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Neue Erkenntnisse im Fall der verbrannten Frau aus der Baustraße / Staatsanwalt leitet Verfahren ein

Hamelner im Visier der Mordermittler

HAMELN. Im Fall der 49 Jahre alten Hamelnerin, deren verkohlte Leiche am Morgen des 17. März 2016 in einem Fachwerkhaus an der Baustraße gefunden wurde, ist ein Mann ins Visier der Mordermittler geraten. Der Hamelner soll bei seiner Vernehmung mehrfach gelogen und sich in Widersprüche verstrickt haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat gegen den 37-Jährigen ein Verfahren wegen Verdachts des Totschlags eingeleitet.

veröffentlicht am 18.06.2017 um 14:20 Uhr
aktualisiert am 19.06.2017 um 08:40 Uhr

In dem Fachwerkhaus an der Hamelner Baustraße wurde am Morgen des 17. März 2016 die brennende Frauenleiche gefunden. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der Kriminalfall hatte von Anfang an Rätsel aufgegeben. Die Beamten ermittelten zunächst in sämtliche Richtungen – sie prüften mit allen ihnen zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten, ob der Brand durch einen technischen Defekt ausgelöst wurde. Bei ihren Nachforschungen stießen die Todesursachen-Ermittler allerdings auf Ungereimtheiten. „Es gibt mehrere Indizien, die darauf hindeuten, dass es sich um ein Kapitalverbrechen handeln könnte“, sagt der Leiter des unter anderem für Mord und Totschlag zuständigen 1. Fachkommissariats, Axel Brünger.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen Bekannten der Frau. Sie hatte ihm im Jahr 2015 eine große Geldsumme geliehen, er war jedoch bis zu ihrem plötzlichen Tod nicht in der Lage, seine Schulden zurückzubezahlen. Wenige Tage vor dem rätselhaften Brandausbruch in der Altstadt forderte die Hamelnerin von dem Mann ihr Geld zurück – offenbar mit Nachdruck.

In der Wohnung der Frau wurden Spuren entdeckt, die belegen, dass der Verdächtige dort gewesen ist. Offenbar wurde dem Opfer Geld gestohlen. Wer den Diebstahl begangen hat, steht noch nicht fest. Allerdings hat der Hamelner, der Anfang 2016 chronisch pleite gewesen sein soll, plötzlich Geld auf sein Konto eingezahlt. Er behauptet, er habe das Geld geschenkt bekommen, der Gönner weiß jedoch nichts davon.

Die Frage, ob die Hamelnerin Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist, hat Oberstaatsanwalt Thomas Klinge seinerzeit so beantwortet: „Wir können nichts ausschließen.“ Offenbar sind die Mordermittler bei ihren Nachforschungen in der Zwischenzeit ein Stück vorangekommen.

Die Polizei Hameln und die Staatsanwaltschaft Hannover hatten bereits kurz nach dem Leichenfund mehrere Sachverständige eingeschaltet. So wurden die heimischen Ermittler unter anderem von einer Brandursachen-Kommission unterstützt. Es handelt sich um eine kriminaltechnische Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamts Niedersachsen – sie setzt sich aus Experten zusammen, die technische, chemische, physikalische und biologische Aspekte analysieren. Auch Rechtsmediziner aus Würzburg, die sich auf die Untersuchung von Brandwunden spezialisiert haben, haben sich mit dem mysteriösen Todesfall beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft hat zusätzlich ein externes Sachverständigen-Büro, das sich auf Brandursachen-Forschung versteht, eingeschaltet.

Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis sei die Frau „an den Folgen von Hitzeeinwirkung gestorben“, sagte Brünger. Das könnte bedeuten, dass die Hamelnerin nicht durch eine Rauchgasvergiftung ums Leben gekommen ist. Der Erste Kriminalhauptkommissar will das weder bestätigen noch dementieren. Fakt ist: Als sich Feuerwehrleute Zugang zur Wohnung verschafften, fanden sie die Mieterin – sie lag brennend hinter der Tür. Nach Angaben der Polizei war die Leiche bereits „stark verkohlt“. Der Chef der Hausbewohnerin habe an diesem Donnerstagmorgen kurz nach halb acht einen Notruf abgesetzt, hieß es. Der Mann hatte sich Sorgen gemacht, weil seine Mitarbeiterin nicht zur Arbeit gekommen war. Er hatte geklingelt, das Piepen eines Rauchmelders gehört und der Leitstelle gemeldet: „Ich glaube, ich sehe da auch Qualm.“

In der Wohnung, die sich in der ersten Etage befindet, sei es extrem heiß gewesen. Es habe dort oben aber nicht gebrannt, berichteten Feuerwehrleute. An den Wänden hatte sich allerdings Ruß niedergeschlagen. Die Brandermittler gehen davon aus, dass sich die Oberbekleidung der Hamelnerin im Obergeschoss entzündet hat. Die Frau müsse dann brennend in Richtung Hausflur gelaufen und die Treppe hinuntergefallen sein. Die Flammen seien auf Holzteile übergegriffen, sagte der Erste Kriminalhauptkommissar Brünger.

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