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Polizei rückt alle viereinhalb Minuten aus

Heißer Jahreswechsel: Die einen feiern, die anderen retten

HAMELN-PYRMONT. Dass Freud und Leid in der Silvesternacht eng beieinanderliegen, ist eine Binsenweisheit – die einen feiern den Jahreswechsel mit Freunden oder in Kneipen bei Musik und Tanz, die anderen verzichten darauf, mit Alkohol anzustoßen, weil sie zur Stelle sein wollen, wenn es brennt. So auch in diesem Jahr.

veröffentlicht am 01.01.2018 um 15:30 Uhr
aktualisiert am 02.01.2018 um 09:53 Uhr

Goldregen, blitzende Sterne und Knalleffekte – mit unzähligen Raketen begrüßten die Hamelner das neue Jahr. Foto: DANA
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Für die heimischen Feuerwehren war es ein arbeitsreicher Dienst – zwischen 17 Uhr und 7 Uhr mussten elf Feuer gelöscht werden. Die meisten Brände loderten in Hameln, das schlimmste Feuer wütete in Diedersen. Dort griffen meterhohe Flammen ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge von einem in Brand geratenen Holzschuppen auf ein Doppel-Carport über, in dem zwei Autos und ein Motorrad standen. Das Feuer weitete sich, angefacht vom Wind, auf ein Wohnhaus aus. Kurz darauf brannte der Dachstuhl. Die Tatort-Gruppe der Inspektion schätzt den Gesamtschaden auf 250 000 Euro (siehe Seite Weserbergland). In Afferde zerstörte eine Rakete eine Glastür der Grundschule.

Auf der Bundesstraße 1 zwischen Hameln und Aerzen und auf der Durchgangsstraße in Flegessen ereigneten sich Verkehrsunfälle. Die Fahrer stehen im Verdacht, alkoholisiert gefahren zu sein. In den ersten vier Stunden des neuen Jahres rückten Notärzte und Mitarbeiter der Rettungsdienste alle acht Minuten aus, um Menschen in lebensbedrohlichen Notlagen zu helfen.

Die Leitstellen-Disponenten um Schichtleiter Karsten Otto hatten keine ruhige Minute. Auch die Polizei fuhr von einem Einsatz zum nächsten. 52 mussten „abgearbeitet“ werden. Durchschnittlich alle 4,5 Minuten wurde eine Streife losgeschickt. Dennoch meint Hauptkommissar Klaus-Dieter Budde, Einsatzführer in der Polizeileitstelle: „Es war nicht so viel los, wie im Jahr zuvor.“ Allerdings habe es zahlreiche Vorfälle mit Feuerwerkskörpern gegeben. Für den Kommissar vom Lagedienst nicht nachvollziehbar: „Es gab einige Anrufer, die sich über ruhestörenden Lärm beschwert haben – ausgerechnet in der Silvesternacht.“ Ungewöhnlich: Bis 5 Uhr wurde der Polizei kein Einbruch gemeldet. „Die Zellen in unserem Gewahrsamstrakt sind alle frei“, sagt Hauptkommissar Jan Koß.

Karlstraße: Hier wurde eine Frau von einer Rakete am Kopf getroffen. Feuerwehrleute kümmerten sich um die Verletzte. Foto: ube
  • Karlstraße: Hier wurde eine Frau von einer Rakete am Kopf getroffen. Feuerwehrleute kümmerten sich um die Verletzte. Foto: ube
B 1: Ein Auto hat sich überschlagen. Der Fahrer aus Hameln war vermutlich betrunken. Foto: ube
  • B 1: Ein Auto hat sich überschlagen. Der Fahrer aus Hameln war vermutlich betrunken. Foto: ube
Hunoldstraße: Feuer in einem Unterstand aus Holz. Ein Atemschutz-Trupp löscht. Foto: ube
  • Hunoldstraße: Feuer in einem Unterstand aus Holz. Ein Atemschutz-Trupp löscht. Foto: ube

Mancherorts flogen in der Nacht der Nächte die Fäuste. Mehrere Menschen wurden durch Knallkörper verletzt, einige „Schnapsleichen“ gefunden. „Der ganz normale Wahnsinn halt“, sagte ein Rettungsassistent und schob einen Patienten mit Verdacht auf Alkoholvergiftung in den Notarztwagen.

