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Gefangener (18) steckt fest

JA-Häftling in der Klemme

TÜNDERN. In der Nacht auf Dienstag wurde in der Jugendanstalt Tündern (JA) ein Gefangener befreit. Richtig gelesen – in und nicht aus der Anstalt. Und legal war die Aktion auch. Ein 18-jähriger Häftling steckte nicht nur in seiner Zelle, sondern zudem richtig in der Klemme. Genauer: seine Hand. Die war oberhalb eines Fensters zwischen Gitterstäben und einer Lochblechplatte eingeklemmt. Allein bekam der junge Mann die Hand nicht wieder frei.

veröffentlicht am 08.05.2018 um 15:47 Uhr
aktualisiert am 08.05.2018 um 20:40 Uhr

Der Häftling steckte seine Hand an der oberen linken Ecke durch einen Spalt und hing fest. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Ein Mithäftling aus einer Nachbarzelle hatte Alarm geschlagen und Justizbeamten mitgeteilt, dass der Gefangene im ersten Obergeschoss an einem Fenster festhing. Versuche der Beamten, die inzwischen geschwollene Hand mit Gleitmittel einzureiben und so freizubekommen, schlugen fehl. Um kurz vor halb 3 Uhr wurde schließlich die Feuerwehr alarmiert.

Kein leichtes Unterfangen für die routinierten Retter. „Wir haben das Blatt einer Metallsäge abmontiert und das Blech in Feinarbeit per Hand durchsägen müssen“, sagte Hauptbrandmeister Jan Loges. Ein Trupp habe auf einer Steckleiter gestanden, Kollegen hätten von innen gesägt, erzählt der Feuerwehrmann. Der Häftling sei währenddessen von Notfallsanitätern betreut worden. Nach einer Stunde habe man den Mann aus seiner misslichen Lage befreit. Was den 18-Jährigen dazu bewog, seine Hand durch einen schmalen Spalt hindurch nach draußen zu strecken, konnte Dietmar Müller, Sprecher der Jugendanstalt, nicht sagen. „Warum auch immer“, so sein Kommentar.

Als Ausbruchsicherung wurden die Lochblechplatten nicht angebracht, heißt es aus der JA. Diese Aufgabe erfüllen die massiven Gitterstäbe. Die Platten sollen verhindern, dass Gefangene Gegenstände aus dem Fenster werfen. Und sie sollen den „Pendelverkehr“ in der Anstalt eindämmen.

Es ist offenbar kein Geheimnis, dass sich Gefangene gegenseitig mit Dingen versorgen, die den Knastalltag erträglicher gestalten sollen. So soll Tabak oder auch mal ein Feuerzeug – an einer Schnur befestigt – von einer Zelle in eine andere mittels Pendelbewegungen befördert worden sein. Verletzungen soll der Häftling nicht davongetragen haben. „Er hat am Morgen seine Arbeit aufnehmen können“, teilte Müller mit.

Der Gefangene wurde zwar aus seiner misslichen Lage befreit. Er wird jedoch noch einige Zeit in seiner 9,5 Quadratmeter großen Zelle bleiben müssen. Der 18-Jährige verbüße derzeit eine dreijährige Haftstrafe wegen Körperverletzung, Diebstahl sowie weiteren Delikten, berichtete der JA-Sprecher.



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