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Geschäftsführer wegen Betrugs vor Gericht

Handwerker bekommt kein Geld

SPRINGE/ELDAGSEN. Weil sein in Insolvenz gegangenes Unternehmen eine Handwerkerrechnung nicht bezahlt hat, musste sich jetzt dessen Geschäftsführer wegen des Vorwurfs des Betrugs vor Gericht verantworten. Der Mann, der eine Firma in einem Springer Ortsteil leitet, wurde freigesprochen.

veröffentlicht am 22.02.2017 um 19:28 Uhr

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In dem Unternehmen war im letzten Sommer eine große Glasscheibe zu Bruch gegangen, ein heimischer Handwerksbetrieb war beauftragt worden, eine neue Scheibe einzusetzen. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen allerdings bereits vorläufige Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet. Der Kontostand hätte aber locker ausgereicht, um die Rechnungssumme des neuen Fensters über rund 2700 Euro zu bezahlen, erklärte der Angeklagte.

Das Problem ergab sich durch eine zeitliche Überschneidung zwischen dem Rechnungseingang und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Die Handwerker-Rechnung, erstellt am 26. August, ging im Unternehmen am 30. August ein. Mit der Insolvenzeröffnung am 1. September durften indes keine Rechnungen mehr gezahlt werden.

Der Handwerker tue ihm leid, erklärte der Geschäftsführer während der Verhandlung und fügte hinzu: „Mir waren aber die Hände gebunden.“ Die Richterin legte dem Mann nahe, den Glaser möglicherweise aus eigener Tasche doch noch zu bezahlen. Denn der könne nun schließlich gar nichts für diese Situation.

Der Geschäftsführer habe aber keinen Betrug begangen, urteilte die Strafrichterin. Für die Firma mit einem millionenfachen Umsatz im Jahr sei diese Rechnung ein durchlaufender Posten gewesen, zumal auch die Versicherung den Schaden übernommen habe. Vermutlich habe der Geschäftsführer von der Rechnung noch nicht einmal etwas gewusst. Keinesfalls aber habe er Bereicherungsabsichten gehabt und war nicht verpflichtet, den Handwerker auf die vorläufige Insolvenz des Unternehmens hinzuweisen.

Die Staatsanwältin sah das anders: Sie sah den Betrugsvorwurf bestätigt und hatte eine Geldstrafe von 4000 Euro beantragt. Ursprünglich war ein Strafbefehl gegen den Geschäftsführer ergangen, gegen den hatte er aber Einspruch eingelegt.

Und konnte nun den Gerichtssaal in Springe mit einem Freispruch in der Tasche verlassen.



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