. Foto: pr
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Ein Passant (27 Jahre) teilte gegen 16 Uhr einer Polizeistreife mit, dass er auf dem Dach der Wesermühle fünf Personen beobachtet habe, die in luftiger Höhe randalieren sollten. „Da an den Zugängen sichtbar Warnschilder angebracht waren, die auf Durch- und Einbruchsgefahren hinwiesen und das Betreten untersagten, gingen die Beamten zunächst nicht in das Gebäude“, sagte Oberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera.

Die Feuerwehr wurde alarmiert. Nach dem Ausbau von Maschinen und Rohren klaffen in den Betonböden der ehemaligen Mühle große Löcher. „Beim Betreten begibt man sich in ganz große Gefahr“, weiß Brandamtmann Eugen Steiger. Schon ein falscher Tritt könnte fatale Folgen haben, sagte die Feuerwehrführungskraft. Abstürze durch mehrere Etagen seien durchaus möglich, so Steiger.

Mit einem Diensthund wurden die Etagen durchsucht. „Das gestaltete sich nicht nur aufgrund der löchrigen Böden als schwierig, auch Glassplitter und Bauschutt machten es dem Hund nicht leicht, bis auf das Dach vorzudringen. Daher konnte die Mühle nur teilweise durchsucht werden“, so die Polizeisprecherin. Gefunden wurde niemand.

Gegen 18.30 Uhr waren erneut Leute auf dem Mühlendach. Dies teilte ein Anrufer dem Disponenten in der nur wenige Meter von der Mühle entfernten Kooperativen Leitstelle Weserbergland (KRL) mit. Zu der Zeit waren sie auch von der KRL aus zu sehen.

Mit Lautsprecherdurchsagen wurden die Eindringlinge aufgefordert, die Mühle zu verlassen. Das zeigte Wirkung. Um kurz nach 19 Uhr stellten sich die fünf Männer. Drei Hessisch Oldendorfer (19,20,20), ein 19-jähriger Hamelner sowie ein gleichaltriger Hannoveraner erhielten Platzverweise. Ihre Personalien wurden aufgenommen.

Offen blieb, ob es sich um die Personen handelte, die sich bereits zwei Stunden zuvor auf dem Dach herumtrieben. Der Zeuge, der gegen 16 Uhr die Polizei informierte, will zwischen den Männern eine weibliche Person gesehen haben, teilte die Polizei mit.

Offenbar hatten die Männer leichtes Spiel, um in das Gebäude zu kommen. Zwar sind die meisten Fenster mit Blechplatten gesichert, Türen sollen laut Polizeiangaben jedoch nicht verschlossen gewesen sein. Ein Polizeikommissar berichtete, dass „das Betreten durch mehrere offenstehende Türen und eingeworfene Scheiben problemlos möglich gewesen sei“.

„Es wird geprüft, ob den Männern der Einsatz in Rechnung gestellt wird“, berichtete Heineking-Kutschera. Die schon länger leer stehenden Immobilie an der Weser ist Eigentum eines Schweizer Geschäftsmanns. Eigentümer müssen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht Maßnahmen ergreifen, damit keine Gefahren für Dritte von ihrem Grundstück oder ihrer Immobilie ausgehen. Die Polizei habe den Eigentümer über die Situation und die nicht verschlossenen Türen an der Wesermühle informiert, hieß es.

Bei der Stadt habe man keine Handhabe, das Gebäude zu sichern. „Das ist alles Privatgelände. Der Eigentümer ist hier in der Pflicht. Wir werden hier also nicht tätig“, sagte eine Stadtsprecherin.

Was das Quintett dazu bewegte, Hausfriedensbruch zu begehen und sich im alten Industriegebäude herumzutreiben, konnte die Polizeisprecherin allerdings nicht sagen. „Lost Places“ (Deutsch: vergessene Orte) wie alte Industriebrachen oder ehemalige Militäranlagen ziehen immer mehr sogenannte Urban Explorer an. Verlassene Gebäude werden vor allem gern von Fotografen, Graffiti-Künstlern und Personen mit geschichtlichem Interesse besucht – auch verbotenerweise.



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