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Orkan sorgt für Wirbel - Reisende sitzen fest

Gestrandet auf dem Hamelner Bahnhof

HAMELN. Auch am Tag eins nach Orkantief "Xavier" brauchen Bahnreisende viel Geduld und vor allem starke Nerven. Taxi-Unternehmen dürften gute Geschäfte gemacht haben. "Wir ersetzen ja jetzt die Bahn", sagte eine Sprecherin. Auch am Bahnhof Hameln gab es am Freitag Verspätungen, saßen Menschen fest, die in Richtung Norden fahren wollen.

veröffentlicht am 06.10.2017 um 09:15 Uhr
aktualisiert am 06.10.2017 um 10:37 Uhr

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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
Fernzüge über Hannover nach Hamburg fuhren nur bis Kassel, zahlreiche Strecken blieben auch am Freitagmorgen noch gesperrt - Äste und Bäume waren auf Oberleitungen und Schienen gefallen. Reisende hörten am Freitagvormittag immer wieder die Durchsage, dass es aufgrund des Unwetters zu Beeinträchtigungen im Bahnverkehr kommt. Schon am Abend hatte ein Bahnsprecher gegenüber der Dewezet erklärt: "Störungsmeldungen kommen bei uns im Minutentakt rein. Bäume stürzen um, Planen sind in die Oberleitung geweht. Wann wir wieder nach Plan fahren, steht noch nicht fest."

Vor dem Bahnschalter in Hameln standen Reisende Schlange. Alle wollten wissen, wie und wann es weitergeht. Die Damen und Herren von der Auskunft konnten den teilweise erbosten Leute weder Ausweichmöglichkeiten noch einen Schienen-Ersatzverkehr anbieten. Ein Mann, der in Hameln gestrandet war, war außer sich. Er verlangte, dass ihm ein Hotelzimmer zur Verfügung gestellt werde. Die meisten Fahrgäste brachten aber Verständnis für die Lage auf. Da sei halt höhere Gewalt, sagte eine Frau und zuckte mit den Schultern.

Der 18 Jahre alte Hamelner Marc Meyer tauschte sein Ticket um. "Ich wollte eigentlich nach Norddeich, aber es rollt ja nichts mehr", sagte er. Die Bahn hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den gesamten Fernverkehr in Norddeutschland eingestellt. "Die Leute von der Bahn waren ja ganz nett. Die können ja auch nichts für diese Ausnahmesituation. Die haben mir sogar eine kostenlose Taxi-Fahrt nach Hannover angeboten. Die Wahrscheinlichkeit, dann dort festzusitzen, wäre zu groß gewesen", erzählt der Auszubildende. "Ich würde in diesem Fall vom Roten Kreuz in einer Feldküche versorgt und hätte in einem Übernachtungszug schlafen können. Aber das hätte mich im wahrsten Sinne des Wortes auch nicht weitergebracht." Meyer hatte die richtige Entscheidung getroffen. Am Freitagmorgen herrschte wegen des Sturms immer noch Chaos. Die Rentnerin Gertrud K. aus Hameln saß auf gepackten Koffern. Sie wollte am Mittag von Bremen aus in den Urlaub fliegen. "Ich weiß nicht, was ich machen soll", sagte die Mittsiebzigerin. 

Nicht nur die Reparaturtrupps der Bahn waren im Dauereinsatz. Auch die Hilfsdienste im Weserbergland waren im Unwettereinsatz. In Afferde, Hajen, Hehlen, Bessingen, Rühle, Polle, Bevern, Thüste, Hessisch Oldendorf und  Nienstedt bei Bad Münder mussten Sturmeinsätze abgearbeitet werden. Meist waren es abgeknickte Äste oder umgestürzte Bäume, die Straßen blockierten. In Thüste wurde ein Dach abgedeckt, aus Bessingen wurde gemeldet, dass Wassermassen in Richtung Dorf laufen würden. Neben den Freiwilligen der Feuerwehren rückte auch das Technische Hilfswerk aus Hameln aus. An der Hamelner Straße in Afferde drohte am Abend eine sechs Meter hohe Tanne auf die Bundesstraße 1 und auf einen Gehweg zu stürzen. Weil Eile geboten war, fuhr das THW mit Blaulicht und Sirene. Mit Kettensägen wurde die Gefahr beseitigt. In Niedersachsen seien mindestens 20 Menschen verletzt worden, hieß es. Bundesweit forderte Orkan "Xavier" acht Menschenleben.

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