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Boot-Modul ist bislang einmalig – aber noch nicht einsatzbereit

Hamelner leitet EU-Wasserrettungseinheit: Großübung auf der Weser

HAMELN. Es war die allererste Übung einer bislang einmaligen EU-Einheit, die sich allerdings noch im Aufbau befindet: Das sogenannte Modul 17 „Bergungs- und Rettungseinsätze unter Einsatz von Booten bei Überschwemmungen“ soll künftig entlang der deutschen Außengrenzen zum Einsatz kommen und war nun drei Tage auf der Weser unterwegs.

veröffentlicht am 17.09.2018 um 16:23 Uhr

„Es kommt nicht auf die Farbe der Uniform an“, sagt Team Leader Detlev Grabbe. Foto: pr
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Ein rotes Schlauchboot mit der gelben Aufschrift DLRG braust heran. Der Lebensretter, der den PS-starken Außenborder steuert, hat eine wichtige Nachricht für die THW-Helfer aus Hameln, die gerade eine Pontonfähre per Kran mit Hilfsgütern beladen. „Gleich wird ein Notfall-Patient gebracht. Wir brauchen Platz!“ Ohne Murren schieben die „blauen Engel“, wie die Helfer des Technischen Hilfswerks im Volksmund genannt werden, ihre Fähre in die Weser. Das Zusammenspiel der Kräfte scheint reibungslos zu klappen. „Es kommt nicht auf die Farbe an“, sagt Team Leader Detlev Grabbe (47). Der THW-Zugführer aus Hameln leitet die allererste Übung einer bislang einmaligen EU-Einheit, die sich allerdings noch im Aufbau befindet. Das sogenannte Modul 17 „Bergungs- und Rettungseinsätze unter Einsatz von Booten bei Überschwemmungen“ (Flood Rescue using Boats (FRB) soll zukünftig in bis 1500 Kilometer Entfernung entlang der Außengrenzen der Bundesrepublik Deutschland zum Einsatz kommen. „Im Ernstfall fahren wir natürlich auch weiter“, sagt Tabea Vidril, Sachbearbeiterin Einsatz im THW Landesverband Bremen/ Niedersachsen. Nur Straßen brauche es, denn die FRB wird nicht zum Einsatzort fliegen, sondern fahren. Wenn Ehren- und Hauptamtliche aus verschiedenen Organisationen und Bundesländern Hand in Hand gemeinsamen arbeiten und die Farbe der Einsatzkleidung keine Rolle spielt, entstehe etwas Neues und Besonderes – davon ist man bei THW und DLRG überzeugt.

Die Frauen und Männer der gemischten Spezialeinheit in spe sollen bei Hochwasser-Lagen zum Einsatz kommen und sich im Katastrophengebiet autark versorgen können. Das Leben in einem Feldlager muss geübt werden. „Wir bauen unser Camp auf, wir ernähren und – falls nötig – mit Fertiggerichten“, sagt Grabbe. Auch das müsse geübt werden. THW-Helfer, hauptsächlich aus den Ortsverbänden Hameln, Achim, Leer und Nordenham sowie 30 DLRG-Retter aus dem gesamten Bundesgebiet haben vor einiger Zeit den Grundstein für eine aktive Zusammenarbeit gelegt, die in den kommenden Jahren wegweisend für die deutsche internationale Hilfe in der Hochwasserrettung sein soll. „Das Boot-Modul ist einmalig“, sagt der Hamelner Team Leader. 39 Frauen und Männer gehören zur Einheit, die Posten sind fünffach besetzt. „Zwei bis fünf Jahre dauert die Ausbildung“, sagt Tabea Vidril. „Danach wird sich das FRB-Modul zur Zertifizierung bei der Europäischen Union anmelden.“

Die Einheiten passen zusammen und ergänzen sich. Das THW als ehrenamtlich getragene Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes und die DLRG als gemeinnützige und selbstständige Wasserrettungs- und Nothilfeorganisation unterscheiden sich strukturell, ergänzen sich in ihren Fähigkeiten jedoch zusätzlich. Das FRB-Modul verbinde die logistische Komponente des Transports zu Wasser des THW mit der Wasserrettungskompetenz der DLRG, heißt es.

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Einsatz auf der Weser bei Hameln – Mitglieder der neuen EU-Wasserrettungseinheit in spe proben den Ernstfall. Foto: ube

In Hameln wurde auf dem ehemaligen britischen Militärgelände Wouldham Park der Ernstfall geprobt. Der Auftrag: Menschen aus überfluteten Gebieten per Boot evakuieren und von Brücken abseilen, Verletzte versorgen und an Land bringen, Hilfsgüter auf dem Wasserweg transportieren. 100 Helfer waren mit 15 Fahrzeugen und zwölf Rettungsbooten und Transportfähren im Einsatz. Der Aufbau des Flut-Moduls war vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegeben worden. Es soll später einmal vom Emergency Response Coordination Centre der EU in Brüssel angefordert werden.

Überhaupt wird in vielen Situationen Englisch gesprochen. „Wenn wir mit Menschen im Ausland sprechen oder mit unseren übergeordneten Führungsstellen wie dem On-Site Operations Coordination Centre oder der Local Emergency Management Authority funken, sprechen wir Englisch“, erklärt Einsatzleiter Grabbe.



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