weather-image
15°
×

... jetzt soll er in die Psychiatrie

Hamelner läuft absichtlich vor Autos und zieht Messer

Hameln. Was sich am Abend des 6. März in der Hamelner Nordstadt abgespielt hat, ist alles andere als alltäglich – und endete schließlich mit einem Warnschuss, abgefeuert aus einer Polizeipistole. Der ungewöhnliche Fall wirft einige Fragen auf. Vorerst gibt es darauf keine Antworten. Gerichtssprecher Dr. Stephan Loheit hat der Medieninformation das Stichwort „Wahnhafte Angriffe“ gegeben.

veröffentlicht am 10.11.2015 um 18:15 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:57 Uhr

Ulrich Behmann

Autor

Chefreporter zur Autorenseite

Der junge Hamelner, dem versuchte gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Unfallflucht vorgeworfen wird, soll psychisch krank sein. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat deshalb seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt. Mit dem Verfahren beschäftigt sich am kommenden Mittwoch die 1. Große Jugendkammer des Landgerichts Hannover. „Verhandelt wird im sogenannten Sicherungsverfahren, weil die Staatsanwaltschaft erwartet, dass gegen den Beschuldigten wegen seiner im Zustand der Schuldunfähigkeit begangenen Tat eine Maßregel der Besserung und Sicherung verhängt werden wird“, erklärt Dr. Loheit, der selbst Richter am Landgericht ist.

Der heute 20 Jahre alte Hamelner soll nach Angaben des Gerichts am 5. März „gegen ärztlichen Rat aus der geschlossenen Unterbringung im Ameos-Klinikum Hildesheim entlassen worden sein, obwohl vermutlich noch eine krankheitsbedingte Verkennung der realen Situation bei gleichzeitiger völliger Enthemmung vorgelegen hat“.

Polizist stoppt

bewaffneten Mann mit Warnschuss

Unklar bleibt, warum der Patient seinerzeit überhaupt aus der Psychiatrie entlassen wurde. Die Klinik wollte sich gestern dazu gegenüber der Dewezet nicht äußern.

Am Abend des darauf folgenden Tages soll Chris K. (Name geändert) in Hameln infolge „der anhaltenden psychischen Dekompensation“ absichtlich schnellen Schrittes und ohne zu zögern auf die Straße „Fahlte“ getreten sein, um sich dort von einem herannahenden Wagen anfahren zu lassen. Durch ein sofort eingeleitetes Ausweichmanöver konnte der Autofahrer einen Frontalzusammenstoß gerade noch verhindern. Wenige Sekunden später soll der offenbar psychisch Kranke erneut absichtlich auf die Fahrbahn getreten sein – diesmal wurde der junge Mann von einem Ford Focus erfasst, mit dem ein Hamelner (35) in Richtung Reimerdeskamp unterwegs war. Es muss ein heftiger Aufprall gewesen sein – die Frontscheibe des Wagens zersplitterte. Der 20-Jährige zog sich nach Polizeiangaben nicht unerhebliche Verletzungen zu. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, das Weite zu suchen. Nach der Kollision hatte der Hamelner plötzlich ein Messer in der Hand und flüchtete in Richtung Sportplatz. Autofahrer wollten den Flüchtenden zum Stehenbleiben bewegen und liefen deshalb hinter ihm her. Nicht zuletzt wegen der Stichwaffe brachen die Verfolger ihr Vorhaben ab. Der Verletzte kletterte über einen Zaun und verschwand zunächst in der Dunkelheit. Die Polizei leitete eine Fahndung ein. Gegen 22.20 Uhr spürte eine Streifenwagen-Besatzung den Gesuchten am Ilphulweg auf. Er habe einen „desorientierten und apathischen Eindruck“ gemacht, hieß es. Da der 20-Jährige den Aufforderungen, die Waffe wegzuwerfen, nicht nachkam, wurden Reizgas und Schlagstock eingesetzt. Unbeeindruckt von den Gaswolken, die die Beamten versprüht hatten, soll der junge Hamelner auf die Beamten zugegangen sein. Mit dem Messer soll er mehrfach Stich- und Hiebbewegungen in Richtung der Beamten gemacht haben. Ein Kommissar stürzte bei dem Versuch, den Mann zu entwaffnen. Richter Dr. Loheit spricht von einem „Gerangel“. Als der Hamelner auf den am Boden liegenden Polizeibeamten zuging, wurde der Warnschuss abgegeben. Der Angreifer hörte den Knall und verharrte kurz – Zeit genug für den gestürzten Polizisten, sich in Sicherheit zu bringen. Eine couragierte Kommissarin half ihm dabei. Einsatzkräfte umstellten den 20-Jährigen, redeten beruhigend auf ihn ein. Er warf schließlich das Messer weg und ließ sich widerstandslos festnehmen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige