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Geständnisse im Prozess um Krawalle nach Todessturz in Hameln

Hameln/Hannover. Im Prozess um die Ausschreitungen einer Großfamilie in Hameln haben alle sechs Angeklagte im Landgericht Hannover Geständnisse abgelegt. Die fünf Männer und eine Frau räumten am Donnerstag in von ihren Verteidigern vorgetragenen Erklärungen ein, im Januar 2015 Polizisten beleidigt, bedroht und attackiert zu haben.

veröffentlicht am 27.04.2017 um 14:01 Uhr
aktualisiert am 27.04.2017 um 17:28 Uhr

Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Die sechs Mitglieder einer libanesischen Großfamilie, die sich mehr als zwei Jahre nach den Gewalt-Exzessen in Hameln mit 30 teils erheblich Verletzten, vor dem Landgericht Hannover verantworten müssen, haben am Donnerstag erwartungsgemäß Geständnisse abgelegt und damit sämtliche ihnen zur Last gelegten Vorwürfe eingeräumt. Eine Frau (50) und fünf Männer (27, 27, 28, 30, 46) müssen sich seit Montag wegen diverser Straftaten verantworten. Es geht um versuchte Anstiftung zu einer erheblichen Gewalttat, schweren Landfriedensbruch, mehrere gefährliche Körperverletzungen, Morddrohungen und Beleidigungen.

Die Angeklagten ließen ihre Verteidiger sprechen, bestätigten danach lediglich die Richtigkeit der Angaben. Alle hoffen auf Bewährungsstrafen, die ihnen im Vorfeld in Aussicht gestellt worden waren. Nur Ibrahim S. (27), Bruder des bei einem Fluchtversuch am Amtsgericht Hameln ums Leben gekommenen mutmaßlichen Räubers Mohamed S. (26), droht eine Gefängnisstrafe. Sein Strafrahmen liegt zwischen einem Jahr und elf Monaten und zwei Jahren und sechs Monaten - unter Einbeziehung einer bereits ergangenen Verurteilung (ein Jahr und sieben Monate) wegen Einbruchs. Ibrahim S., der am 13. Januar 2015 versucht hatte, seinen Bruder vor der Polizeiwache an der Lohstraße aus einem Streifenwagen zu zerren, ließ erklären, er habe an diesem Abend von der kurz zuvor erfolgten Festnahme gehört und sei deshalb zur Polizei gegangen. Gerade in diesem Moment sei der Funkwagen vorgefahren. Die ihm vorgeworfene versuchte Gefangenenbefreiung soll eine spontane Idee gewesen sein. Die späteren Attacken seien keine Missachtung des deutschen Staates gewesen, ließ der 27-Jährige ferner erklären. „Ich war der Erste, der Mohamed leblos auf dem Boden sah. Ich war schlicht fassungslos.“

Roman von Alvensleben, der die Mutter des am 14. Januar 2015 in den Tod gestürzten Mohamed S. verteidigt, wollte von einem leitenden Kriminalbeamten, der als Zeuge vernommen wurde, eigentlich wissen, wie es dazu kommen konnte, dass sich der Tatverdächtige während einer Haftvorführung von einer Handfessel befreien konnte. Er zog diese Frage allerdings zurück. „Der Vorsitzende Richter hat deutlich gemacht, dass dieser Punkt für dieses Verfahren keine Rolle spielt“, erklärte der Rechtsanwalt. Seine Mandantin hoffe darauf, dass sich die Beweisaufnahme nicht in die Länge zieht. „Das alles ist sehr belastend für die Mutter des Verstorbenen. Deshalb ist sie auch bereit, dem Prozess täglich mehr als drei Stunden zu folgen. Wir haben das dem Gericht angeboten“, sagte von Alvensleben. Khadra S. sei nicht gewalttätig, sagte von Alvensleben. „Sie war damals allerdings außer sich.“ Auch ein Cousin des Toten führte seinen Angriff auf einen Justizbeamten auf seine psychische Ausnahmesituation zurück. Er bereue ihn außerordentlich.

In der kommenden Woche sollen am Donnerstag und am Freitag Zeugen, zumeist Polizei- und Justizbeamte vernommen werden. Am 17. Mai könnten die Urteile gesprochen werden.

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