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Juristin wertet Fall als versuchten Totschlag

„Ich hätte tot sein können“: Hamelner wird Opfer von Gewalttat

HAMELN. Der Hamelner Cengiz C. ist eigenen Angaben zufolge am frühen Sonntagmorgen Opfer einer Gewalttat geworden. Der 35-Jährige berichtet, er sei zunächst im und dann auch vor dem „Vitamin Club“ am 164er Ring grundlos von fünf ihm namentlich nicht bekannten Gästen attackiert worden – mit Faustschlägen und Tritten gegen den Kopf, mit einer abgeschlagenen Bierflasche und mit einem Barhocker.

veröffentlicht am 23.04.2018 um 17:24 Uhr

Vor dem Vitamin-Club am 164er Ring soll sich die Attacke am frühen Sonntagmorgen ereignet haben. Das für Tötungs- und Körperverletzungsdelikte zuständige 1. Fachkommissariat wird den Fall bearbeiten. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der Haupttäter habe ein Messer gezogen und immer wieder versucht, auf ihn einzustechen. Zweimal habe der Mann Morddrohungen ausgestoßen. „Er hat geschrien: ,Ich werde dich umbringen. Ich töte dich‘.“

Cengiz C., ein ehemaliger Luftsicherheitsassistent, der momentan als Vertriebsmitarbeiter für einen großen Telefonkonzern arbeitet, flüchtete sich blutüberströmt zu einem Taxi. „Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, habe auf dem Weg dorthin immer wieder schwere Schläge kassiert.“ Der Rädelsführer habe sogar noch die Autotür aufgerissen und abermals versucht, ihn mit dem Messer zu treffen, sagt Cengiz C. Mit einem Tritt habe er diesen Angriff zum Glück abwehren können. Der Taxi-Fahrer sei sauer gewesen. „Er hat gesagt, sein Wagen sei beschädigt worden. An der Deisterstraße hat er mich einfach ausgesetzt“, behauptet das Verbrechensopfer.

Cengiz C. schleppte sich nach Hause – vor der Tür brach er zusammen. „Ich musste mich übergeben. Zum Schluss kam nur noch Blut aus mir heraus. Ich konnte mit letzter Kraft die 112 wählen“, sagt er. Mit einem Rettungswagen wurde der Hamelner zur Notaufnahme des Sana-Klinikums gebracht und dort behandelt.

Nach Angaben des Opfers wurden im Krankenhaus neben einem Nasenbeinbruch und einer Jochbeinprellung zahlreiche Schürfwunden, Prellungen, Blutergüsse und ein Schnitt, der vom Auge bis zum Ohr reicht, festgestellt. „Ich habe zwei blaue Augen, jede Menge Schwellungen am Kopf sowie zahlreiche Schürfwunden an Armen und Beinen. Meine rechte Gesichtshälfte ist stark angeschwollen, ein Ohr blau unterlaufen.“ Zum Glück sei keine Gehirnblutung entdeckt worden.“ Cengiz C. sagt, er habe starke Schmerzen am ganzen Körper, müsse Tabletten einnehmen. Der Hamelner ist froh, überlebt zu haben. „Die vielen Schläge und Tritte konnte ich noch einigermaßen gut wegstecken. Aber das hätte auch anders ausgehen können. Ich hätte tot sein können“, meint der 35-Jährige. Juristen werden die Tat als versuchten Totschlag. „Wer völlig enthemmt immer wieder gegen den Kopf eines wehrlosen am Boden liegenden Menschen tritt, nimmt dessen Tod billigend in Kauf“, sagte Opfer-Anwältin Zeliha Evlice.

Cengiz C. kann sich nicht erklären, was die Männer getrieben hat. „Ich kenne diese Leute nicht. Ich hatte auch keinen Streit mit ihnen.“ Er habe den Club in dieser Nacht gemeinsam mit seinem Cousin betreten – zum ersten Mal. „Wir wollten einfach nur Party machen. Mehr nicht. Plötzlich kam eine Person zu mir. Der Mann forderte mich auf, zu gehen. Er würde mich sonst umbringen, hat er gedroht“, erzählt der Hamelner. Erst habe er noch geschmunzelt und gefragt: „Wieso denn? Ich habe doch gar nichts gemacht.“ Dann sei er von vier weiteren Männern umringt worden. „Und schon bekam ich den ersten Faustschlag.“ Er sei hinter die Theke geflüchtet, sei aber mit einem Barhocker und einer abgeschlagenen Flasche attackiert worden. Als er zu Boden gegangen sei, habe man ihn immer wieder ins Gesicht und gegen den Hinterkopf getreten.

Den Polizisten, die ihn im Krankenhaus befragten, habe er nur wenig sagen können. „Ich stand unter Schock, war schwer verletzt – und ich kenne die Täter ja auch nicht.“

Am Sonntag habe sein Vater überraschend Besuch von einem Mann bekommen, der sich als Vater des Haupttäters vorstellte. „Er hat darum gebeten, die Anzeige gegen seinen Sohn zurückzuziehen und ein gewisses Entgegenkommen signalisiert“, erzählt Cengiz C. „Ich will aber kein Schweigegeld, ich möchte, dass diese Gewalttäter vor Gericht gestellt werden und bestraft werden“, sagt er. Das Opfer hat recherchiert und glaubt nun, den Namen des mutmaßlichen Haupttäters zu kennen. Wenn es sich wirklich um diese Person handelt, hat sie schon viele Gewalttaten auf dem Kerbholz.

Das für Tötungs- und Körperverletzungsdelikte zuständige 1. Fachkommissariat wird die Ermittlungen übernehmen. „Wir haben Kenntnis von dem Fall“, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar Frank Beißner. „Zunächst einmal werden wir das Opfer befragen und dann versuchen, Licht in das Dunkel zu bringen.“

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