In der Notaufnahme des Sana-Klinikums sei es „für eine Silvesternacht relativ ruhig gewesen“, hieß es. Dennoch hatten Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger einiges zu tun. „Drei Patienten, darunter zwei Kinder, haben durch explodierende Pyrotechnik Brandwunden erlitten. Fünf Betrunkene und ein Mann, der offenbar mit Pfefferspray in Kontakt geraten ist, mussten behandelt werden“, fasst Krankenpfleger Felix Blankenburg gegen 5.30 Uhr zusammen. „Und es ist auch noch ein Mann eingeliefert worden, der sich bei einem Treppensturz Verletzungen zugezogen hat.“

Die Feuerwehren Hameln, Afferde und Hastenbeck waren bereits am späten Silvesternachmittag gegen 17.10 Uhr zur Kieler Straße (Afferde) gerufen worden. Der gemeldete Dachstuhlbrand entpuppte sich als Baum-Feuer. Ein etwa acht Meter hoher Nadelbaum hatte sich im Garten eines Hauses entzündet – durch eine verirrte Rakete. Eine halbe Stunde später fuhren haupt- und ehrenamtliche Kräfte zum 164er Ring. In einem Appartement habe eine Hamelnerin (88) ein Würstchen in der Bratpfanne erhitzt, hieß es. Dabei sei Papier in Brand geraten, sagte Stadtbrandmeister Markus Weber. Das erste Feuer im neuen Jahr wurde um 0.09 Uhr gemeldet. Unter einem VW Polo, der auf einem Hinterhof an der Hamelner Karlstraße stand, brannten Knallkörper. Kunststoffteile schmolzen. Es war zugleich die erste Sachbeschädigung, die von der Polizei aufgenommen wurde. Nahezu zeitgleich sollte ein Lastwagen auf der Basbergstraße brennen. „Dort hat zum Glück kein Fahrzeug, sondern nur eine Thuja-Hecke Feuer gefangen“, so Weber. Die Hamelner Feuerwehr sollte nicht mehr zur Ruhe kommen. Um 0.50 Uhr brannte eine Abfalltonne auf den Parkplatz des Edeka-Marktes am Reimerdeskamp, eine halbe Stunde später mussten meterhohe Flammen in einem Unterstand an der Hunoldstraße gelöscht werden. Dort brannte ein 1100-Liter Container, ein zweiter schmolz. Alle vier Züge der Freiwilligen Feuerwehr unterstützten die Wachbereitschaft, da zeitgleich ein Brand an der Koppenstraße gemeldet wurde. Eine Löschfahrzeug-Besatzung entdeckte wenig später an der Sedemünder Straße einen weiteren Container, aus dem Flammen schlugen. Um 6.18 Uhr brannten an der Schmiedestraße drei Kunststoff-Container und zwei Bio-Tonnen. In einem Behälter explodierten Feuerwerkskörper. Eine Garagenwand wurde beschädigt. Container und Mülltonnen fingen auch in Eimbeckhausen und in Fischbeck Feuer.

Das erste Großfeuer richtete um 1.47 Uhr einen Riesenschaden an. Es wütete in Diedersen, hielt Feuerwehrleute aus sechs Orten in Atem.

Die erste Knallkörper-Verletzung wurde um 0.25 Uhr aus der Karlstraße gemeldet. Dort sei eine Frau von einer Rakete am Kopf getroffen worden, hieß es. Feuerwehrleute, die dort gerade im Einsatz waren, behandelten die Verletzte bis zum Eintreffen des DRK-Rettungsdienstes.

Der erste Randalierer beschäftigte die Polizei um 0.26 Uhr in Rohrsen. Nach einem Beziehungsstreit soll ein Mann ausgerastet sein.

Die erste Schlägerei gab es um 2.30 Uhr – sie fand auf der Wehrberger Straße statt. Nach der Böllerei seien die Fäuste geflogen, sagte Hauptkommissar Budde. An dem Handgemenge waren drei Männer beteiligt. Niemand habe Anzeige erstatten wollen.

Der erste schwere Verkehrsunfall ereignete sich um 4.10 Uhr auf der Bundesstraße 1. In Höhe der Abfahrt nach Aerzen war ein Autofahrer (33) aus Hameln verunglückt. Sein BMW blieb auf der Seite liegen. Retter der Feuerwehr brachten ihn ins Krankenhaus. Nach Angaben der Polizei hatte der Mann mehr als 1,1 Promille Alkohol in der Atemluft.

In Flegessen war bereits am frühen Sonntagmorgen gegen 3.10 Uhr ein Auto von der Straße abgekommen. Die Fahrt endete im Zaun des Dorfladens. Auch dort kippte der Wagen auf die Seite, soll der Fahrer (25) aus Hameln laut Polizei „deutlich unter Alkoholeinfluss gestanden“ haben.

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