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Dekontaminationszelt aufgebaut

Großeinsatz im Amtsgericht Rinteln: War das Pulver harmlos?

RINTELN. Ein mysteriöses grünliches Pulver in einem Brief sorgte am Dienstag kurz nach 11 Uhr für einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungskräften und Polhizei beim Amtsgericht Rinteln. Fünf Personen zeigten laut Polizei klinische Symptome, nachdem sie das Pulver eingeatmet hatten. Um was für ein Pulver es sich handelt, hat ein "rollendes Labor" unter Leitung von Dr. Christian Vidal ermittelt. Es soll sich um keine biologische und keine radioaktive Substanz handeln.

veröffentlicht am 06.03.2018 um 13:15 Uhr
aktualisiert am 06.03.2018 um 17:57 Uhr

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Insgesamt werden 19 Personen vom Rettungsdienst betreut. Bisher wurde niemand in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Feuerwehr errichtete vor dem Amtsgericht ein Dekontaminationszelt. Der mysteriöse Brief war bereits im Zustellzentrum des Zustellers aufgefallen, weil er Beschädigungen aufwies und deshalb in Plastikfolie eingeschweißt wurde.

Nach der Zustellung in der Poststelle des Amtsgerichts wurde er dort geöffnet. Als das grünliche Pulver zutage trat wurde der Brief allerdings bis zur Vorgesetzten getragen, statt ihn in der Poststelle zurückzulassen. Das bestätigte auf Anfrage die Streifendienstleiterin Tamara Ermantraut-Riechers. Erst im Anschluss wurde die Polizei alarmiert. Diese befragte vor Ort die betroffenen Personen, bis eine Mitarbeiterin des Amtsgerichts über leichte Beschwerden klagte.

"Dadurch haben wir uns gezwungen gesehen, die Rettungskräfte und die Feuerwehr unter entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen hinzuzuziehen, um für die Stadt Rinteln und für die Mitarbeiter des Amtsgerichts die höchstmögliche Sicherheit zu gelangen." Das gesamte Amtsgericht wurde evakuiert. Die Schüler der nahe gelegenen Schule mussten nicht evakuiert werden, verließen aber geordnet unter Aufsicht ihrer Lehrer das Gebäude.

Die Leitstelle rief einen möglichen "Massenanfall von Verletzten" mit bis zu 30 Betroffenen auf. Aus dem gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus fuhren Rettungsfahrzeuge zum Amtsgericht. "Aufgrund der unklaren Lage haben wir entsprechend reagiert", so Ermantraut-Riechers, "Sicherheit geht vor."

Fünf Patienten klagten konkret über klinische Symptome. Darunter insbesondere Atemnot, Kreislaufprobleme sowie Husten. Bisher musste niemand ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Ein guter Teil der Innenstadt wurde von der Polizei gesperrt, auf dem Marktplatz positionierte sich die Feuerwehr. Einer nach dem anderen wurden 19 Personen, die möglicherweise mit dem noch unidentifizierten grünlichen Pulver in Berührung kamen, im Dekontaminationszelt der Umweltschutzeinheit der Feuerwehr untersucht.

Alle mussten bis zum Ende des Einsatzes vor Ort bleiben, da ohne ein Ergebnis der Laboruntersuchung keine Entwarnung gegeben werden konnte. Nach gut zwei Stunden schätzten die Einsatzkräfte allerdings die Situation vor Ort als deutlich entspannter ein. Ein großer Teil der Rettungskräfte wurden wieder abgezogen.

Eine Spezialeinheit des LKA Hannover rund um den Chemiker Dr. Christian Vidal reiste eilig aus der Landeshauptstadt an. Unter Vollschutz betraten Feuerwehrleute das möglicherweise kontaminierte Amtsgericht und suchten nach dem fraglichen Pulver. Insgesamt drei Mal mussten sie eine Probe des Pulvers entnehmen und zum Labor vor dem Amtsgericht bringen. Das erste Ergebnis lautete, dass es sich um keine biologische, keine radioaktive und keine flüchtige Substanz handelt. Über die genaue chemische Zusammensetzung muss nun das Labor in Hannover entscheiden.

Mehrere leitende Notärzte sowie organisatorische Leiter des Landkreises übernahmen die Organisation der verschiedenen Einsatzstellen. Ortsbrandmeister Thomas Blaue übernahm die Einsatzleitung des Großeinsatzes.


Statement der Polizei

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Statement von Christian Vidal, Chemiker des LKA Niedersachsen, zu dem grünen Pulver





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