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Das Ende der „Liberty“

Havariertes Hausboot in Hameln geborgen

HAMELN. Die letzte Fahrt der „Liberty“ ist am Freitagnachmittag zu Ende gegangen. Die 1938 gebaute Kornschute liegt seit 17 Uhr auf dem Trockenen - sie wird nie wieder auf einem Fluss schwimmen oder in einen Hafen gezogen werden. Zwei Riesenkräne haben den 23 Tonnen schweren Havaristen aus der Hafeneinfahrt gehievt und auf die Kaimauer vor der ehemaligen Wesermühle an der Ruthenstraße gelegt.

veröffentlicht am 16.06.2017 um 10:55 Uhr
aktualisiert am 16.06.2017 um 21:56 Uhr

Wieder an Land: Das havarierte Hausboot Liberty ist geborgen. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Vermutlich wird der durchgerostete Rumpf irgendwann von Abwrack-Spezialisten mit Schneidbrennern in viele kleine Stücke zerteilt. Die Stahlteile werden später sicher in irgendeinem Hochofen landen. Die „Liberty“ ist dann endgültig Geschichte.

Vor ein paar Monaten war der zuletzt als Wohnschiff genutzte alte Weserkahn an seinem Liegeplatz im Hamelner Hafen gesunken. Die Hafenbehörde hatte Ende Januar angeordnet, dass die marode Schute geborgen werden muss. THW-Helfer pumpten das Hausboot aus. Der Bergungsversuch musste jedoch abgebrochen werden, weil große Mengen Wasser durch ein Leck im Schiffsrumpf nachströmten. Drei weitere Termine, an denen das 20 Meter lange Schiff gehoben werden sollte, mussten abgesagt werden. Im Februar war der Wasserstand zu hoch, im April stand kein geeigneter Kran zur Verfügung und im Mai brütete plötzlich im Wrack ein Teichhuhn.

Am Freitag konnte das Bergungsteam um THW-Zugführer Detlev Grabbe und Bergungsprofi Andreas Schmidt endlich loslegen. Am Ende ereignete sich doch noch eine Panne, die eine verspätete Bergung zur Folge hatte. „Am Mittellandkanal hat sich ein Metallteil in einen Reifen des Ballast-Lastwagens, der die Kontergewichte des 220-Tonnen-Krans transportiert, gedrückt und einen Platten verursacht“, erklärt Andreas Schmidt aus Eimbeckhausen, der schon fast alles am Haken hatte. „Die Jungs mussten erst den Reifen wechseln. Das hat etwas Zeit gekostet.“

Foto: ube
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THW-Helfer aus Hameln hatten bereits um 10 Uhr damit begonnen, die gesunkene Schute leerzupumpen. Pro Minute wurden 1600 Liter Wasser ins Hafenbecken geleitet. Das zeigte Wirkung. Bereits nach 15 Minuten war der Schiffsboden zu sehen. Vier Helfer, die sich Wathosen angezogen hatten, mussten die dicken Schläuche, aus denen das Wasser mit großem Druck hinausschoss, halten. „Es fühlt sich an, als würde man mit einer riesigen Schlange kämpfen“, sagte THW-Helfer Jan Beißner. Sein Mitstreiter Marcel Siebke meinte: „Ja, das ist ganz schön anstrengend.“ Tobias Bleibaum betätigte sich derweil als Fischer. „Wir haben im Rumpf einige kleine Brassen eingefangen und die Fische in die Freiheit entlassen.“

Nach nur einer Stunde schwamm die „Liberty“ wieder. Das Leck im Rumpf hatten die THW-Helfer zuvor notdürftig mit Sandsäcken verschlossen. Mit zwei PS-starken Pontonbooten des Technischen Hilfswerks wurde der Havarist zur Kaimauer geschleppt und dort gegen 11.45 Uhr vertäut.

Ein 200-Liter-Fass bereitete den Helfern Sorge. „Der Inhalt ist unbekannt“, erklärte Ilka Brümmer von der Hafen- und Umweltbehörde. Die Hamelner Feuerwehr brachte einen sogenannten Fassgreifer zum Liegeplatz. Mit einem THW-Kran wurde das Kunststofffass vorsichtig ans Ufer gehievt. Ein Entsorgungsunternehmen wurde angefordert.

Derweil bauten THW-Helfer aus stabilen Metallstangen zwei Gerüste, mit denen der an einigen Stellen durchgerostete Schiffsrumpf versteift wurde. Experten schnitten zudem Löcher in den Kahn. An diesen Stellen wurden am Nachmittag die Ketten der Kräne befestigt. THW-Einsatzleiter Detlev Grabbe freute sich: „Et löppt“, sagte er. Was heißen sollte: „Keine Probleme. Läuft alles nach Plan.“ Dass alles dermaßen reibungslos vonstatten gehen würde, war nicht absehbar. Die „Liberty“ hätte im Schlick festsitzen oder beim Ziehen auseinanderbrechen können.

Wann die Schute entsorgt wird, steht noch in der Sternen. Die Stadt Hameln liegt mit dem Eigentümer im Clinch. „Er hat gegen einen Bescheid der Behörde geklagt“, sagte der Leiter der Rechtsabteilung, Christian Campe. Eine Richterin habe zwar der Bergung aus Gründen der Gefahrenabwehr zugestimmt, der Stadt jedoch eine Entsorgung des Wracks untersagt, hieß es.

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