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Im Visier der Fahnder / Hightech eingesetzt

Großkontrolle bei Hilligsfeld: Polizei sucht nach Kriminellen

HILLIGSFELD. Es sind Reise- und Fluchtrouten, Bandenstrukturen, Netzwerke und Fahrzeuge von Kriminellen, für die sich Fahnder des für Einbruch und Raub zuständigen Fachkommissariats 2 (FK 2) interessieren. Am Mittwoch haben deshalb mehr als 30 Polizisten in Groß Hilligsfeld stundenlang die Bundesstraße 217 observiert.

veröffentlicht am 25.10.2018 um 00:03 Uhr
aktualisiert am 08.11.2018 um 19:40 Uhr

Augenkontrolle – Kommissar Mirco Siever prüft, ob dieser Fahrer Rauschgift konsumiert hat. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Mehr noch: Zahlreiche Autos und Kleintransporter, die in Richtung Hameln fuhren, wurden in Höhe der Schlachtpforte gestoppt, die Insassen akribisch überprüft. Die Beamten zwangen Autofahrer mit einem extra aufgebauten Geschwindigkeitstrichter zum Langsamfahren.

Es geht um Erkenntnisgewinnung, denn die Arbeitsweise der Einbrecher und der Banden wird „zunehmend professioneller“. Auch die Mobilität der Tätergruppen, die zum Teil keinen Wohnsitz in Deutschland haben, steige an, sagt Kommissar Thomas Bleibaum vom FK 2, der den groß angelegten Einsatz gemeinsam mit Oberkommissarin Anika Nübel leitet. „Ein Europa mit offenen Grenzen beinhaltet auch reisende Tatverdächtige aus anderen Staaten, häufig stammen sie aus Südost- und Osteuropa“, sagt Nevin Ayyildiz vom Landeskriminalamt Niedersachsen.

„Um Kriminelle festzunehmen, Beweismittel zu sichern und weitere Informationen über Vorgehensweisen von Tätern zu sammeln – aber auch, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu steigern, finden zwischen Göttingen und Hoya groß angelegten Spezialkontrollen mit fast 300 Kommissaren in sieben Landkreisen statt“, sagt Polizeivizepräsident Bernd Wiesendorf der Dewezet an der Kontrollstelle in Hilligsfeld. Polizisten einer Technischen Einsatzeinheit aus Braunschweig haben künstliche Monde (Power Moons) aufgestellt und den Kontrollort ausgeleuchtet. Die Polizisten wollen wissen: Welcher Vorbestrafte ist an diesem Mittwoch mit wem unterwegs? Auch Hightech kommt zum Einsatz: Eine Sonderverfügungseinheit der Polizei Hannover hat an der B 217 ein automatisches Kennzeichen-Lesegerät postiert. Das System kann Daten mit dem Computer-Fahndungssystem der Polizei abgleichen. Es komme nur zum Einsatz, wenn es „um Straftaten von erheblichem Gewicht mit einem internationalen Bezug“ gehe, erklärt ein Fahnder. Gemeint sind unter anderem Einbrecherbanden, die aus dem Ausland anreisen und sich vorübergehend in Deutschland aufhalten, um im Bundesgebiet als sogenannte reisende Täter reihenweise Straftaten zu begehen.

Das Thema Wohnungseinbruch sei nach wie vor ein Schwerpunktthema in der Polizeidirektion Göttingen, sagt Oberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera. Dabei seien die Fallzahlen rückläufig. Der Erste Kriminalhauptkommissar Frank Beißner, der beim Zentralen Kriminaldienst in Hameln das Einbruch- und Raub-Kommissariat leitet, nickt, warnt aber davor, sich zu früh zu freuen. „Das kann sich jederzeit ändern“, sagt der Fachmann. Dafür brauche es nur einen Serientäter oder eine Bande, die innerhalb weniger Wochen zahlreiche Wohnungen plündere. Zudem gelte nach wie vor: Winterzeit ist Einbruchzeit: Um rund 40 Prozent nimmt die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche von Oktober bis März im Schnitt zu. Das zeigen die Statistiken des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Konkret heißt das: Von den durchschnittlich 140000 Einbruchschäden, die von 2002 bis 2015 jährlich an die Versicherer gemeldet wurden, entfielen 40 Prozent auf das Sommerhalbjahr und 60 Prozent auf die dunkle Jahreszeit. Deshalb müsse der Kontrolldruck sein, sagt Beißner.

Erst im vergangenen Monat konnten die Polizeibeamten einen Fahndungserfolg vermelden. Am 27. September gelang es Fahndern nach einem Wohnungseinbruch in Hameln, drei Männer (24, 25, 28) aus Albanien festzunehmen. Sie waren in die Region Hannover aufgespürt worden. Ein Richter des Amtsgerichts Hameln ordnete Untersuchungshaft an. Zwei mutmaßliche Komplizen, eine Frau (32) und ein Mann (23), wurden ebenfalls dingfest gemacht werden – sie mussten später jedoch mangels ausreichender Haftgründe wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Die fünf Tatverdächtigen stehen im Verdacht, eine Vielzahl von Einbrüchen in Südost-Niedersachsen begangen zu haben. Frank Beißner weiß: Serientäter hinterlassen nicht nur Spuren am Tatort, sondern auch in der Kriminalstatistik.

Information

279 Einbrüche im vergangenen Jahr

Im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden gehen die Einbruchzahlen zurück. Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen haben die Ermittler Einbrechern den Kampf angesagt – Großkontrollen wie diese, Sonderstreifen und Aufklärungsarbeit gehören dazu. Im Jahr 2016 wurden 349 Wohnungseinbrüche angezeigt, im vergangenen Jahr waren es „nur“ noch 279. Ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist: Die deutschen Versicherer mussten im vergangenen Jahr so wenig Schadenersatz leisten wie zuletzt vor acht Jahren. Rund 360 Millionen Euro betrugen die versicherten Schäden laut Hochrechnung, während sie in den letzten fünf Jahren im Schnitt jeweils rund eine halbe Milliarde Euro ausmachten. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Rückgang rund 20 Prozent. Den Versicherern wurden im Jahr 2017 rund 120 000 Einbrüche gemeldet. In der Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind auch Einbrüche in Keller, Dachböden und Hauswirtschafträume enthalten. GDV-Präsident Wolfgang Weiler warnt: „Die vermeintliche Trendwende beim Thema Einbruch ist eine Illusion. Damit wir nicht wieder einen Anstieg wie vor zehn Jahren sehen, sind weiterhin alle Anstrengungen notwendig. Das Niveau der Einbruchzahlen bleibt hoch.“ ube



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