weather-image
Rauchsäule über Bad Pyrmont-Holzhausen / War es Brandstiftung?

Großfeuer - Flammen schlagen aus Dach

BAD PYRMONT. Nächtlicher Großeinsatz in Holzhausen - aus dem Dach eines mehrgeschossigen Bauernhauses schlagen meterhohe Flammen; über der Stadt steht eine Rauchsäule. Das Feuer wurde am Freitag gegen 1 Uhr entdeckt. Das große Gebäude an der Hagener Straße stand jahrelang leer. Polizisten und Feuerwehrleute durchsuchten dennoch die Zimmer. Eine Eingangstür war nicht verschlossen. Sie habe sich aufdrücken lassen, hieß es. War es Brandstiftung?

veröffentlicht am 29.09.2017 um 01:20 Uhr
aktualisiert am 29.09.2017 um 16:55 Uhr

Auch nach Tagesanbruch läuft der Einsatz weiter. Foto: ube
Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Jahrelang stand es leer, am Freitag sollten die Renovierungsarbeiten gestartet werden – doch daraus wird nichts. Das große Bauernhaus an der Hagener Straße in Holzhausen gibt es nicht mehr. Übrig geblieben sind nur Schutt und Asche. In der Nacht waren Brandstifter in das Gebäude eingedrungen und hatten Feuer gelegt – vermutlich an mehreren Stellen. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung. Die Löscharbeiten zogen sich bis zum Mittag hin.

Um 1.08 Uhr schlugen Flammen aus einem Dachfenster, wurde die Feuerwehr gerufen. Wenige Minuten später trafen die ersten Freiwilligen aus Holzhausen und Bad Pyrmont am Brandort ein. Über der Stadt stand eine Rauchsäule. Während draußen die Drehleiter in Stellung gebracht wurde, drangen erste Löschtrupps, die sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet hatten, in das geräumige Haus ein. Eine Eingangstür war nicht verschlossen, sie ließ sich aufdrücken. Polizeibeamte hatten schon vor Eintreffen der Feuerwehr die Zimmer im Erdgeschoss abgesucht. In der ersten Etage mussten die Ermittler jedoch umkehren – alles war verqualmt. Nachdem ein ausgedehnter Zimmerbrand im Dachgeschoss erfolgreich bekämpft worden war, stellten die Löschmannschaften fest, dass es auch in einem anderen Bereich, der von innen nicht mehr gefahrlos zu erreichen war, lichterloh brannte. Einsatzleiter Stefan Dressler forderte Unterstützung an, ließ eine weitere Drehleiter aus Nordrhein-Westfalen kommen. Freiwillige aus Hagen, Löwensen, Thal und Lügde rückten aus.

Weil die Gefahr bestand, dass Lehmschlagdecken, in die Löschwasser gelaufen war, einstürzen, holte der Hauptlöschmeister seine Trupps aus dem Haus. „Ein Innenangriff war zu gefährlich“, sagt Dressler. Von zwei Seiten aus wurden die Flammen nun von außen in die Zange genommen. Feuerwehrleute spritzten von den Drehleitern Wasser in den Dachstuhl. Was Dressler befürchtet hatte, trat schon bald ein: Decken kamen runter, Fußböden brachen weg. In den Hohlräumen brannte es weiter. „Wir kamen nicht an die Brandherde ran“, erzählt Dressler. Was tun? THW-Fachberater Andreas Weiher wurde um eine Expertise gebeten. Schließlich forderte die Einsatzleitung von der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Kirchohsen 1200 Liter Schaummittel an. Doch die Untere Wasserbehörde untersagte den Einsatz von Löschschaum. „Das Objekt befindet sich im Heilquellenschutzgebiet“, erklärt der Einsatzleiter.

Auch nach Tagesanbruch läuft der Einsatz weiter. Foto: ube
  • Auch nach Tagesanbruch läuft der Einsatz weiter. Foto: ube
Nächtliches Feuer in Holzhausen - Flammen schlagen aus dem Dach. Foto: ube
  • Nächtliches Feuer in Holzhausen - Flammen schlagen aus dem Dach. Foto: ube
Foto: ube
  • Foto: ube
Foto: ube
  • Foto: ube
Auch nach Tagesanbruch läuft der Einsatz weiter. Foto: ube
Nächtliches Feuer in Holzhausen - Flammen schlagen aus dem Dach. Foto: ube
Foto: ube
Foto: ube

Gegen 5 Uhr wurde der Abbruchspezialist Werner Otto um Hilfe gebeten. Drei Stunden später begann der Greifer eines 50-Tonnen-Baggers an dem qualmenden Haus zu nagen. Mit dem Kettenbagger wurden die versteckten Glutnester freigelegt – sie konnten danach von der Drehleiter und von der Straße aus bekämpft werden.

In der Nacht waren die Einsatzkräfte von der Bäckerei Engelke versorgt worden. Birgit und Maren Sievers schmierten mehr als 100 Brötchen und kochten jede Menge Kaffee. „Das machen wir doch gern“, sagt Birgit Sievers. „Jeder muss seinen Beitrag leisten.“ Weil die Bäckerei im abgesperrten Sektor liegt, seien leider viele Kunden nicht gekommen, hieß es. Ehrenamtliche der DRK-Bereitschaft Bad Pyrmont kümmerten sich später um die Verpflegung der knapp 90 Kräfte. Neben Brötchen, Kaffee und Tee gab es Erbsensuppe.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare